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DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf analysiert das Pantoffel-Portfolio der Stiftung Warentest.  | © Johannes Arlt

Wachtendorf-Kolumne Gesucht: Pantoffel-Held, Jahrgang 2049

Wie lege ich 2019 ein Kapital von 20.000 Euro richtig an? Wer diese Frage an die Stiftung Warentest heranträgt, erhält – wenig überraschend – die gleiche Antwort wie 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018. Sie lautet: natürlich im Pantoffel-Portfolio. Es besteht je zur Hälfte aus einem Rendite-Baustein und einem Sicherheits-Baustein und heißt so, weil es ebenso einfach wie bequem ist.

Immerhin, eine Veränderung gibt es dann doch. Lautete die Empfehlung in früheren Jahren stets, das Geld zwischen einem ETF auf den Aktien-Index MSCI World und einem europäischen Renten-ETF aufzuteilen, muss letzterer im jüngsten Erklär-Film zum Thema einem simplen Tagesgeldkonto weichen. Damit will die Stiftung Kritikern des Pantoffel-Portfolios offenbar Wind aus den Segeln nehmen: Wem kann man im aktuellen Umfeld schon reinen Gewissens empfehlen, große Teile seines Vermögens langfristig zu Mini-Zinsen finanziell angeschlagenen Staaten wie Italien, Frankreich oder Spanien zu leihen?

Von diesem inzwischen korrigierten Geburtsfehler einmal abgesehen lässt sich gegen die drei Kern-Botschaften des Modells kaum etwas einwenden. Wage allen Verlustängsten und Störgeräuschen zum Trotz den Weg an die Börse, halte dabei die Kosten niedrig und stelle einmal im Jahr das ursprüngliche Mischungsverhältnis zwischen dem Rendite- und dem Sicherheits-Baustein wieder her – wer als Pantoffel-Anleger entsprechend agierte, stieg quasi automatisch zum Performance-Helden auf und erzielte beachtliche Renditen. Seit 1989 im Durchschnitt 6 Prozent pro Jahr, um genau zu sein. Aus 20.000 Euro wurden so innerhalb von 30 Jahren rund 100.000 Euro. „Ob das in Zukunft wieder so klappt, ist natürlich ungewiss“, heißt es am Ende der Drei-Minuten-Lektion. Die Chancen für einen „ordentlichen Gewinn“ stünden aber gut.

Mit Verlaub, 6 Prozent pro Jahr wird verdammt schwierig. Denn in den vergangenen 30 Jahren setzte sich die Rendite eines je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen bestehenden Portfolios wie folgt zusammen: Etwa 3,5 Prozent kamen vom mit 50 Prozent gewichteten MSCI World, die restlichen 2,5 Prozent steuerten die europäischen Rentenmärkte über Zinsen und Kursgewinne bei. Nochmals eine Rendite von 5 Prozent für die nächsten 30 Jahre ist von dieser Seite allerdings kaum zu erwarten. Zwar drohen bei einem Tagesgeldkonto anders als bei einem Renten-ETF keine Kursverluste, wenn irgendwann einmal die Zinsen wieder steigen. Kursgewinne fallen jedoch auch nicht an, und angesichts der allerorten hohen Staatsverschuldung scheinen Zinsen von 8 oder 9 Prozent, wie es sie in den 90er Jahren teilweise noch gab, illusorisch. Kurzum: Wenn ein Pantoffel-Anleger am Ende durch Direktbank-Hopping auf 2,5 Prozent und damit für sein Portfolio auf 1,25 Prozent kommt, wäre das schon viel. Sehr viel sogar.

Im Umkehrschluss müsste der MSCI World anteilig 4,75 Prozent liefern, also 9,5 Prozent pro Jahr. Doch was, wenn es am Ende statt 7 Prozent wie zwischen 1989 und 2008 auch hier etwas weniger wären, sagen wir 5,5 Prozent? Dann bleiben in der Summe 4 Prozent. Oder, in absoluten Zahlen: Aus 20.000 Euro würden bis Anfang 2049 nicht 100.000 Euro, sondern nur knapp 65.000 Euro.

Immer noch ein ordentlicher Gewinn, durchaus. Und vermutlich deutlich mehr, als viele Misch- und Absolute-Return-Fonds im gleichen Zeitraum nach Kosten herausholen werden. Wer jedoch mehr will, kommt nicht umhin, an einigen Stellschrauben zusätzlich zu drehen. Und zum Beispiel in Phasen, in denen der Aktien-Anteil des Portfolios durch Kursverluste an den Börsen auf unter 40 Prozent fällt, diesen nicht nur auf 50 Prozent anhebt, sondern auf 60 Prozent. Oder den Anteil an Nebenwerten oder Schwellenländern vergrößert. Mit einem simplen ETF ist es auf diesen beiden Gebieten aber eher nicht getan.

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