Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur

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Wachtendorf-Kommentar

Boulevard of broken dreams

Der Mörder ist immer der Gärtner. Oder doch der Butler? In seinem Chanson-Klassiker von 1971 lässt Reinhard Mey die Identität des Täters bewusst im Unklaren. Ganz anders dagegen, wenn Deutschlands Boulevard über Anleger berichtet, denen ihr in mühsamer Arbeit angesammeltes oder durch eine Fügung des Schicksals in den Schoß gefallenes Vermögen plötzlich wieder abhanden gekommen ist. Dann sind die Umstände zwar in der Regel ähnlich mysteriös, aber am Ende war es immer – genau, ein Fonds. Etwa bei jenem ehemaligen Lotto-Millionär, dessen Fall in der vergangenen Woche Schlagzeilen machte. Sein Fehler laut Bild: Er „unterschrieb hoch spekulative Risiko-Fonds mit Gefahr des Totalverlustes“. Und steckte zu allem Überfluss auch noch Geld „in einen Investment-Fonds in New Jersey“. Pfui, Finger weg von Fonds, mag da so mancher Leser nur denken. Selbst dann, wenn er seine Informationen aus als seriöser geltenden Medien bezieht. Denn auch Spiegel Online oder Welt Online führen jenes ominöse Geld-Grab im fernen New Jersey ins Feld, ohne nähere Details zu nennen. Lediglich Handelsblatt Online wird konkreter: So handelte es sich offenbar um einen geschlossenen US-Immobilienfonds, über den sich der unglückliche Anleger an einem einzelnen, später Pleite gegangenen Einkaufszentrum beteiligt hatte. Am Ende war es also gar nicht der Fonds. Es war die Immobilie. Oder doch der Berater?

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