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Nach Top-Börsen-Halbjahr
Die 2. Halbzeit kann holprig werden
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Nach Top-Börsen-Halbjahr Die 2. Halbzeit kann holprig werden

An der Wall Street sorgte das erste Halbjahr für hohe Renditen
An der Wall Street sorgte das erste Halbjahr für hohe Renditen: Viele Experten sind grundsätzlich auch für die nächsten sechs Monate optimistisch | Foto: IMAGO / UPI Photo

Die Wall Street, jedoch auch der deutsche Aktienmarkt, haben ein gutes erstes Halbjahr hingelegt. Stefan Eberhardt von der E/R/W Vermögensmanagement meint, dass jetzt allerdings die Luft dünner wird. Sein Ausblick.

Um rund neun Prozent ist der Dax in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gestiegen. Für ein solches Plus braucht der Aktienmarkt historisch betrachtet im Durchschnitt etwas mehr als ein Jahr. Das ist beileibe aber nicht alles. Der Dax ist im bisherigen Jahresverlauf an 30 Handelstagen auf ein neues Allzeithoch gestürmt. 

 

 

 

Das ist allerdings kein gutes Omen für die zweite Halbzeit. Denn statistisch betrachtet erzielte der Dax in seiner Historie 62 Prozent seiner Höchstmarken im ersten Halbjahr und nur 32 Prozent seiner Rekorde in den folgenden sechs Monaten. Neue Allzeithochs sind so gesehen in den kommenden Monaten zumindest nicht sehr wahrscheinlich. 

Technologie dominiert

Der amerikanische Standardwerteindex S&P 500 legte im ersten Halbjahr sogar 15 Prozent zu. Damit sind allerdings auch die Bewertungen und die Fallhöhe gestiegen. Aber zumindest haben dies- und jenseits des Atlantiks die Unternehmen mehrheitlich die Erwartungen erfüllt, teilweise sogar übertroffen. Vor allem künstliche Intelligenz (KI) und Big Data haben in den USA die Wall Street mit nach oben gezogen. 

Microsoft ist seit Jahresanfang um fast 25 Prozent gestiegen, Amazon sogar um mehr als 30 Prozent. Trotz der jüngsten Korrektur führt aber weiter Nvidia mit einem Plus von circa 160 Prozent seit Anfang Januar das Feld der amerikanischen Kursraketen an. SAP, das mit Abstand wertvollste Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel, hat im bisherigen Jahresverlauf immerhin rund 35 Prozent zugelegt. Zu erwähnen ist allerdings auch, dass der TecDax im ersten Halbjahr nur eine Nullnummer geliefert hat und der MDax sogar gut fünf Prozent im Minus notiert. Bislang galt 2024 an den Aktienmärkten: big is beautiful. 

Beschränktes Aufwärtspotenzial 

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Unterm Strich dürften die Dividendentitel allerdings nach ihrem guten Start den größten Teil ihrer erwarteten Performance des Gesamtjahrs bereits erreicht haben. Rückschlagrisiken bestehen vor allem in Branchen, welche sich in den zurückliegenden Monaten überdurchschnittlich gut entwickelt haben. Insbesondere die gehypten KI-Werte könnten korrigieren und auch andere Bereiche mit nach unten ziehen.  

Eine Korrektur käme nicht unerwartet, wäre jedoch auch ganz normal und würde Investoren, welche noch nicht investiert sind, gute Einstiegsmöglichkeiten bieten. Denn grundsätzlich entwickelt sich die Weltwirtschaft ganz gut. Der deutsche Anleger darf sich nicht von den lokalen Problemen verunsichern lassen. Generell sind international agierende Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen, einer hohen Preissetzungsmacht und einem guten Management weiter aussichtsreich. Eine kurzfristige taktische Allokation sollte keine allzu große Rolle spielen. 

Im Großen und Ganzen ist bei Aktien ein durch Gewinnmitnahmen geprägtes zweites Halbjahr zu erwarten. Da Rückschläge für Nachkäufe genutzt werden sollten und sie damit die Nachfrage antreiben, könnte es zu einer Seitwärtsbewegung mit Schwankungen kommen. Hier gilt es, ausreichend Cash zu halten, um bei Korrekturen Opportunitäten zu nutzen. 

Auch andere Asset-Klassen bringen Rendite

Allerdings sind Aktien längst nicht mehr alternativlos. Zwar haben die hartnäckige Inflation und die immer weiter nach hinten geschobene Leitzinswende der amerikanischen Notenbank Fed einen größeren Kursanstieg bei Anleihen begrenzt. Dafür werfen aber US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren deutlich mehr als vier Prozent Zinsen ab. Anleihen, auch die von bonitätsstarken Unternehmen, stellen damit eine attraktive Alternative nicht nur zu Aktien, sondern auch zu fremdvermieteten Immobilien dar, die in der Regel deutlich niedriger rentieren, mehr Arbeit machen und ein höheres Risiko mit sich bringen. 

 

 

 

Gold hat in diesem Jahr bisher eine ähnliche Wertsteigerung wie Aktien erzielt, befindet sich seit Anfang April allerdings in einer Seitwärtsbewegung. Sollten die Zinsen auf dem derzeitigen Niveau verharren, dürfte es für das Edelmetall allerdings schwer werden. Insbesondere amerikanische Investoren betrachten Gold als ganz normale Asset-Klasse und weniger als die Deutschen als Schutz gegen Inflation und Verwerfungen an den Finanzmärkten. Viele US-Investoren dürften bei weiter hohen Zinsen Anleihen den Vorzug vor dem zins- und dividendenlosen Gold geben. 

Dennoch sollte das Edelmetall weiter zur Diversifikation und Stabilisierung genutzt werden. Wie im Fußball gilt auch an den Finanzmärkten: Ohne funktionierende Defensive ist kaum Erfolg zu erzielen. 

 

Über den Autor:

Nach verschiedenen Stationen bei internationalen Großbanken gründete Stefan Eberhardt 2015 die Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. 2022 verschmolz diese mit der Röcker & Walz Vermögensverwaltung und firmiert seither unter E/R/W Vermögensmanagement. Das verwaltete Kundenvolumen beläuft sich auf knapp eine Milliarde Euro.

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