Wandelanleihen: Eine Zwitter-Partie

Ein attraktiver Wandler aus dem Portfolio von F&C-Managerin Anja Eiking: Am US-Billigflieger Jetblue ist Lufthansa beteiligt. „Damit investiere ich in die attraktive Investmentstory von Jetblue mit der Kreditqualität von Lufthansa“ (Foto: Bloomberg)

Ein attraktiver Wandler aus dem Portfolio von F&C-Managerin Anja Eiking: Am US-Billigflieger Jetblue ist Lufthansa beteiligt. „Damit investiere ich in die attraktive Investmentstory von Jetblue mit der Kreditqualität von Lufthansa“ (Foto: Bloomberg)

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„Wir haben keine Wandelanleihen-Fonds mehr in unseren Portfolios“, sagt Ansgar Guseck, Vorstand des Dachfondsmanagers und Analysehauses Sauren Fonds-Research. „Schon seit dem Jahr 2011 nicht mehr.“ Aufgrund der niedrigen Zinsen sei die Anleihen-Komponente wenig attraktiv. „Der Ertrag muss aus der Aktien-Komponente kommen. Und da stellt sich die Frage, warum nicht gleich in den Aktienmarkt investieren?“, so Guseck.

Beliebt sind Wandelanleihen-Fonds derzeit nicht: Der Fondsverband BVI meldet für die auch Hybridfonds genannten Produkte in den ersten elf Monaten des Jahres 2012 Abflüsse von fast 200 Millionen Euro. Warum also schreiben wir diesen Artikel? Weil „es durchaus sinnvoll sein kann, Wandelanleihen ins Portfolio zu integrieren. Sie haben einige gute Eigenschaften“, sagt selbst Guseck.

Das Beste aus zwei Welten

Wandelanleihen, englisch: Convertibles, sind zunächst schlichte Firmenanleihen mit einem festgelegten Zins. Am Ende der Laufzeit zahlt der Emittent das eingesetzte Kapital wieder zurück, was eventuelle Verluste abfedert. Doch während oder am Ende der Laufzeit der Anleihen können diese zu vorher festgelegten Konditionen in Aktien des Unternehmens getauscht werden. Wandelanleihen sind also ein Zwitter aus Aktie und Anleihe. Sie kombinieren die Sicherheit der Rentenpapiere mit den Renditechancen von Aktien. Genau das macht sie derzeit so attraktiv.


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„Wem die Minizinsen bei Staatsanleihen und vielen Firmenanleihen nicht mehr ausreichen, wer gleichzeitig aber nicht in den High-Yield-Bereich investieren möchte, der ist hier genau richtig“, sagt Marc-Alexander Knieß, Manager des DWS Convertibles. Er bekomme ein Bond-Instrument mit Aufwärtspotenzial durch die Aktienwandelkomponente. Aktieninvestoren, denen die Kursschwankungen zu hoch seien oder die sich das Timing für den richtigen Einstieg nicht zutrauten, bekämen mit Wandelanleihen ein Aktien-Instrument mit Absicherung über die Anleihen-Komponente.

Gibt es noch Luft nach oben?

Die Papiere sind inzwischen allerdings nicht mehr billig. Schnäppchenpreise gab es zuletzt 2009. Teuer sind sie aber auch nicht. „Der Markt ist fair bewertet“, sagt Thorsten Vetter, Manager des FvS Wandelanleihen Global von Flossbach von Storch. Der Fonds ist einer der wenigen, die 2012 Zuflüsse hatten: rund 50 Millionen Euro. Mit einem Plus von 24,7 Prozent in den vergangenen fünf Jahren liegt er auf Platz 5 in der Kategorie Wandelanleihen Global. Gibt es noch Luft nach oben? Wenn es nach Vetter geht, ja: „Wir sind bei Aktien derzeit eher positiv gestimmt. Steigt der Markt 2013 beispielsweise um 10 Prozent, kann der Fonds eine Rendite von 4 bis 5 Prozent erzielen.“ Das ist nicht die Welt, aber für Anleihen durchaus attraktiv.

„Im aktuellen Marktumfeld ist vor allem die Aktiensensitivität, gemessen am Delta, ausschlaggebend für die Attraktivität der Papiere“, ist auch Wandelanleihen-Experte Stefan Meyer von Fisch Asset Management überzeugt. Die 1994 von Kurt und Pius Fisch in Zürich gegründete Investmentboutique ist auf das Management von Wandelanleihen spezialisiert. Kennzahlen wie Rho (Zinsänderungseffekt), Omicron (Auswirkung von Änderungen der Risikoprämien) und Vega (implizierte Volatilitätsveränderung) spielen derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Meyer: „Interessante Wandelanleihen haben ein konvexes Preisverhalten mit einem Delta zwischen 30 und 70.“ Als Faustregel gilt: Steigende Aktienkurse werden zu zwei Dritteln mitgenommen, Verluste zu einem Drittel.