DAS INVESTMENT: Herr Kösters, der EB-Öko-Aktienfonds wird zum EB - Global Equities umgelabelt. Die Namensänderung ist sicher kein Zufall. Versucht man das ESG-Thema loszuwerden?
Sebastian Kösters: Keineswegs. Wir werden weiterhin ausschließlich nachhaltig investieren. Alle unsere Produkte sind nachhaltig und werden das auch bleiben. Was wir aber nicht mehr machen, ist die extern vorgegebene Nachhaltigkeit. Wir möchten unser eigenes Nachhaltigkeitsverständnis in den Produkten umsetzen, basierend auf dem EKD-Leitfaden. Was wir auch nicht machen, ist aufgrund kurzfristiger politischer Meinungen unser Nachhaltigkeitskonzept über Bord zu werfen.
Aber die thematische Ausrichtung auf Ökologie verschwindet ja trotzdem aus dem Konzept.
Kösters: Das stimmt. Die EB-Sim sagt: Impact sehen wir überwiegend im Real-Assets-Bereich. In Aktien, gerade im Sekundärmarkt, nehmen wir das nicht als Impact wahr. Das entspricht nicht mehr unserer Philosophie. Deshalb wandeln wir den Fonds von einem wirkungsorientierten Artikel 9 zu einem nachhaltigen Artikel-8-Fonds um. Eine Wirkung erzielen wir in dem Fonds durch unsere Engagement-Strategie, die durch aktive Unternehmensdialoge einen aktiven Beitrag zur Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaft leisten kann.
Herr Schmidt, was ändert sich konkret an der Strategie? Was geht jetzt, was vorher nicht möglich war?
Jan-Erik Schmidt: Vorher mussten Titel einen bestimmten positiven Beitrag auf die SDGs erreichen. Nehmen wir Banken: Die mussten aktiv positiv auf SDGs einwirken, was sie nicht immer haben. Industrieunternehmen, die ganz normale Maschinen produzieren, waren teilweise nicht investierbar. Jetzt wird das Produkt marktbreit aufgestellt mit einer Sektor-Abbildung ähnlich dem Gesamtkapitalmarkt. Wir haben aktuell im EB-Öko-Aktienfonds null Exposure zu Energieerzeugern – das wird sich ändern.
Reden wir von einem grundlegenden Wandel des Portfolios?
Schmidt: Das Produkt wird breiter diversifiziert und nicht mehr so speziell auf erneuerbare Energien ausgerichtet. Ein Sportartikelhersteller war beispielsweise vorher nicht investierbar, wird jetzt aber möglich sein, sofern er gewisse Nachhaltigkeitskriterien erfüllt.
Könnte ein jetziger Investor nicht sagen: Das ist gar nicht mehr mein Produkt?
Kösters: Für jemanden, der ganz bewusst einen Themenfonds unter Artikel 9 und sehr engem Fokus auf Ökologie haben möchte, für den mag das so sein. Wenn jemand nachhaltig in Aktien investieren möchte, ist der neue EB - Global Equities dafür sehr gut geeignet.
Wachstum, Bewertung, Qualität – das erzählen mir alle. Was ist ihr Geheimrezept bei der Titelauswahl?
Schmidt: Wir haben einen zweistufigen Prozess. Erst eine quantitative Basis mit 34 unterschiedlichen Faktoren, die in ein Scoring- und Rankingmodell einfließen. Im zweiten Schritt wenden wir einen rein fundamentalen Investmentansatz an, also eine cashflow-basierte Bewertung. Mein Team und ich erstellen einen Forecast für die nächsten fünf Jahre und haben als Risikokontrolle ein klassisches DCF-Modell. Das ermöglicht es auch, Titel zu finden, die unter dem Radar fliegen.
Nachhaltige Aktienfonds gibt es einige. Herr Kösters, was unterscheidet Ihren Ansatz konkret von der Konkurrenz?
Kösters: Unser WIW-Konzept, das steht für Werte, Integration, Wirkung. Der wirkliche Mehrwert liegt bei der Integration der Nachhaltigkeit. Wir haben den auf künstlicher Intelligenz basierenden EB-ESG-Score selbst entwickelt, der nicht auf vergangenheitsbezogenen Daten von MSCI fußt, sondern newsbasiert und zukunftsgerichtet Unternehmen identifiziert, die höhere oder niedrigere Nachhaltigkeitsrisiken haben als ihre Peer Group. Der EB-ESG-Score wertet dazu knapp 100.000 einzelne News-Quellen aus, die man händisch gar nicht auswerten könnte. Dafür braucht es Machine-Learning.
