Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur

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Wachtendorf-Kommentar

Die 1.000-Euro-Wette (reloaded)

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Über Fondsanteile jeweils 100 Euro breit gestreut in zehn unbeliebte Märkte investieren und seelenruhig abwarten, bis die Wette aufgeht – so lautete jüngst an dieser Stelle die Empfehlung an alle, die trotz Dax-Höhenflug und Zins-Desaster den Grundstock für ein kleines Vermögen legen wollen. Mit einer ganz ähnlichen Strategie war Fonds-Altmeister John Templeton in jungen Jahren zu viel Geld gekommen.

Wer die ganze Sache etwas beschleunigen möchte, belässt es natürlich nicht bei dem einen Mal, sondern wiederholt die Prozedur Jahr für Jahr. Konkret: Auch 2015, 2016 und in den folgenden Jahren fließen jeweils 100 Euro in einen Fonds für Goldminen, Rohstoffe, Solarwerte, japanische, brasilianische, türkische, russische, vietnamesische, südeuropäische und österreichische Aktien – es sei denn, einer dieser Märkte hat in der Zwischenzeit begleitet von weit überdurchschnittlicher Performance den Wandel vom Anlegerschreck zum Publikumsliebling geschafft.

Doch dann wird sich bestimmt anderweitig Ersatz finden. Vielleicht sogar bei Dax, Dow oder Biotech? Apropos Dax: Wer sich für Goldminen oder russische Aktien partout nicht erwärmen kann, darf in eine solch langfristig angelegte Strategie durchaus auch einen deutschen Aktienfonds einbeziehen. Denn entscheidend ist es am Ende nicht, den Markt mit dem theoretisch höchsten Erholungspotenzial zu erwischen. Sondern endlich den ersten Schritt vom Festgeld oder Sparbuch in die Aktienanlage zu tun.

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