Alle Augen sind auf den Yuan gerichtet. Foto: Getty Images

Alle Augen sind auf den Yuan gerichtet. Foto: Getty Images

Währung im Rampenlicht

"Der Yuan ist das erste, was sich die Leute am Morgen anschauen"

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In den vergangenen drei Tagen hat das Fixing alles Mögliche beeinflusst - von asiatischen Währungen über Rohstoffe bis zu den US-Index-Futures. Händler haben rund um den Globus ihre Zeitplanung geändert, so dass sie auf die tägliche Ankündigung um 9.16 Uhr Hongkonger Zeit (3.16 Uhr MESZ) besser reagieren können: „Wir stehen früh auf und alle meine Freunde haben den Yuan ganz oben auf ihrem Bildschirm“, berichtet Dhiraj Bhutoria vom Brokerhaus Varun Tradecom Pvt in Kalkutta. Nachdem der Yuan jahrelang zu den wichtigen Währungen mit der geringsten Volatilität zählte, verzeichnete er am Dienstag den stärksten Kurseinbruch seit 1994. China hat den Marktkräften einen größeren Einfluss eingeräumt. Die weitere Entwicklung der Währung wird nicht nur die Wachstumsperspektiven in China, sondern auch die Zinspolitik der Federal Reserve und die Gewinne internationaler Unternehmen wie Apple  und BMW beeinflussen. Zum Fixing am Donnerstag senkte die chinesische Notenbank PBOC den Referenzsatz um 1,1 Prozent, was bei den US- Aktienindex-Terminkontrakten einen Rückgang von bis zu 0,4 Prozent und ein Minus von 1,2 Prozent bei Kupfer auslöste, während US-Treasuries ihre Gewinne einbüßten. „Die Marktvolumina waren kurz vor dem Fixing Market extrem niedrig“, sagt John Gorman, Leiter Dollar Zinshandel für Asien und den Pazifischen Raum bei Nomura Holdings in Tokio. „Sobald das Fixing stattgefunden hatte, sahen wir zunächst einen Anstieg.“Der Referenzsatz der Notenbank war am Freitag erstmals seit der Abwertung am Dienstag gestiegen. Der Rückgang bei dem Yuan löste in dieser Woche bei den asiatischen Währungen den größten zweitägigen Ausverkauf seit 1997 aus und hat einen Rohstoffindikator auf ein 13-Jahrestief getrieben. Der Dollar verlor an Wert, da Investoren spekulierten, dass die Abwertung des Yuan auf die Inflation weltweit drücken werde. Händler haben ihre Einschätzung für die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September durch die Fed auf etwa 40 Prozent zurückgenommen, verglichen mit 54 Prozent noch am 7. August, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Die Aktien von BMW - der Autohersteller erzielte 2014 etwa 19 Prozent der Erlöse in China - sanken in Deutschland in den zwei Tagen bis Mittwoch um 7,8 Prozent, während die Titel von Apple auf den niedrigsten Wert seit Januar fielen. Für Mark Matthews, Leiter Asien-Analyse und geschäftsführender Direktor bei Bank Julius Bär in Singapur, wird die Obsession um den Yuan - der auch Renminbi genannt wird - nachlassen, sobald die Volatilität abebbt. „Vor einem Monat konzentrierte sich alles auf die Börse Schanghai und einen Monat davor stand Griechenland im Fokus“, sagt Matthews. „Das erste, was sich die Leute am Morgen, wenn sie hereinkommen, anschauen, ist der Renminbi. Ich bezweifle, dass das in einem Monat immer noch so sein wird.“ Der Yuan begrenzte am Donnerstag die Verluste auf 0,2 Prozent und der Shanghai Composite Index stieg um 1,8 Prozent. Zuvor hatte die Notenbank erklärt, es gebe keine Basis für eine anhaltende Abwertung der Währung. Sie werde intervenieren, um große Ausschläge zu regulieren. Für Bhutoria von Varun Tradecom stellt die Unvorhersagbarkeit des Fixing einen Strategiewechsel dar. „Wir reduzieren das Risiko von Übernacht-Positionen sowohl bei Aktien als auch bei Währungen“, berichtete er. „Wir arrangieren uns mit der Tatsache, dass der Yuan nun stärker am Markt bestimmt wird.“

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