DER-FONDS-Chefredakteur Egon Wachtendorf

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Wachtendorf-Kolumne

Morningstar-Ranking: Leitfaden für eine bessere Fondswelt

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Wie sieht das ideale Umfeld für Fondsanleger aus? Die amerikanische Ratingagentur Morningstar skizziert es in ihrer alle zwei Jahre durchgeführten Global Fund Investor Experience Study wie folgt: Eine unabhängige und proaktive Aufsichtsbehörde schützt vor Betrug. Die Regierung bittet Fondssparer steuerlich nur gering zur Kasse und fördert darüber hinaus den langfristigen Investmentgedanken. Seitens der Branche herrscht eine hohe Transparenz, das Gebühren-Niveau ist moderat, Fonds sind über verschiedene Vertriebskanäle verfügbar und Anleger finden in den Medien umfangreiche Informationen über unterschiedliche Investmentmöglichkeiten vor.

Es kann kaum überraschen, dass Deutschland in diesem weltweiten Ranking unter 25 untersuchten Ländern nicht zu den Spitzenreitern gehört. Immerhin, mit der Note C+ reicht es zu einem Platz im Mittelfeld, noch vor Nachbarländern wie Belgien, Frankreich, Spanien und Italien. Deutlich besser schneiden mit A- die Niederlande ab, die hinter den USA und Korea (jeweils A) den dritten Platz belegen. Auch Großbritannien macht mit B+ eine gute Figur.

Schaut man sich die Ergebnisse im Detail an, offenbart sich jedoch schnell, wie fragwürdig das Morningstar-Ranking im Grunde genommen ist. Beide zuletzt genannten Länder verdanken ihr gutes Abschneiden nämlich in erster Linie der Tatsache, dass sie Provisionszahlungen im Vertrieb von Fondsanteilen gesetzlich verboten haben. In punkto Steuern und Transparenz stehen Fondskäufer in den Niederlanden keinen Deut besser da als in Deutschland, und auch im Vergleich zu Großbritannien ist das Wohlfühl-Gefälle nicht so groß wie es auf den ersten Blick den Anschein hat.

Was wiederum nicht heißen soll, dass Deutschland generell zu schlecht wegkommt: Ganz im Gegenteil, gefühlt scheint – gemessen an den eingangs erwähnten Ansprüchen – als Note bestenfalls ein C- vertretbar. Proaktive Aufsicht? Nun ja, da werden nicht nur die Opfer des New Yorker Milliardenbetrügers Bernard Madoff eine etwas abweichende Meinung vertreten. Steuerliche Behandlung von Fondsanteilen? Im Vergleich zu anderen Anlageformen nach wie vor unbefriedigend, von ihrer vielfach unnötigen Kompliziertheit einmal ganz abgesehen. Politische Förderung des langfristigen Investmentgedankens? Selten so gelacht, nächstes Thema. Auch im Bereich Offene Architektur, also der Berücksichtigung von Fremdfonds im Vertrieb, sind andere Länder wesentlich weiter. Lediglich für den allgemeinen Zugang zu Fondsinformationen lässt sich das von Morningstar bescheinigte leicht überdurchschnittliche Niveau in Deutschland ansatzweise bestätigen.

Es bleibt also noch viel zu tun, und als Leitfaden für eine bessere Fondswelt können Ausarbeitungen wie die Morningstar-Studie durchaus eine Hilfe sein. Nur sollten sie eine bessere Balance hinbekommen zwischen dem, was wirklich wichtig ist, und dem, was der firmeneigenen Ideologie entspringt. C+, mit leicht zugedrücktem Auge.

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