Manchmal ist es so, dass nicht Nachrichten Kurse machen, sondern umgekehrt. Das jüngste Beispiel dafür waren die zum Teil heftigen Kursverluste am 5. August, dem kleinen schwarzen Montag. In Japan kollabierte der Nikkei-Index um 12,4 Prozent, was den höchsten Tagesverlust seit 37 Jahren bedeutete. Hier gab es zumindest noch eine passende News. Die Bank of Japan hatte die Leitzinsen überraschend von 0,1 auf 0,25 Prozent erhöht, was zu einer umfangreichen Auflösung von Carry-Trades führte.

Die Aktienmärkte in Europa und die Wall Street folgten mit ebenfalls substanziellen Kursverlusten, nachdem bereits in den Tagen zuvor eher fallende Kurse zu verzeichnen waren. In den USA keimten auf einmal Rezessionssorgen auf, nachdem die Arbeitsmarktdaten etwas schwächer als erwartet ausfielen. Auch die Äußerungen eines US-Präsidentschaftskandidaten, politisch Einfluss auf die Fed nehmen zu wollen, trug nicht zur Beruhigung der Märkte bei.

Dazu sei angemerkt, dass die amerikanische Notenbank Fed seit Monaten versucht, durch sehr hohe Leitzinsen den Arbeitsmarkt abzukühlen, um die Inflation in den Griff zu kriegen. Vorher hatten die Anleger noch schwächere Konjunkturdaten mit Kursgewinnen gefeiert, weil dadurch eine erste Zinssenkung der Fed wahrscheinlicher wurde. Jetzt fiel die Reaktion an den Börsen negativ aus, da in die schwächeren Konjunkturdaten eine konkrete Rezessionsgefahr hineininterpretiert wurde.

 

Die globalen Aktienindizes haben in den zurückliegenden Wochen zeitweise Rückgänge bis nahe an die 200-Tages-Linie hinnehmen müssen. Diese hat jedoch als viel beachteter technischer Widerstand gut gehalten, so dass die Indizes nicht weiter gefallen sind, sondern ihre Abwärtsbewegung durch kräftige Käufe spätestens in diesem Bereich gestoppt wurden. Ein Mechanismus, der sich oftmals beobachten lässt, wenn Märkte zur Korrektur ansetzen und – wie aktuell – mehr als reichlich Liquidität im Markt vorhanden ist.

Nach wie vor stehen viele potenzielle Aktieninvestoren an der Seitenlinie und lauern auf günstigere Einstiegskurse. Diese Situation bildet somit eine gewisse Absicherung für den Fall, dass die Märkte - ohne einen wirklich relevanten wirtschaftlichen oder geopolitischen Grund - unter Druck geraten, wie in den zurückliegenden Wochen. Als investierter Anleger gilt es, in solchen Phasen die Ruhe zu bewahren und sich nicht von der – auch medialen – Hektik und Panikmache anstecken zu lassen.

Einstiegsgelegenheiten bei Aktien nutzen

Und falls ein Anleger in den Markt einsteigen möchte, aber bisher nicht den passenden Zeitpunkt gefunden hat, kann ein solcher Rücksetzer durchaus sinnvoll genutzt werden, um mit einem Anteil von 30 bis 40 Prozent des insgesamt zur Anlage bereitstehenden Betrages einen ersten Schritt zu tätigen, um „einen Fuß in die Tür“ zu bekommen.

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Gleichzeitig bieten auch Anleihen weiterhin auskömmliche Renditen. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Zinssenkungen von Fed und EZB dürften über die kommenden Quartale hinweg insbesondere Kurse länger laufender Anleihen deutlich steigen, auch wenn ein Teil der erwarteten Zinssenkungen sicherlich bereits eingepreist ist. Längerfristig orientierte Anleger könnten sich mit Anleihen sehr guter Bonität und Laufzeiten im Bereich von acht bis 15 Jahren beschäftigen, sowohl in Euro als auch in US-Dollar.

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Generell sollten Anleger sich beim regelmäßigen Blick auf ihr Depot immer wieder folgende Frage stellen: „Würde ich mein Depot so, wie es aktuell aufgestellt ist, heute wieder aufstellen?“ Die Antwort auf diese Frage sollte ungeachtet der vergangenen – und somit nicht mehr abänderbaren – Performance im Depot bewertet werden.

Private Equity sollte nicht fehlen

Eine sinnhafte Ergänzung zu liquidem Depotvermögen kann die Beimischung von Anlagen im Bereich Private Equity (PE), also nicht börsennotierte Unternehmen, sein. Hier erschließt sich ein zusätzliches sehr großes Marktsegment, das in vielen Depots noch nicht berücksichtigt ist. Von den insgesamt rund 6,1 Millionen amerikanischen Unternehmen sind rund eine Million grundsätzlich relevant für Private Equity. Von den circa 6,1 Millionen US-Firmen sind aber nur weniger als 5.000 Stück börsennotiert, also weniger als 0,1 Prozent. In Europa fallen die Zahlen ähnlich aus.

Vergleicht man operative Kennzahlen wie Umsatz, EBITDA und Unternehmenswert von börsennotierten Unternehmen – hier beispielhaft die Mitglieder aus dem S&P 500 – mit Buyout-finanzierten Unternehmen in den USA – also einem der klassischen PE-Segmente, so fällt – wenig überraschend – auf, dass PE-relevanten Unternehmen deutlich besser abschneiden.

 

Außerdem werden die börsennotierten Unternehmen durch quartalsweise Berichtspflichten sehr kurzfristig immer wieder neu bewertet, was die Umsetzung effektiver, aber längerfristiger Unternehmensentscheidungen vielfach erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Im Gegensatz dazu können nicht börsennotierte Unternehmen sich viel strategischer ausrichten und positionieren, was ein grundlegender Aspekt für die Outperformance gegenüber klassischen Aktieninvestments ist.

Dank zeitgleich überall verfügbarer Informationen durch das Internet reagieren börsennotierte Unternehmen oftmals unmittelbar mit teils heftigen Kursausschlägen auf Nachrichten, was in der Betrachtung auch zu erheblichen Schwankungen im Depot führt. Die daraus resultierende Verunsicherung sorgt immer wieder bei Anlegern für Verunsicherung und daraus resultierend wenig optimale Anlageentscheidungen, da sie oftmals aus der Emotion heraus getroffen werden.

Private Equity bietet deutlich ruhigeres Fahrwasser

Bei Private Equity Investments gibt es keine unmittelbare und zeitnahe Bewertung, insoweit zeigt ein PE-Investment zunächst keine erkenntliche Reaktion auf eine Marktverwerfung. Vielmehr zeigt sich die Entwicklung von PE stark geglättet, da typischerweise nur quartalsweise und im Nachgang ein Wert für die getätigten Investitionen mitgeteilt wird.

Eine Krux gibt es jedoch bei Private Equity: die Illiquidität. Anleger müssen in der Regel bei Investitionen in PE das Kapital, soweit es abgerufen wird, für etwa zehn Jahr oder sogar länger zur Verfügung stellen. Abschließend sei angemerkt, dass hier keine Anlageberatung erfolgt.

Über den Autor:
Nietho Bruhn ist seit Oktober 2022 als Seniorberater bei Qcoon-Invest tätig. Zuvor war er jeweils mehr als zehn Jahre bei der Bethmann Bank und UBS für die Begleitung vermögender Privatpersonen und Unternehmen verantwortlich.