Währungs-Wunschliste für 2015

Experten kaufen russische Rubel

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Die auseinanderstrebende Entwicklung in der Weltwirtschaft dürfte zur Folge haben, dass der US-Dollar den mexikanischen Peso und den russischen Rubel zu den stärksten Gewinnern unter den führenden Währungen nach oben zieht, während der neuseeländische Dollar und der argentinische Peso die schlechteste Entwicklung aufweisen könnten.

Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen, Strategen und Anleger, die an einer Umfrage von Bloomberg teilgenommen haben. Ihrer Einschätzung nach wird der Wechselkurs der mexikanischen Landeswährung bis Ende 2015 um elf Prozent zulegen, während der U.S. Dollar Index um rund drei Prozent gewinnt. Der Rubel dürfte sich demnach um 22 Prozent erholen, nachdem die Währung im Zuge des Ölpreiseinbruchs und der Sanktionen im Zusammenhang mit der Krim-Annektierung 2014 um 46 Prozent eingebrochen war.

Für den argentinischen Peso wird derweil ein Rückgang um 29 Prozent und für den Neuseeland-Dollar von rund fünf Prozent vorausgesagt. Sogar der Euro, der am Montag erstmals seit 2010 wieder unter die Marke von 1,20 Dollar gerutscht war, wird den Schätzungen zufolge um ein weiteres Prozent nachgeben.

Die US-Wirtschaft wird voraussichtlich das höchste Wachstumstempo seit einem Jahrzehnt erleben - und davon dürften die Exporte Mexikos an den nördlichen Nachbarn profitieren. Das steht im Kontrast zum Euroraum und zu Japan, wo das Wachstum ins Stocken geraten ist und Deflationsrisiken dominieren. In Neuseeland haben die Währungshüter angesichts der sich abschwächenden Inflation ihre Zinserhöhungen gestoppt, was die Landeswährung im vergangenen Monat auf den tiefsten Kurs seit zweieinhalb Jahren drückte.

Anleger sollten sich “sehr stark auf die Divergenzen konzentrieren, die es rund um die Welt gibt”, sagte Scott Mather, Co-Investmentchef von Pacific Investment Management Co., am 19. Dezember im Interview mit Bloomberg Television. “Die Dollar-Stärke wird weit ins nächste Jahr hinein oder vielleicht noch länger ein Thema bleiben.”

Der Greenback hatte im vergangenen Jahr angezogen und gegenüber allen der 31 am meisten gehandelten Währungen, die von Bloomberg beobachtet werden, angezogen. Der U.S. Dollar Index von Intercontinental Exchange Inc., der die Entwicklung des Dollar gegenüber den sechs führenden Währungen abbildet, kletterte 2014 um 13 Prozent auf 90,27 und erreichte am Dienstag 91,46. Bis zum Jahresende 2015 wird von den Analysten im Median ein Anstieg auf 94,6 - den höchsten Stand seit 2003 - erwartet.

Steigende Beschäftigung und niedrigere Benzinpreise treiben die Konsumausgaben an und dürften der US-Wirtschaft die höchste Wachstumsrate unter den G-10-Staaten bescheren. Das Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt wird dieses Jahr um drei Prozent expandieren, erwarten von Bloomberg befragte Ökonomen. Das wäre der stärkste Zuwachs seit 2005. Die Händler sehen eine Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent, dass die Federal Reserve ihre Leitzinsen bis September anheben wird. Es wäre die erste Zinserhöhung seit 2006.

Für den Euroraum wird im Gegensatz dazu nur ein Wachstum von 1,1 Prozent vorausgesagt, während für Japan die erwartete Expansion auf ein Prozent beziffert wird. Vor diesem Hintergrund bewegen sich die Europäische Zentralbank und japanische Notenbank in die entgegengesetzte Richtung als die Fed. Der EZB- Präsident Mario Draghi leistet bei seinen Kollegen Lobbyarbeit für den Ankauf von Staatsanleihen und Japans Zentralbankchef Haruhiko Kuroda weitet die monetäre Basis um jährlich 80 Billionen Yen aus, nachdem das Land in die Rezession abgeglitten ist.

Der Umfrage zufolge werden daher beim Euro und Yen weitere Verluste erwartet. Der Euro wird an seine 12-Prozent-Abwertung von 2014 anknüpfen und das laufende Jahr bei 1,18 Dollar beenden, ergab die Umfrage. Am Montag hatte die Gemeinschaftswährung im Tagestief bereits 1,1864 Dollar erreicht, den niedrigsten Kurs seit März 2006. Für den Yen wird ein Rückgang um fast vier Prozent auf 125 je Dollar prognostiziert. Solch einen niedrigen Kurs hat es bei der japanischen Landeswährung seit 2002 nicht mehr gegeben.

“Die gegensätzlichen Ausblicke für das Wachstum im Euroraum und den USA und für die Geldpolitik bedeuten, dass es für den Euro-Dollar-Kurs beträchtlich mehr Abwärtsrisiken gibt”, erklärte Shaun Osborne, Chef-Währungsstratege der Toronto-Dominion Bank am 24. Dezember in einer Analyse.

Doch die Divergenz wird nach Einschätzung von Kathleen Brooks, Analysechefin für Europa bei Forex.com nicht lange andauern, weil die Dollar-Stärke die US-Exporteure belastet, was das Tempo der erwarteten Fed-Straffung mindert und letztlich den Greenback abschwächt.

In der zweiten Jahreshälfte sei es “etwas undurchsichtiger”, sagte Brooks am 23. Dezember im Interview mit Bloomberg TV. “Die Bank of Japan, die EZB und die Schweizerische Nationalbank verfolgen potenziell aktiv eine Politik zur Abschwächung ihrer Währungen. Die Fed macht genau das Gegenteil. Ob sie damit glücklich sein werden?”