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Ernüchtert vom Zinseszins: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | © Johannes Arlt

Wachtendorf-Kolumne

Reich nach Plan oder die verflixte Acht

Am 27. September war Zahltag. Ein Investment, bereits vor Ausbruch der Finanzkrise ins Depot geholt, passte dort nach reiflicher Überlegung strategisch nicht mehr hinein und musste Platz machen für andere Ideen. Gelohnt hat es sich allemal: Die Rechnung nach Abschluss der Transaktion ergab einen Wertzuwachs von beinahe 170 Prozent. Steuerfrei, versteht sich – für ein eher risikoarmes Produkt ohne jeden Bezug zum Aktienmarkt insgesamt eine sehr runde Sache.

Wirklich? Schon der nächste Rechenschritt sorgte für eine gewisse Ernüchterung. 169 Prozent umgerechnet auf 13 Jahre, das entspricht einer Rendite von gerade einmal 7,9 Prozent pro Jahr. Natürlich, das ist viel mehr als so manch altgedienter und zeitweise hoch gelobter Mischfonds im gleichen Zeitraum erzielte. Der Carmignac Patrimoine etwa kommt seit Herbst 2006 lediglich auf 4,0 Prozent, der Ethna-Aktiv sogar nur auf 3,5 Prozent. Aber eben auch nicht mehr als das, was viele Aktien- und Mischfonds-Manager einem langfristig orientierten Anleger mit Blick auf die nächsten 10 oder 20 Jahre als realistisches Renditeziel nennen. Und letztlich das Minimum, das ältere Semester wie ich von einer guten Geldanlage im Hinterkopf immer noch erwarten. Haben wir doch Zeiten erlebt, in denen ein simpler Sparbrief 9 Prozent oder mehr einbrachte. Pro Jahr wohlgemerkt, nicht über die gesamte Laufzeit.

In dieser unterschwelligen Erwartung lauert Gefahr. Mögen noch so viele Sparer – junge wie alte – über die Europäische Zentralbank schimpfen: Ihre Nullzins-Politik in die eigene, langfristige Vermögensplanung einbeziehen tut bislang kaum jemand. Oder passen Sie, wenn Sie mit einem der im Internet an jeder Ecke verfügbaren Sparplanrechner herumspielen, die dort vorab eingestellte Rendite von 4 oder 5 Prozent nach unten an? Nicht wenige Nutzer agieren genau andersherum. Sie erhöhen auf jene seit Jahrzehnten als Richtschnur geltenden 8 Prozent, was aus einer monatlichen, über 30 Jahre lang geleisteten Sparrate von 250 Euro einen Endbetrag von 357.000 Euro zaubert. Bei 5 Prozent wären es nur 206.000 Euro, bei 3 Prozent sogar nur 145.000 Euro. Wenn man anders kalkuliert hat, kann die Differenz im Alter ganz schön wehtun.

Noch gefährlicher in diesem Zusammenhang ist das Gegenstück des Sparplanrechners, der Auszahlplanrechner. Wer zum Beispiel als heute 65-Jähriger das aus einer fälligen Lebensversicherung fließende Geld neu investieren will, erfährt mit seiner Hilfe innerhalb von Sekunden, wie viel er davon pro Monat entnehmen kann, wenn das Kapital für die nächsten 25 Jahre reichen soll. Bei den häufig voreingestellten 3 Prozent Rendite pro Jahr wären es bei einem Startkapital von 200.000 Euro exakt 941,83 Euro. Was aber in der Praxis nie auf Euro und Cent genau aufgehen wird. Wer sehr konservative Depot-Bausteine bevorzugt, sollte maximal 2 Prozent oder noch weniger ansetzen.

Wer dagegen der Rendite wegen seinen Auszahlplan ausschließlich auf Aktienfonds aufbaut, dem könnte auf halbem Weg das Geld ausgehen. So geschehen etwa, wenn jemand die als Beispiel genannten 200.000 Euro im Frühjahr 2000 in den Riester-Klassiker Uniglobal (Sparplan-Rendite seither: 7,8 Prozent) gesteckt und fortan monatlich 1.000 Euro entnommen hätte. Schon im Frühjahr 2015 wäre mangels Masse Schluss gewesen. Durchschnittliche jährliche Rendite in diesen 15 Jahren: minus 1,26 Prozent.

Vorsicht also vor Spar- und Auszahlplänen auf Fondsbasis? Keineswegs. Es gibt dazu im aktuellen Umfeld keinerlei Alternative. Die Erwartungen an sie sollten jedoch realistisch sein, und von Zeit zu Zeit empfiehlt es sich, Anspruch und Wirklichkeit einander gegenüberzustellen – im Zweifel mit einem kompetenten Berater im Hintergrund. Damit die der Reichrechnerei folgende Ernüchterung in einem erträglichen Rahmen bleibt.

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