Walter Riester. Foto: Postbank

Walter Riester. Foto: Postbank

Walter Riester: Die Nachlässigkeit der Bürger ist katastrophal

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Im Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ verteidigt der Vater der Riester-Rente Walter Riester sein in den vergangenen Monaten häufig kritisiertes Altersvorsorge-Modell. Er weist auf die hohe Verbreitung des Produktes unter den Menschen, die weniger als 20.000 Euro jährlich verdienen hin: Laut der zentralen Zulagenstelle gehört die Hälfte der Antragsteller dieser Gruppe an.

Wer nicht alle Zulagen bekomme, die ihm zustehen, sei zum größten Teil selbst schuld, so Riester weiter, denn das Beharrungsvermögen der Bürger, berechtigte Ansprüche nicht geltend zu machen, sei katastrophal. Auch die häufig kritisierte Komplexität seines Modells weist der Riester-Vater von sich: „Das Produkt hat für den, der es kennt, eine sehr einfache Struktur“.

Das zentrale Ergebnis der DIW-Untersuchung, demnach sich die Riester-Rente nur für besonders langlebige Menschen lohnen würde, lässt Walter Riester zwar außen vor. Er gibt aber zu, dass viele 2011 vereinbarte Verträge eine schlechtere Rendite haben als Verträge, die schon 2001 geschlossen wurden. Angesichts des von 3,25 auf 1,75 Prozent (ab 2012) gesunkenen Garantiezinses sei das unausweichlich gewesen. „Wenn im Übrigen eine Versicherung garantieren muss, dass die Zahlung bis zum Ableben erfolgt, wird es in der Versicherungsgemeinschaft wirtschaftlich gesehen immer Verlierer und Gewinner geben - egal, ob dies in der privaten oder in der sozialen Rentenversicherung erfolgt“, erklärt er.

Die Diskussion ist sehr emotional

Die Diskussion über die Riester-Rente erfolge auf einem sehr emotionalen Niveau, so Riester weiter. Der „zum Teil hasserfüllte Vorwurf“ des Journalisten, der den Urheber und Namensgeber der staatlich geförderten Altersvorsorge auf den persönlichen Nutzen, den er aus seiner Erfindung zieht, angesprochen hatte, ärgere ihn sehr.

Ihm gehe es darum, Fehler und Ungerechtigkeiten, die im praktischen Verlauf erkennbar werden, weitestgehend auszuräumen und die Berater über die ursprüngliche Zielsetzung des Gesetzgebers zu informieren. „Wenn ich von einer Bank oder Versicherung eingeladen werde, verrechne ich meine Honorar und Kosten wie jeder andere auch; daran kann ich überhaupt nichts Schlechtes finden“, sagt Riester.

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