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16 Seiten an die Aktionäre Die wichtigsten Erkenntnisse aus Warren Buffetts Brief

Warren Buffett spricht in seinem Brief an die Aktionäre über die Zukunft von Berkshire Hathaway und den Tod seines verstorbenen Geschäftspartners Charlie Munger
Warren Buffett spricht in seinem Brief an die Aktionäre über die Zukunft von Berkshire Hathaway und den Tod seines verstorbenen Geschäftspartners Charlie Munger | Foto: Imago Images / Newscom / El Pais

Warren Buffett, Chef von Berkshire Hathaway, hat am Wochenende seinen jährlichen Brief an die Aktionäre veröffentlicht. Es war das erste Mal seit dem Tod seines langjährigen Partners Charlie Munger im November, dass sich die Investmentlegende öffentlich äußerte.

Während das operative Geschäft mit einem Gewinnplus von 21 Prozent auf 37,4 Milliarden Dollar boomte, sandte Buffett in seinem Brief durchaus gemischte Signale bezüglich Berkshires weiteren Wachstumsaussichten. Insgesamt ist die Wertsteigerung jedoch beeindruckend wie eh und je: Während der S&P 500 von 1965 bis 2023 pro Jahr durchschnittlich um 10,2 Prozent zulegte, schaffte Berkshire Hathaway im gleichen Zeitraum eine Performance von 19,8 Prozent p.a.

Rekordjagd der Versicherungssparte

Einen wesentlichen Beitrag zu Berkshires starkem operativen Ergebnis lieferte die Versicherungssparte. Sie erzielte nicht nur Rekordumsätze, sondern auch hohe versicherungstechnische Gewinne. Treiber waren weniger Naturkatastrophen und Preiserhöhungen im Sachversicherungsbereich. Buffett pries sein Versicherungsteam um Ajit Jain als das Who-is-Who der Branche.

Für Investoren sind Berkshires Prämieneinnahmen besonders interessant, da Buffett einen Großteil davon in Aktien, Anleihen und Unternehmensbeteiligungen investiert. Dies ermöglicht im Erfolgsfall weitere Firmenkäufe. Aufgrund der schwächelnden Kapitalmärkte war Berkshires Aktienportfolio 2022 allerdings erstmals seit der Finanzkrise ins Minus gerutscht.

Dämpfende regulatorische Eingriffe

Gebremst wurde das Ergebnis von Einbußen bei der Eisenbahntochter BNSF und im Energiebereich. Die Profitabilität der Bahn leidet zunehmend unter staatlichen Lohnvorgaben und Personalmangel. Zudem erschweren extremeres Wetter wie Waldbrände und Überschwemmungen den Betrieb.

Auch Berkshire Hathaways Energiesparte bekam Widrigkeiten durch die Natur und Regulierung zu spüren. So führten die extremen Waldbrände in den USA zu hohen Schäden. Zudem drücken Eingriffe der Politik in einzelne Bundesstaaten auf die Gewinnmargen, was Buffett nicht erwartet hatte. Er stellte weitere Belastungen in Aussicht, sollte sich das regulatorische Umfeld verschärfen oder weitere Klimafolgen auftreten.

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Insgesamt äußerte sich der 93-jährige Investor, in der Branche bekannt als Orakel von Omaha, recht zurückhaltend zu Berkshires weiteren Wachstumsaussichten. Es gebe aufgrund der Unternehmensgröße nur noch wenige sinnvolle Übernahmeziele in den USA, die groß genug seien, um die Performance substantiell zu beeinflussen. Entsprechend dämpfte Buffett die Erwartungen an künftige Gewinnsprünge. Er stellte den Anlegern jedoch stabile Erträge und geringe Verlustrisiken in Aussicht.

Das schreibt Buffett über Charlie Munger

Mit Spannung erwartet wurde auch, wie Buffett den Tod seines Partners Charlie Munger nach fast vier Jahrzehnten würdigen würde. Dieser habe als „Architekt von Berkshire“ maßgeblich zu Buffetts Investmentansatz beigetragen. So überzeugte Munger Buffett einst, vermehrt auf hochwertige Unternehmen zu möglichst angemessenen Preisen zu setzen, anstatt auf durchschnittliche Firmen zu billigen Bewertungen. Diese Strategieänderung ebnete Berkshires Weg an die Spitze.

 

Dann wird der sonst so nüchterne Starinvestor persönlich: „Charlie war nie bestrebt, die Lorbeeren für seine Rolle als Schöpfer zu ernten, sondern überließ es mir, die Verbeugung zu machen und die Anerkennung entgegenzunehmen. In gewisser Weise war seine Beziehung zu mir halb älterer Bruder, halb liebender Vater. Selbst wenn er wusste, dass er Recht hatte, gab er mir die Zügel in die Hand, und wenn ich einen Fehler machte, erinnerte er mich nie - nie - an meinen Fehler.“

Seine eigene Nachfolge hat Buffett übrigens längst geklärt: Greg Abel, Mitglied des Verwaltungsrates bei Buffetts Investmentholding, wird in Falle von Buffetts Rücktritt oder Tod neuer Vorstandsvorsitzender. Eine Entscheidung, die Buffett in seinem Brief noch einmal bekräftigt: Abel sei „in jeder Hinsicht bereit, morgen CEO von Berkshire zu sein“, schreibt er.

Starre bei den Beteiligungen

Berkshires Aktienportfolio ist mittlerweile rund 370 Milliarden US-Dollar schwer. Darin nahm Buffett nur punktuelle Änderungen vor. Die Positionen bei American Express und Coca Cola, in die er teils seit Jahrzehnten investiert ist, bleiben unangetastet. „Geduld zahlt sich aus“ resümierte er. „Ein wunderbares Geschäft kann die vielen mittelmäßigen Entscheidungen ausgleichen, die unvermeidlich sind.“

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