Infineon-Chef Reinhard Ploss Foto: imago images / Sven Simon

In einer Studie aufgeschlüsselt

Warum der M-Dax besser läuft als der Dax

Seit Jahrzehnten lässt der kleine Bruder des Dax, der M-Dax, den deutschen Elite-Index regelmäßig ziemlich alt aussehen. Wie viel das ist, rechneten jüngst die Analysten der Fondsgesellschaft Invesco aus. Demnach brachte der 60 Werte umfassende M-Dax von Ende 2005 bis zum 31. August 2020 eine Rendite von 9,4 Prozent im Jahr. Der 30 Titel starke Dax erreichte lediglich 6,1 Prozent.

In einer Analyse gingen die Mitarbeiter der Invesco-Abteilung Quantitative Strategies der Sache auf den Grund. Sicherlich lässt sich ein Teil des Unterschieds auf die sogenannte Size-Prämie zurückführen: Kleinere Unternehmen bringen nun mal langfristig höhere Renditen als größere. Schon klar.

Laut Portfoliomanager Bernhard Breloer reicht das aber nicht aus. Für ihn liegt der Hauptgrund in den Einzeltiteln und darin, wie die Indizes regelmäßig überprüft und verändert werden. „Wenn eine Aktie in einen Index für höher kapitalisierte Werte aufsteigt, ist das ein Signal dafür, dass sich der Börsenwert der betreffenden Aktie in der jüngeren Vergangenheit gut entwickelt hat. Umgekehrt kann eine Herabstufung mit einer schwächeren Geschäftsentwicklung in Verbindung gebracht werden, die gewöhnlich von einer unterdurchschnittlichen Aktienperformance begleitet ist“, erklärt Breloer.

Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Nur wer stark läuft, steigt in den Dax auf. Und nur die Schwachen steigen aus ihm wieder ab. Aber wo erleiden sie diesen Schwächeanfall zunächst? Eben, im Dax. Nicht selten fangen sich die Titel nach dem Abstieg im M-Dax wieder. Die Aktie von Infineon ist so ein Beispiel. Sie erholte sich kräftig und stieg dann wieder auf.

Regelrecht erschütternd ist hingegen der Fall Wirecard. Der inzwischen pleitegegangene Zahlungsdienstleister hatte seine stärkste Zeit im M-Dax. Dann stieg er in den Dax auf und sorgte dort für einen der heftigsten Finanzskandale in der Geschichte des Index.

Breloers Team schlüsselte die Indizes auf und teilte die Mitglieder in acht Gruppen ein. Die Tabelle zeigt, welchen Beitrag jede Gruppe zur Über- und Unterrendite leistete. Ein Wert unter null bedeutet, dass die Aktien dem Dax geholfen haben. Über null heißt, dass es besser für den M-Dax war.

Baut man Indizes nach wie vor nach dem Börsenwert der Mitglieder auf, bleibt auch der systematische Mangel mit den Auf- und Absteigern weiter bestehen, stellt Breloer fest. Man könne ihn aber zumindest etwas eindämmen, indem man die Zahl der Titel in den Standardindizes aufstockt. Damit würden solche Wechsel prozentual nicht mehr so stark ins Gewicht fallen wie bisher. Auch die Gefahr, dass ein schwarzes Schaf in der Indexherde steckt, fällt mit steigender Titelzahl.

Breloers Botschaft steht deshalb fest: Anleger sollten schmal aufgestellte Standardindizes meiden. Alternativ könnten sie auf breiter gefasste Indizes ausweichen, oder Indizes mit anderen Aufbaukriterien nutzen als dem Börsenwert.

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