Herbert Friedrich

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Wann Unwissen bestraft wird

Entscheidend ist die Frage, ab wann die Frist zu laufen beginnt. Das Oberlandesgericht Celle (OLG) hat jetzt geklärt, wann eine grob fahrlässige Unkenntnis bei einem Anleger vorauszusetzen ist. Die Kenntnis von einem Schaden oder dessen grob fahrlässige Unkenntnis setzt nämlich die Frist in Gang. • Eine grob fahrlässige Unkenntnis liegt nicht vor, wenn der Anleger zwar die jährlichen Rechenschaftsberichte der Beteiligungsgesellschaft erhält, diese aber nicht (sorgfältig) liest. Denn darin finden sich zwar oft Hinweise auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Fonds. Positive Zukunftserwartungen und deren ausführliche Begründungen würden die negativen Aspekte aber eher verschleiern. Der Anleger kann als Laie so die Fehlentwicklung des Fonds nicht unbedingt erkennen. • Beim Geld hört der Spaß auf: Bleiben die prospektierten jährlichen Ausschüttungen aus, kenne der Anleger einen wesentlichen Umstand, dass sich die Beteiligung nicht so entwickelte, wie sie ihm zuvor dargestellt worden war. Ab dem Zeitpunkt wäre seine Unkenntnis grob fahrlässig und die Verjährungsfrist beginnt dann zu laufen (OLG Celle, Urteil vom 7. Mai 2008, Aktienzeichen 3 U 6/08).  Herbert Friedrich bespricht exklusiv für DAS INVESTMENT aktuelle Urteile. Der erfahrene Analyst hat viele Jahre Produkte für das Rating-Unternehmen G.U.B. geprüft und als Berater zahlreiche Modelle konzipiert. Er vertritt Anleger sowie Berater und ist Vorstandsmitglied im Rechtsforum Finanzdienstleistung e. V. Fragen beantwortet Friedrich unter Telefon 0 40/7 21 24 88.

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