Wachtendorf-Kommentar Die Grenzen der Satire
Gewiss: In bestem Tucholsky‘schem Sinne blasen sie die Wahrheit auf, damit diese deutlicher wird; und trotz aller Bosheit sind ihre teils bissigen, teils zynischen Aussagen jederzeit durch Fakten gedeckt, die nicht nur Satiriker zur Weißglut treiben.
Spätestens jedoch, wenn der leibhaftige Norbert Blüm auf die Bühne stapft und sich als Lordsiegelbewahrer einer „guten“ Rente in Szene setzt, möchte man aufspringen und schreiend den Ort des absurden Theaters verlassen.
Gut möglich, dass genau diese Reaktion beabsichtigt war. Wer in die Gesichter der johlenden und stehend applaudierenden Zuschauer blickt, sieht dort jedoch etwas ganz anderes. Fast scheint es, als hätte tatsächlich der Messias die Bühne betreten – bereit, seine Jünger mit Sätzen wie „Die Rentenversicherung hat alle Krisen dieses Jahrhunderts überlebt“ in eine bessere Vergangenheit zurückzuführen. Dies so völlig unkommentiert als „Wahrheit“ im Raum stehen zu lassen, grenzt schon an Propaganda. Und dazu sollte sich Satire nie herablassen.
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