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Audun Wickstrand-Iversen (Gastautor)Lesedauer: 5 Minuten

Disruptives Investment Warum Energiekosten auf null sinken könnten

Solarpark bei Las Vegas, USA
Solarpark bei Las Vegas, USA: Der Anteil der Solarenergie am Gesamtenergiemix wird weiter steigen. | Foto: imago images / Westend61

Täglich werden Berichte über die Energiezukunft, über Peak Oil oder die Grüne Wende veröffentlicht. Gemeinsamer Nenner ist oftmals, dass der Energiepreis bis zum Jahr 2030 steigen wird und wir uns zur „Null-Emissions-Gesellschaft“ im Jahr 2050 entwickeln werden. In einigen dieser Berichte steigt der Energiepreis stark, manchmal aber nur wenig. Was ist, wenn wir völlig falsch denken? Was ist, wenn die Energiepreise und -kosten sinken und nicht steigen? Was ist, wenn die Produktionskosten für Energie gegen Null gehen? Können alle Berichte so falsch sein? Könnte sein!

Beginnen wir mit einem kleinen Solarkraftwerk von 10 MWp, das derzeit in einem europäischen Land gebaut wird. Bei 1.400 Sonnenstunden im Jahr produziert die Anlage genug Strom für 3.000 Haushalte. Mit rund 40.000 Solarmodulen umfasst sie 12 bis 15 Fußballfeldern. Die Standardgarantie für die Solarmodule beträgt 20 bis 25 Jahre Lebensdauer und maximal 20 Prozent Leistungsreduzierung. Zur Vereinfachung hat das Werk einen unbefristeten Vertrag von 20 Jahren mit einem Großkunden. Wie sieht eine solche Anlage finanziell aus?

Das Finanzprofil eines Solarparks besteht hauptsächlich aus hohen Investitionen in die Anlage. Zuerst der Bau im Jahr 0, dann Abschreibung über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren mit Rückzahlung von Darlehen und Zinsen. Solarparks haben keine beweglichen Teile, was bedeutet, dass die Wartung oft mit dem Austauschen von Drähten und Sicherungen, dem Mähen von Gras und dem Waschen von Paneelen verbunden ist. Wechselrichter müssen nach zehn Jahren ausgetauscht werden, und Batterien für die Zwischenspeicherung werden mit der Zeit schwächer. Hinzu kommen Verwaltungskosten im Zusammenhang mit Versicherungen, Grundmieten, Sicherheiten, Wirtschaftsprüfern und Steuern.

Mit einer heute zu 100 Prozent getätigten Investition wird die Anlage irgendwann zwischen 2035 und 2040 zurückgezahlt sein. Die also vollständig abgeschriebene Anlage hat den Eigentümern zusätzlich eine schöne Eigenkapitalrendite von 5 bis 12 Prozent beschert. Was passiert dann?

Empirische Daten zeigen, dass die Wirkung auf die Solarzelle um 10 Prozent und nicht um 20 Prozent gesunken ist – und genau hier sind wir beim Kern. Was ist, wenn die Investition 40 Jahre lebt und nicht 20 Jahre? Ein Solarpanel mit splitterfreiem Glas und Qualität auf der Rückseite kann theoretisch noch lange, wahrscheinlich über 50 Jahre, Energie produzieren. Darüber hinaus ist der Inputfaktor Solar eine erneuerbare und kostenlose Ressource. Vom Jahr 2035 bis zur Null-Emissions-Gesellschaft im Jahr 2050 wird unsere Kleinanlage also neben den subventionierten norwegischen Wasserkraftwerken die billigste Kilowattstunde der Welt produzieren. Die einzigen Kosten sind Wartungs- und Verwaltungskosten.

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