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Zu Thanksgiving Warren Buffett: Dieser Brief ist ein Testament

Warren Buffett
Warren Buffett: Der legendäre Investor spricht in einem offenen Brief über sein Vermächtnis. | Foto: Imago Images / Newscom / El Pais

Der Brief enthält gleichzeitig sein Testament: Investment-Ikone Warren Buffett hat in einem Schreiben an seine Aktionäre mitgeteilt, was mit seinem Nachlass geschehen soll. Es geht um die Geschicke von Berkshire Hathaway, das der damals noch junge Investor 1965 übernommen hat.

Seit damals ist viel passiert. Aus einer maroden Textilfirma entwickelte Buffett im Laufe der Jahre einen brummenden Weltkonzern. Berkshire Hathaway ist ein Beteiligungsunternehmen, das heute umgerechnet rund 722 Milliarden Euro wert ist. Da seit dem Börsengang der Gesellschaft nie ein Aktiensplit vorgenommen wurde, notiert ein ursprünglicher Anteil der Gesellschaft heute bei 504.000 Euro.  

Berkshire Hathaway investiert in eine breite Palette von Unternehmen, die gemäß dem Buffett'schen Value-Gedanken nach Möglichkeit günstig im Einkauf sein und sattes Wachstum in Aussicht stellen sollen. Langjährige Investments der Gesellschaft sind Anteile am Konsumgüterkonzern Coca Cola und dem Softwareriesen Apple. Zur jährlichen Aktionärs-Hauptversammlung, die im Laufe der Jahre zu einem popkulturellen Happening geworden ist, treten Jahr für Jahr Firmengründer Buffett und sein langjähriger Sparrings-Partner im Unternehmen, Charlie Munger, auf. Beide haben Legenden-Status, navigieren aber weiterhin vital und wach durch die Finanzwelt. Das ist nicht ganz selbstverständlich, denn beide sind hochbetagt: Buffett wurde in diesem Sommer 93 Jahre alt, Munger wird im kommenden Jahr 100.

Umfangreiche Spende zu Thanksgiving

In seinem Brief gibt Buffett zunächst bekannt, dass er anlässlich des Thanksgiving-Tags 1.600 Anteile seiner Gesellschaft - im Wert von mehr als 800 Millionen Euro - an vier Familienstiftungen spendet, die von seinen drei Kindern geführt werden. Bereits 2006 habe er zugesagt, bestimmte Projekte bis an sein Lebensende unterstützen zu wollen. Seine Kinder seien mittlerweile zwischen 65 und 70 Jahre alt, bemerkt Buffett. Er selbst sei sich wohl bewusst, dass er mit seinen 93 Jahren bereits „in der Verlängerung spiele“.

Dynastisch angehäufter Reichtum, auch wenn er legal und in Ländern wie den USA verbreitet sei, halte er wie auch seine Kinder für nicht wünschenswert. „Wir sind uns auch einig, dass Kapitalismus – trotz seiner Schwächen wie die enormen Unterschiede bei Reichtum und politischem Einfluss, die er launisch an seine Bürger verteilt – Wunder bewirkt hat und auch weiter bewirkt“, so Buffett. Die USA seien ein anschauliches Paradebeispiel dafür.

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Er habe seine Kinder als Testamentsvollstrecker und Treuhänder einer eigenen wohltätigen Stiftung eingesetzt, in die nach seinem Tod mehr als 99 Prozent seines Vermögens übergehen solle. Die Mittel sollten in philanthropischem Sinne breit angewendet werden können. Er wolle seinen Kindern und auch deren späteren Nachfolgern keine engen Vorschriften machen, wohin das Geld zu fließen habe, so Buffett.  

Die Treuhandgesellschaft solle sich zehn Jahre nach seinem Tod auflösen und in eine schlank gestrickte Verwaltungsstruktur übergehen, verfügt Buffett. Sie solle sich langfristig über Berkshire-Aktien finanzieren.

Wie es mit Berkshire Hathaway weitergeht 

Buffett denkt in seinem Brief auch offen über die Zukunft seines unternehmerischen Babys, der Gesellschaft Berkshire Hathaway, nach. Auch wenn dort zukünftig Fehler passieren könnten – wie es in allen Großfirmen der Fall sei –, so würde das das Unternehmen nicht ernsthaft gefährden, sinniert Buffett. Berkshire sei eines der größten und am stärksten diversifizierten Unternehmen der Welt. „Wir haben den richtigen CEO, der mir nachfolgt, und ebenso den richtigen Aufsichtsrat“, gibt sich Buffett überzeugt. Bereits 2021 hatte Buffett den Energie-Chef von Berkshire Hathaway, Greg Abel, als seinen Nachfolger und CEO vorgestellt

Alle großen Institutionen, so Buffett weiter, könnten zwar einen Niedergang erleben. Dieser sei jedoch nicht unvermeidbar. „Berkshires Vorteil ist, dass es als langlebig aufgebaut wurde“, schreibt Buffett.

Der Investor verspricht: Über sein Vermögen solle nach seinem Tod transparent verfügt werden. Das Geld werde weder in verworrene Rechtskonstrukte noch ins Ausland überführt, um einer etwaigen Kontrolle zu entgehen. Vielmehr sollten alle Informationen am örtlichen Bezirksgericht seiner Heimatregion Douglas County öffentlich einsehbar sein.

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