Stephan Albrech

Stephan Albrech

Wahl: Anleger werden ein paar Kröten schlucken müssen

Mit der Bundestagswahl haben die Wähler die Karten im politischen System Deutschlands grundlegend neu gemischt – und damit auch die Perspektiven für Anleger verändert: Die Union wurde unangefochten zur stärksten Kraft, die FDP ist erstmals seit Gründung der Bundesrepublik nicht im Bundestag vertreten, und die eurokritische Alternative für Deutschland verfehlte den Einzug in das Parlament nur knapp.

Genossen treiben Preis für Koalition nach oben

SPD und Grüne haben zwar ihr Ziel verfehlt, gemeinsam einen Politikwechsel in Deutschland einzuleiten. Doch trotz ihres eher schlechten Abschneidens wird eine der beiden Parteien die Geschicke des Landes in einer Koalition mit der Union mitbestimmen – voraussichtlich die SPD. Da die christlichen Parteien wegen des Wegfalls der FDP kaum Alternativen haben, werden die Genossen versuchen, ihre Beteiligung so teuer zu verkaufen wie möglich.

SPD-Pläne kosten auch Anleger Geld

Die Steuerpolitik wird da keine Ausnahme machen. Bekanntlich will die SPD nicht nur Einkommen ab 100.000 Euro höher besteuern, sondern auch eine Vermögenssteuer einführen. Weniger geläufig ist, dass die Partei sich für eine Erhöhung der Abgeltungssteuer von 25 auf 32 Prozent ausgesprochen hat. Denkbar ist zudem die Einführung der umstrittenen Finanztransaktionssteuer. Gewiss wird nicht jedes dieser Anliegen die nächsten Wochen überleben. Doch es ist auch kaum anzunehmen, dass die SPD mit völlig leeren Händen aus den Koalitionsverhandlungen zurückkehren wird.

Merkel bleibt „Queen of Euro“

In Sachen Europapolitik dürfte sich trotz der SPD-Beteiligung das Merkelsche Durchtasten der vergangenen Jahre fortsetzen. Schließlich wurde die Kanzlerin nicht zuletzt wegen ihrer ruhigen Hand, auch als „Merkel-Raute“ bekannt, eindrucksvoll im Amt bestätigt. Spätestens jetzt wissen die Genossen, dass sich mit Euro-Bonds und Co hierzulande kaum punkten lässt.

Eine große Koalition kann durchregieren

Für die Aktienmärkte dürfte eine große Koalition förderlicher sein als jede andere derzeit denkbare Konstellation – sofern die Konjunktur nicht durch politische Entscheidungen  stranguliert wird: Im Bundestag gäbe es klare Mehrheiten, und der Bundesrat würde nicht blockieren. Andererseits werden Anleger wohl auch ein paar unliebsame Steuer-Kröten schlucken müssen.

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