Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

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Wachtendorf-Kolumne

Müller, Otte, Zulauf & Konsorten: Messlatte des Misserfolgs

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In der Finanzbranche ist es Usus, alles und jeden zu messen – bevorzugt natürlich an der Leistung. Weil das am besten über Indizes funktioniert, gibt es mittlerweile abseits von Dax, Dow und Nikkei eine ganze Armada offizieller und weniger offizieller Vergleichsmaßstäbe, die so gut wie keine Wünsche offen lässt. Manches davon mutet vielleicht etwas kurios an, ist aber überraschend erfolgreich. Zum Beispiel der Sünden-Index Sindex, der die Entwicklung der größten Tabakkonzerne, Alkoholhersteller und Kasinobetreiber der USA abdeckt. Oder der Hermès-Handtaschen-Index, der seit 1980 eine durchschnittliche Rendite von mehr als 14 Prozent pro Jahr brachte.

Keinen Index gibt es meines Wissens bislang für eine ganz spezielle Wettbewerbs-Spielart: Börsen-Gurus, die einen eigenen Investmentfonds aufgelegt haben. Die langfristige Entwicklung einer solchen Benchmark zu verfolgen wäre sicher spannend, auch wenn sie nicht annähernd so dynamisch verlaufen dürfte wie der Sindex oder die Birkin-Bag-Kurve.

Diesen Verdacht nährt zumindest eine Betrachtung jener Produkte, die sich derzeit am deutschen Markt für einen solchen Index qualifizieren würden: Max Otte Vermögensbildungsfonds, Dirk Müller Premium Aktien, Vicenda Multi Asset Opportunities. Alle drei Fonds – letzterer ein Gemeinschaftsprodukt des Schweizer Crash-Propheten Felix Zulauf mit seinem Sohn Roman – dümpeln seit ihrer Auflegung mehr schlecht als recht vor sich hin. Was im Vergleich zu anderen, mittlerweile längst aufgelösten Guru-Fonds wie Thieme International, DAC-Fonds UI oder Riße Inflation Opportunities schon verdammt gut ist.

Wer nach Ursachen für die oft schwachen Ergebnisse derartiger Fonds forscht, kommt an einer Überlegung nicht vorbei: Wann bitte schön haben die prominenten Manager überhaupt Zeit, sich ernsthaft um die Auswahl aussichtsreicher Aktien zu kümmern oder ihr Portfolio neuesten Trends anzupassen? Beispiel Max Otte: Ein wahrer Hansdampf, der an zwei Hochschulen unterrichtet, Bücher schreibt, täglich Interviews für Presse, Funk und Fernsehen gibt, regelmäßig Vorträge hält, auf Fach-Kongressen an Diskussionsrunden teilnimmt und sich neuerdings auch noch in führender Position bei der Initiative Rettet unser Bargeld engagiert. Ich für meinen Teil hätte schon bei der Hälfte dieses Pensums Sorge, ob pro Nacht noch sechs Stunden Schlaf drin sind – von sonstigen Aktivitäten ganz zu schweigen.

Nicht viel anders sieht es bei Dirk Müller aus. Wann werden also jene Ideen geboren, die den Dirk Müller Premium Aktien von konkurrierenden Produkten abheben sollen? Wie viel Müller steckt überhaupt in dem inzwischen immerhin knapp 80 Millionen Euro schweren Fonds, wie viel verantwortet sein Co-Manager Andreas Schmidt von der Frankfurter Vermögensverwaltung Focam? Und wie sinnvoll ist es, ein langfristig in Qualitätsaktien investierendes Portfolio permanent abzusichern?

Bleibt bis auf weiteres nur die Erkenntnis, dass man als Anleger das eigene Depot mit den Mitgliedern eines wie auch immer komponierten Börsen-Guru-Index nicht unbedingt in Berührung bringen muss. Und die Suche nach einem passenden Namen für ein solches Konstrukt. Bettvorleger-Index ist mir auf die Schnelle eingefallen. Als Tiger gestartet, Sie wissen schon. Oder MSCI Big Mouth. Aber da gibt es bestimmt noch viel bessere Ideen. Ich bin gespannt auf Ihre Vorschläge.

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