Können Sie das an einem Beispiel erklären?
Kösters: Nehmen wir den Abgas-Skandal. Da steht ein Unternehmen unter Verdacht, ein anderes wurde geprüft und ist sauber. Ein Artikel erwähnt beide Unternehmen, aber das eine negativ, das andere positiv. Um das zu unterscheiden, brauchen Sie diesen Machine-Learning-Algorithmus. Wir haben das ausgiebig getestet – die zukünftige Wertentwicklung kann zu einem Teil durch den newsbasierten Score vorhergesagt werden.
Wenn ich mir die Performance des Fonds der letzten Jahre anschaue, sehe ich noch nicht so viel Alpha. Ist das ein Grund für die Strategieänderung?
Schmidt: Die Performance ist keinesfalls Hauptgrund für die Umstellung. Vorher war das Produkt thematisch sehr stark eingeschränkt. Man darf es nicht mit einem marktbreiten Index vergleichen, weil man sehr abhängig ist von Swings in dem jeweiligen Thema. Man war dadurch eingeschränkt in der Erstellung eines optimalen Portfolios und musste zu viele Faktoren gleichzeitig erfüllen.
Der Fonds hat derzeit etwa 60 Millionen Euro Volumen. Wo wollen Sie hin?
Kösters: Wir streben 100 Millionen als Größe im Laufe dieses Jahres an. Wir haben diese Umstellung aufgrund vielfacher Nachfrage gemacht. Wenn wir unsere Multi-Asset-Strategien vorstellen, bekommen wir oft als Feedback: „Super Strategie, gibt es nicht die darin enthaltene Aktienstrategien auch als separaten Fonds?“
Wer ist die primäre Zielgruppe?
Kösters: Initial werden das institutionelle Investoren sein, um auf die Volumina zu kommen. Langfristig erwarten wir auch Zuflüsse aus dem Privatkundenbereich. Eine der Motivationen ist, dass es unsere erfolgreiche globale Aktienstrategie aus Multi Asset Fonds jetzt auch für Privatanleger gibt, während diese bislang nur institutionellen Anlegern zur Verfügung stand.
Globale Aktienstrategien bedeuten auch Währungsrisiko. Wie gehen Sie damit um?
Schmidt: Grundsätzlich kann das Produkt jegliche Form von Währungsabsicherung verwenden. In erster Instanz wird es aber nicht währungsgesichert sein.
Kösters: Wir haben auch nicht vor, eine währungsgesicherte Tranche anzubieten. Es wird grundsätzlich ein offenes Währungsrisiko sein, mit der Möglichkeit, das in extremen Phasen abzusichern.
Wann ist der Fonds umgestellt?
Schmidt: Zum 1. September wird die Umstellung vom Namen und der Strategie vollständig abgeschlossen sein.
Die Umbenennung des Fonds ist Teil einer größeren Restrukturierung bei EB-Sim. Ist der Umstellungsprozess in Ihrem Haus damit abgeschlossen?
Kösters: Wir sind inzwischen sehr gut aufgestellt. Wir haben im liquiden Bereich zwei Multi-Asset-Produkte als Flaggschiffe und jetzt die Bestandteile auf der Aktien- und Anleihenseite ebenfalls als Publikumsfonds. Der Umstellungsprozess ist abgeschlossen. Wir haben allerdings nicht die Innovationsarbeit eingestellt – im Hintergrund sind wir an der Entwicklung neuer Produkte, die in dieses Konzept reinpassen werden.
Über die Interviewten:
Sebastian Kösters ist Investmentchef bei EB-Sim und verantwortet die Anlagestrategie im liquiden Portfoliomanagement. Er ist auch der Fondsmanager des Multi-Asset-Flaggschiffs der EB-Sim, dem EB – Multi Asset Conservative.
Jan-Erik Schmidt ist Senior Portfoliomanager Aktien bei EB-Sim und ist der Fondsmanager des neu aufgestellten EB – Global Equities.