Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur, DER FONDS

Egon Wachtendorf, verantwortlicher Redakteur, DER FONDS

Wachtendorf-Kommentar

Die 1.000-Euro-Wette

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Dax nahe am Rekordhoch, Zinsen im Keller – wer in Zeiten wie diesen Geld anlegen muss, hat es wahrlich nicht leicht. Wer erst noch zu Geld kommen möchte, erst recht nicht. Zumindest Letztere sollten sich an eine Geschichte erinnern, die über den jungen John Templeton kursiert.

Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbricht, leiht sich der spätere Gründer des Templeton Growth Fund 10.000 Dollar und kauft dafür an der Wall Street je 100 Aktien von 104 Unternehmen, die für einen Dollar oder weniger zu haben sind. Vier davon gehen Pleite, die anderen jedoch bescheren ihm innerhalb weniger Jahre eine Traumrendite.

Natürlich, 2014 ist nicht 1939, und wer Vergleichbares 2001 auf dem Neuen Markt probierte, hatte daran nicht halb so viel Freude wie Templeton. Andererseits: Heute lässt sich seine Strategie bequem mit breit gestreuten Fonds umsetzen, so dass statt 104 Aktien zehn Fonds und damit statt 10.000 geliehener Dollar 1.000 eigene Euro genügen. Diese fließen dann zu gleichen Teilen in unbeliebte Märkte, die anders als der Dax weit unter ihrem Allzeit-Hoch notieren: Goldminenaktien, Rohstoffaktien, Solaraktien, Japan, Brasilien, Türkei, Russland, Vietnam, Südeuropa, Österreich.

Dabei besteht das größte Risiko nicht darin, 1.000 Euro zu verlieren. Sondern darin, statt fünf Jahre zehn oder zwölf Jahre auf eine Verdopplung warten zu müssen. Letzteres wären immer noch 6 Prozent Rendite pro Jahr – ein Vielfaches dessen, was derzeit ein Tagesgeld hergibt.

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