Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. Viele Anleger fragen sich, ob sich diese Entwicklung fortsetzen wird – und ob eine Absicherung gegen weitere Abwertungen sinnvoll ist. Thomas Neukirch, Leiter Strategische Vermögensplanung & Hedgefonds bei HQ Trust, ordnet die Situation ein und zeigt, warum Entscheidungen zur Währungssicherung wohlüberlegt sein sollten.
Neukirch betont zunächst die Unsicherheiten von Währungsprognosen. Zu viele Faktoren wie Handelszölle, geopolitische Spannungen oder personelle Entscheidungen bei Notenbanken erschweren belastbare Vorhersagen. Rückblickend zeigt sich: Wechselkurse unterliegen zwar teils deutlichen Schwankungen, doch langfristige Trends lassen sich kaum zuverlässig vorhersagen.
Zwischen 2002 und 2008 etwa verlor der US-Dollar zum Euro stärker an Wert. Damals war die Zinsdifferenz jedoch gering oder sogar zugunsten des Euro. Heute ist die Situation eine andere: Die Absicherungskosten gegen eine weitere Dollar-Abwertung belaufen sich aktuell auf rund zwei Prozent pro Jahr. Der Hauptgrund dafür liegt in der deutlichen Zinsdifferenz zwischen beiden Währungsräumen.
Absicherungskosten versus mögliche Verluste
Neukirch weist darauf hin, dass allein die laufenden Sicherungskosten über zehn Jahre in etwa jenen Verlusten entsprechen, die eine fortgesetzte, schrittweise Abwertung des US-Dollar um 20 Prozent verursachen würde. Die reine Kosten-Nutzen-Abwägung spricht daher nicht zwingend für eine Absicherung.
Ein Blick auf modellhafte Private-Equity-Portfolios veranschaulicht das Dilemma: Ohne Absicherung und bei einer 25-prozentigen Dollar-Abwertung in den kommenden zehn Jahren sinkt die erwartete interne Kapitalverzinsung (IRR) von 10,0 auf 6,9 Prozent. Mit vollständiger Absicherung würde der IRR bei 7,8 Prozent liegen. Erst bei stärkeren Abwertungen ab etwa 30 Prozent schlagen sich die Effekte deutlicher im Ergebnis nieder.
Fokus auf das Risiko, nicht auf Prognosen
Neukirch rät, Währungssicherungen nicht als Instrument gegen erwartete Kursverluste zu verstehen, sondern aus der Risikoperspektive heraus zu prüfen. Maßgeblich sollte sein, ob sich durch eine Absicherung die Risikocharakteristika einer Anlageklasse verbessern lassen – etwa durch geringere Volatilität oder eine reduzierte Korrelation der Erträge mit Wechselkursen.
Doch auch wenn Sicherungen das Risiko spürbar senken, bleibt eine Kosten-Nutzen-Abwägung unverzichtbar. Wer etwa in Anlagen mit hohem Fremdwährungsanteil investiert, könnte alternativ das Engagement reduzieren, statt teure Sicherungen einzugehen.
