Zur hohen Nachfrage hat sicherlich beigetragen, wie elegant Wiener den Corona-Crash meistern konnte. Auf Jahressicht steht ein Plus von 3,3 Prozent zu Buche, während flexible Mischfonds im Schnitt ein knappes Minus beklagen. Doch das ist nicht alles: „Die Strategie zeichnet sich zwar besonders durch ihre risikoreduzierende Wirkung in Abwärtsbewegungen aus, sie partizipierte in der Vergangenheit aber auch ordentlich in steigenden Marktphasen. Im Ergebnis wurden die Anleger bislang mit aktienähnlichen Erträgen bei deutlich geringeren Schwankungsbreiten belohnt, was auch das erklärte Ziel des Fonds ist“, erläutert Hampel. Über drei Jahre beträgt der Wertzuwachs 23,7 Prozent, Wettbewerber-Fonds schafften im Schnitt lediglich 5,4 Prozent.

Und Hampel sieht ein weiteres Plus, das Investoren angelockt haben dürfte: „Der Fonds ist bei Morningstar mit der Höchstwertung im Nachhaltigkeits-Rating (Sustainability Rating) ausgezeichnet. Das zeigt, wie stark wir Nachhaltigkeit in unseren normalen Investmentprozess integriert haben. Sie ist quasi ein Teil der MFS-DNA.“ Basis des vermögensverwaltenden Fonds ist ein von Benchmarks völlig losgelöstes und weltweit investiertes Aktienportfolio mit 20 bis 40 Titeln, das je nach Marktlage 50 bis 90 Prozent des Gesamtportfolios ausmacht.

Ende August lag die Allokation am unteren Rand und netto sogar nur bei gut 40 Prozent. Denn das Fondsmanagement kann das Portfolio über Derivate absichern. Hauptgrund für die momentan geringe Aktienquote ist der Mangel an günstigen Titeln. „Wir fragen uns stets, ob eine Aktie zum aktuellen Preis attraktive Erträge über die nächsten fünf bis zehn Jahre bringen kann“, erklärt Wiener. Und dies erfüllt bei den derzeitigen Kursständen kaum eine der rund 200 bis 300 Aktien auf seiner Kaufliste.

 Quellen: Morningstar, MFS Investment Management

Ergänzt wird der Aktienanteil – anders als beim Prudent Wealth – systematisch mit 10 bis 30 Prozent Anleihen. Um deren Auswahl kümmert sich David Cole und greift dabei genau wie Wiener im Aktienbereich auf die globale Research-Plattform von MFS zu. Wichtiges Steuerungselement ist Cash, dessen Limit von 40 Prozent das Management aktuell nahezu ausschöpft.

Neben der Prudent-Strategie bietet die Meridian-Familie vor allem Aktien- und Anleihefonds. Für auf US-Dollar ausgerichtete Fonds stehen auf Euro abgesicherte Tranchen zur Verfügung. Insbesondere globale und europäische Aktienstrategien spielen im Wholesale-Bereich eine wichtige Rolle. Der MFS Meridian European Research etwa wurde bereits 1999 aufgelegt und hat den Index MSCI Europe seitdem mehr als deutlich hinter sich gelassen. Auch auf kürzere Sicht liegt der Fünf-Morningstar-Sterne-Fonds vor der Benchmark. Die Strategie leitet nicht ein Portfoliomanager, sondern MFS-Analysten, die ihre besten Ideen bündeln, derzeit 74 Titel.

Eine günstige Bewertung, überdurchschnittliches Wachstumspotenzial und eine hohe Qualität der Unternehmen unterschiedlicher Größe stehen bei der Portfolio-Konstruktion im Vordergrund. Großes Anlegerinteresse registriert Deutschland-Chef Hampel ebenfalls für den erst 2019 aufgelegten MFS Global Intrinsic Value. Fondsmanager Benjamin Stone konzentriert sich auf Aktien von Unternehmen, die unter ihrem – entsprechend der Unternehmensphilosophie auf langfristige Sicht berechneten – intrinsischen Wert handeln. Den Kurseinbruch zum Corona-Crash konnte Stone schnell aufholen (siehe auch Fonds-Übersicht oben). Obwohl internationale All-Cap-Aktienfonds seit Jahresbeginn im Mittel 4 Prozent unter Wasser liegen, gewann der MFS-Fonds 5,6 Prozent an Wert hinzu.

Zur Meridian-Fondsfamilie zählen übrigens auch Aktienfonds mit US-Universum. Der MIT allerdings ist nicht dabei. Er hat zwar fast 100 Jahre Fondsgeschichte überstanden, nach Europa hat er es aber bislang nicht geschafft.