Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten fehlt ein Name auf Warren Buffetts Spendenliste: die Gates Foundation. Der 95-Jährige hat die operative Führung von Berkshire Hathaway Anfang 2026 an Greg Abel abgegeben und steht dem Konzern nur noch als Chairman vor. Seine diesjährige Aktienspende verteilt er komplett auf vier Stiftungen aus dem Familienumfeld. Ausgerechnet jene Organisation, die seit 2006 mit Abstand am meisten von ihm bekommen hat, geht dabei leer aus.
Konkret wandelt Buffett 8.000 A-Aktien von Berkshire Hathaway in zwölf Millionen B-Aktien um und gibt sie ab. Neun Millionen Aktien gehen an die Susan Thompson Buffett Foundation, je eine Million an die Sherwood Foundation, die Howard G. Buffett Foundation und die Novo Foundation. Nach Reuters-Berechnung entspricht das rund 6 Milliarden Dollar. Alle vier Stiftungen führen Buffetts Kinder Susie, Howard und Peter.
Bemerkenswert ist vor allem, wer leer ausgeht. Mehr als 47 Milliarden Dollar an Berkshire-Aktien hatte Buffett der Gates Foundation seit 2006 überwiesen, allein im vergangenen Jahr über 4,5 Milliarden Dollar. Damals sprach er von einer unwiderruflichen Zusage, die Stiftung sein Leben lang zu bedenken.
Der Bruch mit einem Versprechen
Hintergrund des Bruchs sind die Enthüllungen um Bill Gates und den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Grundlage sind Dokumente, die das US-Justizministerium Anfang des Jahres freigab. Die Gates Foundation kündigte daraufhin an, ihre früheren Kontakte zu Epstein intern zu prüfen und ihre Regeln für neue Partnerschaften zu verschärfen. Buffett wartet den Ausgang dieser Prüfung ab und hatte seine gewohnte Zahlung dem „Wall Street Journal“ zufolge bereits zuvor ausgesetzt. Gates ist keiner Straftat beschuldigt und hat wiederholt Bedauern über die Kontakte geäußert. Buffett selbst sagte im März, er habe seit Bekanntwerden überhaupt nicht mehr mit Gates gesprochen.
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Zugleich zieht Buffett das Tempo seiner Schenkungen an. Schon vor rund einem Jahr stockte er auf, damals mit je rund 320 Millionen Dollar für die drei von seinen Kindern geführten Stiftungen und einer späteren Zusage von je rund 200 Millionen Dollar. Künftig sollen die jährlichen Zuwendungen weiter steigen, die an die Susan Thompson Buffett Foundation etwas stärker als die übrigen.
Hinter der Eile steckt laut „Bloomberg“ auch ein praktisches Motiv. Buffett will die Übertragung so weit vorantreiben, dass seine Kinder den Nachlass nach seinem Tod ohne größere Schwierigkeiten abwickeln können. Bis zum 31. Dezember 2034 will er sämtliche Berkshire-Aktien abgeben. Seine restlichen Anteile sollen bis dahin an die vier Stiftungen fließen. „Die Sterblichkeit ist unberechenbar“, sagte Buffett.