Michael Thaler von Top Vermögen in Starnberg

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Währungsunion

Der Süd-Euro macht dem Franken zu schaffen

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Angesichts der neuerlichen Aufwertung des Schweizer Frankens um 20 Prozent und den nun beschlossenen Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank liegt die Vermutung nahe, dass unsere Gemeinschaftswährung zunehmend zum „Südeuro“ verkommt. Der Außenwert des Euro schmilzt so schnell ab, wie dies früher nur für die Touristenwährungen, etwa den spanischen Peseten oder der italienischen Lira, galt. Die eigentlich auf Währungsstabilität bedachte Bundesbank hat im Rat der Europäischen Zentralbank nur noch ein beschnittenes Stimmrecht. In der 19-Länder-Währung werden vielfach politische Wirtschaftsreformen auf die lange Bank geschoben.

Dennoch kann den Ländern der Eurozone der Außenwert des Euros nahezu egal sein. Die Eurozone ist als größter Wirtschaftsraum der Welt nicht auf Finanzierungen aus dem Ausland angewiesen. So haben es in den vergangenen Jahrzehnten schon die USA mit dem Dollar gehandhabt. Die meisten Umsätze werden im Binnenhandel gemacht. Die größten Handelspartner der einzelnen Euroländer bezahlen also mit der Gemeinschaftswährung. Mit der europäischen Bankenaufsicht wird zudem die Ausrichtung der Bankfinanzierung europäischer und damit stabiler werden. Selbst die Staatsanleihekäufe der Europäischen Zentralbank können zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll sein, wenn dadurch kein Erpressungspotenzial einzelner Länder gegenüber der Zentralbank entsteht.

Dennoch sollten Euroanleger das Gebot der Diversifizierung – das Streuen der Anlagegelder über verschiedene Währungsräume – nach wie vor beherzigen. Bei aussichtsreichen Hartwährungen bieten sich Chancen, auf Eurobasis Erträge zu erzielen. Nur um die Schweiz sollten Anleger einen großen Bogen machen. Der Schweizer Franken ist auf Kaufkraftparität aktuell weltweit eine der teuersten Währungen.

Die Schweizer Nationalbank ist die einzige auf dem Kontinent, die noch das Primat der Hartwährung verteidigt und der Versuchung widersteht, zu große Währungsreserven in Euro aufzubauen. Stattdessen wird die Exportwirtschaft gezwungen, an der eigenen Effizienz zu arbeiten. Dass dies gelingen kann, zeigen die historischen Erfolge in Deutschland und Japan, die trotz ihrer harten Währungen Exportrekorde vorweisen konnten.

Weniger gemütlich wird der Trip der Schweizer Nationalbank für die ohnehin durch die Aufweichung des Bankgeheimnisses schwer gebeutelten Schweizer Vermögensverwalter. Auch ihre Kunden legen Geld überwiegend international an. Für die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung müssen die Schweizer Bankiers nun jedoch auf Eurobasis 20 Prozent mehr verlangen. Nicht von ungefähr warnt Boris Collardi, Chef von Julius Bär, seine über 3.000 Branchenkonkurrenten in der Schweiz (in Deutschland gibt es mit elfmal mehr Einwohnern nur rund 600 Adressen für den vermögenden Privatkunden), dass auf absehbare Zeit nur 100 Vermögensverwalter und Privatbanken bestehen werden.

Einzig, wer dem Euro aus politischen Gründen keine Zukunft gibt oder gerne bei Sprüngli in der Züricher Bahnhofsstraße einkauft, sollte daher zum jetzigen Zeitpunkt den ein oder anderen „Giacometti“ (100 Schweizer Franken) zu viel in der Tasche halten.

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