Quelle: Postbank

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Walter Riester nimmt seinen Hut: Abschied vom Bundestag

Walter Riester, 65, seit 1969 Mitglied der SPD und von 1998 bis 2002 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, hört auf. Der Namensgeber der Riester-Rente kandidiert nicht erneut für den Bundestag. Bereits 2005 hatte er seinen Abschied von der Politik erwogen, sich dann aber noch einmal auf Drängen der Partei im Wahlkreis Göppingen (Baden-Württemberg) aufstellen lassen. "Es geht mir sehr gut“, versichert der Bundesminister a. D. auf seiner Website des Deutschen Bundestags, „weil ich absehbar die verpflichtende Verantwortung des Deutschen Bundestages ablegen kann". Was danach kommt? „Offen zu sein für neue Dinge, vor allem im privaten Bereich“, so Riester. Seine Familie habe in den vergangenen Jahren oftmals zurückstehen müssen, das werde nun anders. Riester und seine Frau besitzen ein Haus am Ossiacher See in Kärnten/Österreich. Dies soll nun der neue Lebensmittelpunkt werden. Mit Werbevorträgen zur Riester-Rente 400.000 Euro verdient Über seine finanzielle Situation braucht sich Riester zumindest keine Gedanken zu machen. Allein mit Werbevorträgen zu seinem Altersvorsorgeprodukt hat der 65-Jährige laut Veröffentlichung auf seiner Bundestags-Website seit Beginn der Legislaturperiode mindestens 400.000 Euro verdient. Die Vorträge brachten ihm demnach bis zu 10.000 Euro pro Monat und damit mehr als die Abgeordnetendiät ein. 49mal hat Riester nach der Aufstellung der veröffentlichungspflichtigen Nebenverdienste Honorare der Stufe 3 (mindestens 7.000 Euro) erhalten. Doch zuvor noch ein Blick zurück: „Eine ergänzende, zusätzliche Rente aufzubauen, um die Gesamtversorgung im Alter zu verbessern, war der zentrale Punkt, den ich mit Schröder 1998 besprochen hatte und der in keinem Wahlprogramm stand“, erinnert sich Riester auf seiner Website an die Geburtstunde der nach ihm benannten Produktsparte. Kein Zweifel am Erfolg der Riester-Rente Zweifel an Erfolg und Ausrichtung der Riester-Rente habe er nie gehabt: „Wenn der Vorwurf erhoben wird, schlechter Verdienende könnten sie sich nicht leisten, so ist das nachweislich falsch. Es ist gesetzlich festgelegt, dass bereits ein Mindesteigensparanteil von 60 Euro im Jahr, also fünf Euro pro Monat ausreicht, um alle Zulagen zu bekommen.“ Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern, das Hartz IV erhält, gibt es pro Erwachsenem 154 Euro jährlich, pro Kind 185 Euro. „Das ergibt zweimal 154, also 308 Euro, plus zweimal 185, also 370 Euro - das sind jährlich 678 Euro bei einem Eigenanteil von 60 Euro! Und wenn einer sagt, ich kann bei einem Plus von jährlich über 600 Euro meine 60 Euro nicht beibringen, dann glaube ich ihm das nicht", rechnet der Noch-Bundestagsabgeordnete Riester vor. Nicht nur Privatier Künftig will sich der gelernte Fliesenleger für soziale Projekte engagieren. Noch in der jetzigen Wahlperiode hat Riester als Mitglied im „Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ den globalen Aufbau sozialer Sicherungen für alle Menschen unter den Bedingungen ihres jeweiligen Entwicklungs- oder Schwellenlandes im Bundestag vorangetrieben. Die Regierung hat sich verpflichtet, derartige soziale Projekte finanziell und personell langfristig zu fördern, mit 130 Millionen Euro in 2010. Hier finden Sie die Biografie von Walter Riester.

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