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Wachtendorf-Kommentar Angst vor einem Börsen-Crash

Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur DER FONDS
Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur DER FONDS
Für die einen ist es ein Menetekel, für die anderen schlicht Finanz-Pornografie, und wieder andere warnen vor der Gefahr der sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Die Rede ist – natürlich – vom Chart of Doom, der seit einigen Wochen die Runde macht und erstaunliche Parallelen zwischen der Aktienkursentwicklung von 1929 und heute zeigt.

Doch obwohl der Bezug zum Beginn der Weltwirtschaftskrise völlig an den Haaren herbeigezogen und durch eine Fülle von Fakten als Humbug widerlegt ist, lautet die unterschwellige Botschaft vieler Kommentare: Vorsicht, man weiß ja nie. Schließlich habe es in der Börsen-Historie schon weit geringfügigere Anlässe für sich bei den Banken stapelnde Körbe mit Verkaufsaufträgen gegeben.

Mich erinnert die ganze Diskussion an ein kürzlich geführtes Gespräch mit meinen Kindern, 15 und 13 Jahre alt. Vom Gymnasium hatte es eine E-Mail an die Elternvertreter gegeben, mit einer offiziellen Warnung des Landeskriminalamts: Es seien Kettenbriefe in Umlauf, die durch unheilvolle Todesdrohungen psychologischen Druck auf Schüler aufbauten, die enthaltene Botschaft möglichst schnell an möglichst viele Personen weiterzugeben.

Ob sie davon schon etwas gehört hätten, wollte ich von den beiden wissen. Die einzige Reaktion war ein schallendes Gelächter: „Mensch, Papa, an so einen Quatsch glaubt nicht mal ein Fünftklässler.“ Wäre doch schön, wenn die Anleger an der Wall Street ähnlich souverän zur Tagesordnung zurückkehrten.
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