Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Wachtendorf-Kolumne

Frage an Radio Eriwan: Wie sicher sind Fonds?

„Bank- und Bausparverträge sind durch die gesetzliche Garantie geschützt. Investmentfonds, Wertpapierdepots und auch die private oder betriebliche Altersvorsorge fallen nicht darunter.“

So war es am Mittwoch in einem Info-Kasten meiner Regionalzeitung zu lesen. Natürlich, ein paar allgemeine Erläuterungen zum eigentlichen Thema, die in diesen Tagen kontrovers diskutierte Bankenunion, gab es im dazugehörigen Artikel auch. Den dürften aber längst nicht alle Leser so ganz genau verstanden haben, geschweige denn den Zusammenhang mit der privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Was am Ende des Tages auf jeden Fall im Gedächtnis bleibt, ist die unterschwellige Botschaft „Fonds sind nicht sicher.“

Diese zu widerlegen und verunsicherte Anleger auf den besonderen Charakter eines im Konkursfall vor dem Zugriff Dritter geschützten Sondervermögens zu verweisen, ist für einen kundigen Berater Routine, gewiss. Den hat jedoch nicht jeder morgendliche Zeitungsleser beim Frühstückskaffee an seiner Seite sitzen, und deshalb darf man sich ruhig darüber ärgern, wie gedankenlos und stiefmütterlich Investmentfonds in der Berichterstattung über ein so sensibles Thema wie den Einlageschutz häufig immer noch behandelt werden. Die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2008 von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück als Schnellschuss ausgesprochene Garantie für Sparkonten und ihre vermeidbaren Folgen lassen grüßen.

Vor sieben Jahren hätte man es mit der Kritik an dieser Stelle bewenden lassen können. Doch so einfach ist es heute – leider – nicht mehr. Denn die vom Thema möglicher Kursverluste losgelöste Frage „Wie sicher sind Fonds?“ lässt sich spätestens seit Dezember 2008 nicht allein auf das Stichwort Sondervermögen herunterbrechen. Vom damals aufgeflogenen Schneeballsystem des einstigen Wall-Street-Lieblings Bernard Madoff waren auch tausende deutsche Fondsanleger betroffen. Hinzu kommt: An den durch diesen Betrug deutlich gewordenen Missständen am Finanzplatz Luxemburg, die ein Artikel der Wirtschaftswoche vom Januar 2012 exemplarisch beklagt, hat sich bis heute nicht wirklich etwas Grundlegendes verändert. Längst schlagen deshalb manche Berater um Fonds, deren ISIN mit einem LU für Luxemburg beginnt, einen großen Bogen und greifen für sich und ihre Kunden ausschließlich auf in Deutschland aufgelegte Produkte mit dem ISIN-Kürzel DE zurück.

Ob sich das Grundproblem (Wer haftet bei Veruntreuung von Geldern aus dem Fondsvermögen?) damit aus der Welt schaffen lässt, ist jedoch fraglich. Denn seit dem Madoff-Skandal findet sich auch in vielen deutschen Fondsprospekten folgende Formulierung: „Mit der Verwahrung von Vermögensgegenständen, insbesondere im Ausland, kann ein Verlustrisiko verbunden sein, das aus Insolvenz, Sorgfaltspflichtverletzungen oder missbräuchlichem Verhalten des Verwahrers oder eines Unterverwahrers resultieren kann.“ Mit anderen Worten: Wenn etwas passiert, bleibt ein Anleger erst einmal auf seinem Schaden sitzen. Ihm hilft dann nur noch der Rechtsweg – und die Hoffnung, dass die deutsche Justiz sich des Falls unvoreingenommener und vor allem schneller annimmt als die luxemburgische.

Im Zweifel also doch lieber gar keinen Fonds? Das wäre wohl die Antwort, wenn es eine wirklich sichere und zudem ähnliche Erträge versprechende Alternative gäbe. Die aber gibt es im aktuellen Umfeld weniger denn je, und deshalb hilft nur eines: streuen, streuen, streuen. Wer ein sechs- oder siebenstelliges Vermögen auf lediglich sechs oder sieben Fonds verteilt, bekommt im Falle eines Falles ein entsprechend großes Problem.

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