Die Unbeugsamen Warum die Fondsgesellschaft MFS mehr ist als ein Geheimtipp
In der Unternehmensanalyse steht das Thema Langfristigkeit ebenfalls ganz oben. „Es gilt, den Marktlärm auszublenden und sich stattdessen auf die Dinge zu konzentrieren, die den Wert langfristig steigern können“, sagt Roberge. Entsprechend sollen die Fondsmanager nicht nach kurzfristigen Chancen suchen, sondern vor allem nach Wertpapieren, die der Performance eines Fonds über lange Zeit Auftrieb verleihen. Die Folge ist eine vergleichsweise geringe Umschlagshäufigkeit in den Portfolios. Diese ist bei den in den USA aufgelegten MFS-Aktienfonds nicht einmal halb so hoch wie im Branchenschnitt. Oder andersherum: Mit 5,9 Jahren verweilen Wertpapiere in MFS-Fonds mehr als doppelt so lange wie in einem durchschnittlichen Aktienfonds in den USA.
Bereits seit einer guten Dekade spielt bei MFS das Thema ESG eine entscheidende Rolle im Investmentprozess. „Nachhaltigkeit ist für uns nicht nur schon sehr lange wichtig, wir halten sie für gleichbedeutend mit langfristigem Investieren“, sagt Roberge. Seit 2009 gibt es ein spezielles Investment-Komitee, das sich um die Integration von ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien in den Anlageprozess kümmert. Mit der Unterzeichnung der Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren (UN PRI) hat sich die Gesellschaft 2010 auch offiziell dazu verpflichtet.
Zudem zählt MFS aktives Engagement durch das Ausüben der Stimmrechte und Gespräche mit den Unternehmen zu seinen Aufgaben als aktiver Investor. Die Analyse der nicht-finanziellen Faktoren dient der Gesellschaft zum Stärken ihres Risikomanagements, Manager sollen da-durch zugleich langfristige Chancen besser erkennen. ESG ist bei MFS keine Strategie für spezielle Produkte, sondern Teil der Einzeltitelanalyse in jedem Fonds.
Noch vor rund fünf Jahren war das Aushängeschild von MFS in Deutschland der MFS Meridian Prudent Wealth. Den aktienorientierten vermögensverwaltenden Fonds lotsen der in London ansässige Manager Barnaby Wiener und sein Team mit Hilfe des opportunistischen Einsatzes von Anleihen und Bar-Reserven (Cash) durch die Höhen und Tiefen der Märkte. Und das mit so großem Erfolg, dass MFS den Fonds bereits 2016, fünf Jahre nach seiner Auflegung, in ein sogenanntes Soft Closing geschickt hat und damit keine Gelder von Neuinvestoren mehr annimmt.
Vor solchen Maßnahmen schreckt MFS nicht zurück, wenn die Gesellschaft die Kapazitätsgrenzen einer Strategie erreicht sieht. Neuinvestoren bedient Wiener zusammen mit seinen Kollegen Edward Dearing und David Cole mit dem vor vier Jahren aufgelegten jüngeren Bruder, dem Prudent Capital. Noch handelt es sich auch um den kleineren Bruder. „In diesem Jahr hat sich das Volumen allerdings bereits auf 3,6 Milliarden US-Dollar, also 3,1 Milliarden Euro, mehr als verdoppelt“, sagt Hampel. Anders als beim Prudent Wealth verzichtet Fondsmanager Wiener beim Prudent Capital auf Small Caps, was grundsätzlich ein größeres Fondsvolumen ermöglichen soll.
