Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Wachtendorf-Kolumne

Nessie und die Multi-Asset-Fonds

//

Gebühren sind bei Investmentfonds ein Dauer-Thema – zu Recht. Wer nachvollziehen will, wie sie langfristig an der Performance knabbern, muss sich nur einmal die unterschiedlichen Varianten eines prominenten Klassikers ansehen. Der nur handverlesenen Investoren zugängliche Flossbach von Storch Multiple Opportunities F erzielte seit der Auflegung im Oktober 2007 einen Wertzuwachs von 162,7 Prozent (Stichtag: 18. August). Der zeitgleich mit einer deutlich teureren Gebührenstruktur gestartete Flossbach von Storch Multiple Opportunities R für Privatanleger kommt nur auf 135,6 Prozent. Das macht bei einer Einmalanlage von 10.000 Euro einen Unterschied von 2.710 Euro. Haben oder nicht haben.

Natürlich, auch Privatanleger haben bei einer Rendite von 10,2 Prozent in derart turbulenten Zeiten wenig Anlass, mit der Netto-Ausbeute dieses Ausnahme-Fonds unzufrieden zu sein. Selbst wer beim Kauf den vollen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent bezahlt hat, kommt am Ende immer noch auf eine Rendite von 9,6 Prozent. Das ist mehr als achtbar.

Der Begriff „Ausnahme-Fonds“ signalisiert jedoch bereits, wo das Problem liegt: Derartige Ergebnisse sind nicht die Regel. Und für die Masse der in Deutschland angebotenen Investmentfonds dürfte gelten, was unlängst die US-amerikanische Ratingagentur Morningstar in einer Studie für ihr Heimatland ans Tageslicht brachte. Demzufolge haben 54 Prozent aller Mischfonds, die von der Kostenbelastung zum günstigsten Fünftel ihrer Kategorie gehören, zwischen 2011 und 2015 ihren Vergleichsindex geschlagen. Aus dem teuersten Fünftel dieser Kategorie schafften das nur 24 Prozent. Bei Aktien- und Rentenfonds sprechen die Zahlen bei einer Gegenüberstellung von „Gut und günstig“ und „Schlecht und teuer“ sogar eine noch deutlichere Sprache.

Die gute Nachricht bei Aktien- und Rentenfonds: Dort sinken inzwischen die Gebühren, weil kostengünstige ETFs einen immer größeren Marktanteil einnehmen. Für Mischfonds und ganz besonders für Multi-Asset- und Absolute-Return-Fonds gilt dies jedoch nicht. Sie bleiben die teuerste Anlagekategorie – in diesem Segment spielen passive Indexprodukte als Konkurrenz bislang keine Rolle.

Daraus zu folgern, dass eine breit angelegte Multi-Asset-ETF-Offensive die Lösung sein könnte, ist definitiv der falsche Schluss. Die Stärke erfolgreicher Misch- und Multi-Asset-Fondsmanager besteht schließlich gerade darin, aktiv und unabhängig von marktgängigen Indizes zu agieren. Gleichwohl: In einem Umfeld anhaltend niedriger Zinsen wird es auch für sie immer schwieriger, nach Kosten einen Mehrwert zu erzielen – gerade, wenn es sich um eher konservative Produkte mit einer nur geringen Verlusttoleranz handelt.

Auf die Einsicht der Anbieter zu hoffen, dass eine Gesamtbelastung von mitunter 3 Prozent oder mehr – inklusive Transaktionskosten und Performancegebühren – derzeit einfach nicht in die Landschaft passt, scheint illusionär. Darauf deuten zumindest jüngste Äußerungen aus der britischen Investment-Industrie hin, für die versteckte, über die Total Expense Ratio hinausgehende Kosten vergleichbar sind mit dem Ungeheuer von Loch Ness: Es gibt sie schlicht und ergreifend nicht. Kein Wunder, dass bei einer solchen Sicht auf die Dinge der für mehr Transparenz plädierende Ex-Chef des britischen Fondsverbandes, Daniel Godfrey, im vergangenen Herbst seinen Stuhl räumen musste.

Wo liegt also die Lösung? In einem bei allen Multi-Asset-Produkten noch kritischeren Blick auf die Kosten und vor allem auf die Relation dieser Kosten zur bislang erzielten Performance. Im Zweifel heißt das, vor allem bei neu aufgelegten Fonds: Hände weg.

Verpassen Sie keinen Beitrag aus unserem wöchentlichen Online-Magazin DER FONDS und melden Sie sich hier kostenlos per E-Mail an.

Mehr zum Thema
Wachtendorf-KolumneInvestment-Strategien: Die Chronologie des ScheiternsWachtendorf-KolumneAchtung – Schlachtung!