Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt bei Degussa.

Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt bei Degussa.

Währungskrise

Die große US-Dollar-Aufwertung

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Wer auf den Untergang des US-Dollars setzt, wird sich vermutlich noch etwas gedulden müssen. Bevor er vom Thron gestoßen wird, geht es anderen Währungen an den Kragen. Die amerikanische Währung ist nämlich bekanntlich die internationale Reservewährung. Sie dient vielen anderen Währungen als „Grundgeld“. Das weltweite Finanzsystem ist dollarisiert, das Bankgeschäft wurde unter der Dollar-Hegemonie internationalisiert.

Der „Dollar-Devisen-Standard“ hat begonnen, an seinen äußeren Rändern auszufransen. In immer mehr Währungsräumen treten die ökonomischen Missstände, für die das ungedeckte Papiergeld sorgt, offen zutage. Insbesondere in Form von erdrückenden Schuldenlasten, die Staaten, Banken und private Haushalte aufgehäuft haben, aber auch in nachlassender Wirtschaftsleistung.

Der Boom in den „Emerging Markets“, die bis vor kurzem noch hoch in der Gunst der Investoren standen, scheint bis auf weiteres vorüber zu sein. Vor allem aber der Euro-Raum und Japan werden immer mehr zu akuten finanziellen Not- und Katastrophenfällen. Die Bank von Japan und die Europäische Zentralbank (EZB) haben bereits die Zinsen auf die Nulllinie beziehungsweise sogar in den Negativbereich gezwungen.

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Sparer und Investoren erkennen, dass ihnen der Zinsbezug nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft genommen wird, so dass sie die Flucht aus Euro- und Yen-Schulden antreten und in andere Anlageformen – wie zum Beispiel Aktien und Immobilien – wechseln, deren Preisinflation damit so gut wie vorprogrammiert ist.

Aber auch mit Kapitalabzug ist zu rechnen, aus dem leicht Kapitalflucht wird, die dann eine kaum mehr zu stoppende Abwärtsspirale in Gang setzt: Um Zinssteigerungen zu verhindern, die aus einem Verkaufsdruck auf den Anleihemärkten erwachsen, müssen die Zentralbanken mehr Schulden kaufen und mit neu geschaffenem Geld bezahlen. Das Ausweiten der Geldmenge verstärkt wiederum den Verkaufsdruck. Die großangelegte Monetisierung der Schulden lässt früher oder später das Vertrauen in die Werthaltigkeit der Währungen schwinden. Spätestens dann wird aus einer anfänglichen „Kreditkrise“ für alle sichtbar eine „Währungskrise“.

Da der Großteil der Papiergeldersparnisse von der systemtreuen Banken- und Finanzindustrie verwaltet wird, dürfte das Ziel der Kapitalflucht absehbar sein: der US-Dollar. Für viele professionelle Großgeldanleger ist der Greenback nun einmal die vergleichsweise vorteilhafteste Option: Der US-Dollar bietet die liquidesten Finanzmärkte, er ist aus Investorensicht unter den ungedeckten Papierwährungen immer noch das vergleichsweise geringste Übel. Die Aufwertung des US-Dollars, die bereits gegen Ende 2012 eingesetzt hat, steht daher vermutlich noch am Anfang.

Doch auch der US-Dollar wird Sparern und Investoren natürlich nicht das ersehnte Heil bescheren. Er ist bestenfalls eine Zwischen- und Durchgangsstation auf einem Fluchtweg, um der Zerrüttung des weltweiten ungedeckten Papiergeldsystems zu entkommen, die letztlich auch der amerikanischen Weltleitwährung bevorsteht. Zu dieser Einschätzung passt ein Zitat des ehemaligen Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank, Alan Greenspan, der Ende Oktober 2014 sagte: „Gold ist eine Währung, eine führende Währung. Keine Papiergeldwährung inklusive des Dollars kann sich mit ihm messen.”