Uwe Eilers (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter analysiert Warum die Inflationsraten nachhaltig steigen

Kupferschrott, bereit zum Recycling
Kupferschrott, bereit zum Recycling: Die Preise wichtiger Industriemetalle wie Kupfer sind gegenüber dem Vorjahreswert deutlich gestiegen. | Foto: Aurubis

Derzeit wird von allen Seiten diskutiert, ob die derzeit weltweit steigenden Inflationsraten temporär, also primär aufgrund der Einmal- und Nachholeffekte, erhöht sind. Die Notenbanken Fed und EZB beschwichtigen die Märkte aktuell noch und predigen dieses Szenario mantrahaft. Aus dem Grund sind die Aktienmärkte weiterhin stabil und reagieren selbst bei Inflationsraten von über 5 Prozent in den USA nicht mit einem Kursrutsch.

Die Frankfurter Vermögen geht von einem anderen Szenario aus. Eine längerfristig anziehende Inflation sowohl in den USA als auch Europa ist unserer Ansicht nach wahrscheinlich. Dafür gibt es vielfältige Gründe.

Fünf Gründe für einen längerfristigen Inflationsanstieg

1. Aufgrund steigender Nachfrage sind viele Rohstoffpreise deutlich gestiegen. Derzeit sieht es nicht nach einer großen Entspannung aus, auch wenn beispielweise die vielfach in den Medien zitierten hohen Holzpreise in den USA einen Rückgang verzeichneten. Fast alle Metalle sind auf enorm hohen Preisniveaus. Als Vorprodukte der zu fertigenden Güter ist der Einfluss auf die Güterpreise deutlich.

2. Die Kosten der Vorprodukte, allen voran elektronische Bauteile wie beispielsweise Chips und Sensoren, steigen weiterhin stark an. Die zuletzt publizierten Großhandelspreise in Deutschland stiegen mit über 10 Prozent so stark wie zuletzt in der Ölkrise 1973.

3. Die Lohnkosten scheinen den Weg nach oben anzutreten – und zwar nicht nur bei sehr gut ausgebildeten Fachkräften, sondern auch im Niedriglohnsektor. Im Gastgewerbe beispielsweise sind viele Mitarbeiter im Zuge des Corona-Lockdowns in andere Branchen gewechselt. Neue Mitarbeiter sind nun fast nur noch zu teils deutlich erhöhten Lohnkosten zu bekommen.

4. In den „verlängerten Werkbänken“ der Welt, also primär in China, steigen die Lohnkosten teils drastisch. Die inflationsdämpfende Wirkung der 2000er- Jahre aus der Verlagerung der Produktion in die Billiglohnländer läuft also aus. Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren nicht mehr umkehren und die Importpreise dauerhaft steigen lassen.

5. Die großen Konjunkturprogramme in Europa und den USA laufen erst jetzt langsam an, was die Nachfrage, vor allem auch in Infrastrukturprojekte, in den kommenden Jahren deutlich anschieben wird.

Steigender US-Dollar würde Inflation in Europa antreiben

Diese verschiedenen Faktoren sollten zu steigenden Zinsen führen, zunächst in den USA, wo die Notenbank bereits vorsichtige Signale dahingehend geäußert hat. Bis zum Jahresende sollen beispielsweise die erworbenen Unternehmensanleihen wieder verkauft werden. Es ist gut vorstellbar, dass nach dem Meeting in Jackson Hole die Anleihekäufe nach und nach reduziert werden. Dies führt dann voraussichtlich zu einem steigenden US-Dollar.

Ein steigender US-Dollar könnte die Inflation in Europa weiter anheizen, da die Importpreise dadurch in die Höhe getrieben würden. Die EZB könnte dann nicht mehr tatenlos zuschauen, wie die Inflationsraten in Europa durch die Decke gehen. Die Gefahr einer Staatsschuldenkrise in den Südländern könnte wieder zum Thema werden – aber soweit sind wir noch nicht…

Über den Autor: Uwe Eilers ist Vorstand der FV Frankfurter Vermögen AG in Bad Homburg / Königstein

 

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