Währungen und Handel Warum die US-Zölle das Wachstum der Schwellenländer stärken

Chetan Sehgal, Director Portfolio Management bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity: „Viele Schwellenländer erscheinen uns in viel besserer Form als in vorherigen Korrekturphasen.“ | © Franklin Templeton

Chetan Sehgal, Director Portfolio Management bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity: „Viele Schwellenländer erscheinen uns in viel besserer Form als in vorherigen Korrekturphasen.“ Foto: Franklin Templeton

Nach mehreren starken Jahren gerieten die Schwellenländer im ersten Halbjahr 2018 ins Straucheln. Die Anleger konzentrierten sich auf negative Faktoren, darunter insbesondere die steigenden Zinssätze in den USA, die Stärke des US-Dollars und die Sorgen um den Handel. Aus unserer Sicht sind einige dieser Ängste jedoch überzogen.

Selbstverständlich kann ein Umfeld mit steigenden US-Zinssätzen und einem stärkeren US-Dollar – als Ausdruck einer robusten US-Konjunktur – die Schwellenländer beeinflussen. Während eine robuste US-Konjunktur für die Weltwirtschaft (einschließlich der Schwellenländer) eine gute Nachricht ist, können höhere Zinssätze die Bedienung von Auslandsschulden für Kreditnehmer kostspielig machen. Daher können lokale Währungen unter Druck geraten – und sind es bereits – da die Bedienung von auf US-Dollar lautenden Schuldtiteln schwieriger wird. Aus den als „riskanter“ geltenden Märkten wird Kapital abgezogen. Im laufenden Jahr ist eine Kapitalflucht aus Schwellenländer-Aktien zu beobachten und einige Währungen haben so stark abgewertet, dass sie zum US-Dollar derzeit deutlich unterbewertet erscheinen. Aus unserer Sicht spiegeln die Märkte die positiven Fundamentaldaten nicht wider.

Einige Länder mit angespannter Finanzlage beherrschen weiterhin die Schlagzeilen. Es muss jedoch auf ihre relativ geringe Bedeutung im Rahmen der breiteren Anlageklasse der Schwellenländer hingewiesen werden. Beispielsweise macht die Türkei lediglich 2 Prozent des MSCI Emerging Markets Index aus, Pakistan 0,5 Prozent und Argentinien steht noch vor der Aufnahme in den Index.

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Handel zwischen regionalen Schwellenländern nimmt zu

Märkte sind zukunftsgerichtet. Im Hinblick auf die Schwellenländer lässt sich immer wieder feststellen, dass sie nach unten überreagieren. Etwa 2013, als die US-Notenbank (Fed) die „Drosselung“ ihres quantitativen Lockerungsprogramms ankündigte, und 2015, als die Fed ihre Straffung begann. Die Stimmung gegenüber den Schwellenländern war negativ. Zwar waren einige Länder anfällig, doch in manchen Fällen preisten die Märkte Niveaus wie in Krisenzeiten ein. Die Währungen werteten ab. Als die Krise ausblieb, kam es zu einer Erholung. Eine kurzfristige Risikoaversion und ein leichter Anstieg der Zinserwartungen trugen zur jüngsten Dollar-Stärke bei. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob diese Entwicklung nachhaltig ist.

Von Zinssätzen und Dollar abgesehen, wurden die Anleger im Verlauf des Jahres 2018 auch durch die Sorgen um die US-Zölle und ihre Folgen in Angst versetzt. Während sich alles auf die US-Zölle konzentriert, nimmt der Handel zwischen regionalen Schwellenländern zu und treibt das Wachstum zusehends an.

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Eine ganze Reihe von US-Zöllen zielt auf China ab. Das Land bildet jedoch mittlerweile hinsichtlich seines Handelsvolumens und -werts in Asien und insgesamt in den Schwellenländern ein starkes Gegengewicht zu den USA. China ist für eine Reihe von Ländern der größte Exportmarkt. Zugleich war das Land darauf bedacht, die Handelsbeziehungen zu anderen Ländern als den USA zu stärken. Als Antwort auf die US-Zölle verringerte China die Zölle auf Importwaren aus mehreren Ländern der Region beziehungsweise hob diese Zölle auf, darunter Südkorea, Indien, Bangladesch und Laos. Der Schritt könnte diesen Ländern helfen, das aktuelle Gerangel mit den USA um den Handel zu überstehen.