Durch die ESG-Vorgaben sollen sich Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance) verbessern. Diese Regularien gelten auch für die Finanzbranche – und bieten zugleich die strategische Chance, neue Geschäftsfelder zu erschließen oder neue Zielgruppen anzusprechen.

Von positiven Auswirkungen nachhaltiger Investments überzeugt

Eine Umfrage der Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons hat nun ergeben, dass 82 Prozent der befragten Finanzunternehmen hier eher aus Pflichtgefühl gegenüber dem Gesetzgeber oder Investoren agieren und sich von diesen zu nachhaltigen Investments getrieben fühlen – und weniger die Chance für mehr Wachstum sehen. 69 Prozent stimmen hingegen laut dieser Umfrage der Aussage zu, dass ihr Unternehmen primär in nachhaltige Projekte investiert, um Wachstumsziele wie etwa steigende Gewinne zu verfolgen. Für andere Branchen wie Gesundheit, Technologie & Telekommunikation, Energie sowie Immobilien & Infrastruktur stehen hingegen Wachstumsziele im Zusammenhang mit ESG-Aktivitäten im Vordergrund.

Von den positiven Auswirkungen nachhaltiger Investments ist dabei interessanterweise der Großteil auch in der Finanzindustrie überzeugt: 89 Prozent stimmen zu, dass Unternehmen, die am effektivsten in Nachhaltigkeit investieren, in den nächsten fünf bis zehn Jahren finanziell am besten abschneiden werden. 79 Prozent gehen außerdem davon aus, dass ein nachhaltiges Engagement neue Zielgruppen erschließen kann.

Die Finanzindustrie sieht ESG-Investitionen eher als Verpflichtung denn als Wachstumschance.
© Simmons & Simmons / Momentum Itsma

Angst davor, als „Greenwasher“ wahrgenommen zu werden

Wenn die Vorteile also gesehen werden – warum fühlen sich die Befragten dann trotzdem eher verpflichtet, die Vorgaben umzusetzen? Das hat einen einfachen Grund: „Die Sorge, dass es in Zusammenhang mit ESG zu Rechtsstreitigkeiten kommen könnte oder des ‚Greenwashings‘ bezichtigt zu werden, ist bei Finanzunternehmen besonders stark ausgeprägt. Daraus spricht auch ein Stück weit Unsicherheit über die Auslegung der geltenden Regularien, etwa wo ‚Greenwashing‘ anfängt. Das aktive Auseinandersetzen mit bestehenden und auch kommenden Regularien ist daher ein entscheidender Faktor, um langfristig rechtssicher zu agieren“, erläutert Dr. Harald Glander, Partner bei Simmons & Simmons mit Schwerpunkt Asset Management, Fonds und ESG-Regulatorik, die Umfrageergebnisse.

Als größtes Risiko sehen die Befragten demnach Rechtsstreitigkeiten oder Strafen, wenn die ESG-Regularien nicht eingehalten werden (58 Prozent), gefolgt von der Sorge, durch unzureichende Nachweise Investitionen zu verlieren (47 Prozent) und der Angst, als „Greenwasher“ wahrgenommen zu werden und dadurch Reputation einzubüßen (41 Prozent).

 

Kompetenz im eigenen Haus sollte verstärkt werden

Diese Angst hat anscheinend auch einen Hintergrund: Nur 59 Prozent der befragten Finanzunternehmen sehen ihr eigenes Unternehmen gut aufgestellt, um die geltenden Vorschriften im Zusammenhang mit „Greenwashing“ zu erfüllen.

Was also nun tun, um sich dieser Situation zu stellen? Am besten erst einmal bei sich selbst anfangen: 61 Prozent meinen, dass die Kompetenz im eigenen Haus in diesem Bereich gestärkt werden solle. Vor allem bedeutet dies: mehr Fachkräfte, die bereits fundierte Erfahrungen bei Nachhaltigkeitsprojekten haben. Als nützlich bewerten 54 Prozent der Finanzdienstleister eine größere Transparenz entlang der Wertschöpfungskette mit Kunden, Lieferanten, Investoren. Und 49 Prozent wünscht sich einen engeren Dialog mit der Politik im Hinblick auf die ESG-Gesetzgebung.

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Über die Umfrage:

Befragt wurden 600 Führungskräfte aus dem C-Level-Bereich von Unternehmen unterschiedlicher Branchen in Europa, Großbritannien, den USA, im Mittleren Osten sowie Asien. Zu den 200 Finanzunternehmen, die für die Studie befragt wurden, zählen vor allem Finanzinstitute wie Banken sowie Asset Manager. Schwerpunkt der Umfrage, die vom Beratungs- und Research-Unternehmen Momentum Itsma durchgeführt wurde, waren Ziele und Aktivitäten auf dem Gebiet der drei Bereiche Environmental, Social und Governance (ESG).