US-Präsident Richard Nixon spricht 1969 vor Studenten Foto: imago images / Everett Collection

In die Börsengeschichte geschaut

Warum Demokraten für Anleger besser sind

Nur noch wenige Tage, dann wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten. Viel steht auf dem Spiel – für die USA, aber auch für den Rest der Welt. Derzeit hat der demokratische Herausforderer Joe Biden, sofern man den Meinungsforschern glaubt, klar die besseren Karten. Schließlich war der Republikaner Donald Trump als Manager der Corona-Krise ein Totalausfall. Allerdings irrten sich die Meinungsforscher bereits 2016, als Hillary Clinton gegen Trump antrat. Und so könnte es erneut zu einer Überraschung bei der Wahl des US-Präsidenten kommen. Verantwortlich dafür wäre das aus deutscher Sicht merkwürdige amerikanische Wahlmännersystem. Denn in Amerika gilt: Wer die meisten Wählerstimmen gewonnen hat, stellt nicht zwangsläufig den Präsidenten.

Bessere Chancen mit dem bodenständigen Biden

Allerdings könnte Trump den Bogen dieses Mal mit seinem Egoismus überspannt haben. Schließlich ordnet der Präsident das gesundheitliche und wirtschaftliche Wohl der Nation in den Augen vieler Amerikaner seinem persönlichen Erfolg unter. Deshalb ist ein Wahlsieg der Demokraten mit dem bodenständigen Biden wahrscheinlicher als mit der abgehoben-elitären Hillary Clinton. Doch was hieße das für Anleger? Sind unternehmensfreundliche Republikaner nicht besser für die Börse als die Demokraten mit ihrem Hang zu Sozialstaat und Umverteilung?

Die Börsengeschichte bestätigt das nicht. Wahr ist vielmehr das Gegenteil, wie eine Auswertung über fast 120 Jahre belegt: Seit dem Jahr 1900 schnitten Anleger deutlich besser ab, wenn ein Demokrat regierte. Unter den acht demokratischen („blauen“) von insgesamt 20 Präsidenten kamen Investoren mit dem marktbreiten S&P 500 auf eine durchschnittliche Jahresrendite von 10,5 Prozent. Mit den Republikanern waren es lediglich knapp 5 Prozent. Etwas weniger drastisch ist die Differenz im Dow Jones, der nur 30 Werte versammelt. Unter der Ägide der Demokraten brachte es dieser Index im jährlichen Durchschnitt auf 9,3 Prozent. Unter den Republikanern waren es mit 6,1 Prozent gut 3 Prozentpunkte im Jahr weniger.

Aktiencrashs gab’s nur in Republikaner-Jahren

Das summiert sich: In den 58 Präsidentenjahren der Demokraten legte der Dow Jones um 523 Prozent zu. Die gut 60 Jahre der Republikaner brachten den Index indes nur um 384 Prozent nach vorne. Das schlechtere Abschneiden der Republikaner liegt nicht zuletzt daran, dass bei sämtlichen historischen Aktiencrashs Republikaner an der Macht waren: 1929-1932 (Hoover, minus 85 Prozent), 1973-74 (Nixon, minus 42 Prozent), 1987 (Reagan, minus 22 Prozent an einem Tag), 2000-2002 (Bush, minus 33 Prozent), 2008 (Bush, minus 38 Prozent).

Übrigens: Der Corona-Crash ist inzwischen zwar ausgebügelt, doch auch er fiel in die Regierungszeit eines Republikaners. Das zeitweilige Minus lag bei mehr als 30 Prozent.

Fazit: Weiterer Aufschwung mit Demokraten wahrscheinlich

Mit zwingenden Schlussfolgerungen aus der Geschichte sollte man vorsichtig sein. Doch lässt sich zumindest sagen: Aufgeklärte Anleger müssen einen Demokraten als Präsidenten keineswegs fürchten. Eher trifft das Gegenteil zu! Dass sich der Börsenaufschwung unter Joe Biden fortsetzt, ist zwar nicht ausgemacht, aus unserer Sicht jedoch wahrscheinlich.

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