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Steinskulpturen auf der Osterinsel Foto: imago images / Panthermedia
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Pulitzer-Preisträger zu Klimawandel und Ressourcenverbrauch

Warum die Pandemie der Menschheit helfen könnte

Die Osterinsel weit draußen im Pazifik ist weltbekannt für ihre imposanten Steinfiguren, die sich zu Hunderten auf der Insel verteilen. Sie ist aber auch ein Beispiel dafür, welch schwerwiegende Folgen eine übermäßige Ressourcennutzung für die menschliche Gesellschaft haben kann.

„Die kleine Osterinsel liegt knapp 4.000 Kilometer von der chilenischen Küste entfernt. Als die Menschen auf der Insel in Schwierigkeiten gerieten, gab es niemanden, den sie hätten um Hilfe bitten können. Es gab auch niemanden, an dessen Vorbild sie sich hätten orientieren können“, erinnert Jared Diamond, Pulitzer-Preisträger und Professor an der University of California in Los Angeles. 

„Die Bewohner zerstörten damals ihre natürliche Umgebung, nicht weil sie besonders dumm oder unvorsichtig waren, sondern weil sie unglücklicherweise auf einer relativ kühlen Insel mit lockerem Boden und flachem Gelände lebten – verlockende Ausgangsfaktoren um Ackerbau zu betreiben, sodass sie gar nicht anders konnten, als ihre Insel abzuholzen.

Ressourcenerschöpfung eine von vier Bedrohungen

Die globale Ressourcenerschöpfung ist eine der vier großen Bedrohungen für die Gesellschaft, die Jared Diamond in seinem neuesten Buch „Krise: Wie Nationen sich erneuern können“ beschreibt. Das Buch thematisiert, wie Nationen in der Vergangenheit mit Krisen umgegangen sind und welche Probleme wir heute haben.

„Wir leben auf dem Planeten Erde, nicht mitten im Pazifik, aber in der Mitte des Universums. Und wenn wir in Schwierigkeiten geraten, gibt es keine Außerirdischen, die wir um Hilfe bitten können. Wir können uns nicht abschauen, wie Probleme, die durch massive Abholzung entstehen, in der Andromedagalaxie gelöst werden. Wir müssen uns selber helfen oder aber wir scheitern, wie auf der Osterinsel geschehen“, so Diamond. 

Der grundlegende Unterschied zwischen der Osterinsel und der heutigen Welt ist, dass die Zivilisation der Osterinsel sich selbst zerstört hat, ohne dass jemand anderes dadurch zu Schaden kam, weil sie eben fernab von jeglicher Zivilisation im Pazifik liegt. Heute besteht allerdings durch die Globalisierung und die Wechselbeziehungen zwischen den Gesellschaften ein sehr ernsthaftes Risiko, mit dem wir konfrontiert sind – das Risiko eines globalen Niedergangs.“

Schleichende Prozesse sind gefährlich

Eines der Probleme ist, dass im Gegensatz zu einem plötzlichen Atomunfall der Klimawandel und die Ressourcenerschöpfung schleichende Prozesse sind. Wir dürfen nicht die Augen vor der zunehmenden Verschlechterung der Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen verschließen, denn irgendwann ist der Schaden irreparabel. 

Jared Diamond nennt als Beispiel für den Klimawandel seine Heimat Kalifornien. An einer Vielzahl von Tagen im Sommer lief die Klimaanlage wegen Rekordhitze nicht nur am Tag, sondern auch die ganze Nacht. „Das machte viele Leute stutzig. Dabei waren die Höchsttemperaturen in den vergangenen Jahrzehnten sukzessive gestiegen. Es ist nicht so, dass die Temperatur jedes Jahr um 0,3 Grad gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Der Anstieg war schleichend. Und die Menschen haben vergessen, wie es vor 40 Jahren war, weil sich die Temperaturen nicht plötzlich erhöht haben“, beobachtet er. 

Auch auf der Osterinsel war es nicht so, dass sie an einem Tag noch mit Palmen gesäumt war, und am nächsten Tag wachten die Bewohner auf und es stand nur noch ein einziger Kaktus da. Das Ganze war ein schleichender Prozess über Generationen und Jahrhunderte – und irgendwann war die Population ausgestorben.“

Lebten 1975 4 Milliarden Menschen auf der Erde, sind es heute 7,7 Milliarden. Durch die rasante Zunahme der Bevölkerung geraten die Ressourcen der Erde unter Druck. Aber immer mehr Menschen, Unternehmen und Politiker nehmen die Probleme der Welt ernst. „Das lässt mich hoffen“, sagt Diamond. „Die Gesellschaft muss ehrlich mit dem Problem umgehen und darf dessen Existenz nicht verleugnen.“

Fünf Länder verursachen 62 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes

Auf den ersten Blick erscheint die Herausforderung nahezu unüberwindbar – 215 Länder darauf einzuschwören, dass sie gemeinsam die globalen Probleme bewältigen. In der Praxis ist es aber viel einfacher. Eine Handvoll Länder sind für den Großteil des globalen Verbrauchs der natürlichen Rohstoffe verantwortlich und Hauptverursacher schädlicher Emissionen. Die USA, China, die Europäische Union, Indien und Japan sind für 62 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

„Selbst wenn sich nur fünf Länder einigen könnten, wäre das Problem des Ressourcenverbrauchs auf der Welt schon zur Hälfte gelöst“, so Diamond.

Die gemeinsamen weltweiten Anstrengungen im Umgang mit der Pandemie könnten den Weg für eine stärkere Zusammenarbeit bei der Lösung anderer globaler Probleme ebnen. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit haben wir es mit einer Krise zu tun, die eine globale Krise ist“, so Diamond. „Es ist klar, dass kein Land allein das Covid-19-Problem lösen kann. Die Welt muss zusammenfinden, um die Pandemie als globales Problem mit globalen Lösungen zu bekämpfen.

„Ich hoffe, dass die Bewältigung der Corona-Krise uns dazu bringen wird, gleichfalls globale Lösungen für die Probleme des Klimawandels, der schwindenden Rohstoffe und der zunehmenden Ungleichheit zu finden. Meine Hoffnung ist, dass uns diese weltumspannende Tragödie etwas viel Weitreichenderes lehrt.“

Wenn Sie mehr von Jared Diamond und anderen Experten zum Verständnis der modernen Welt erfahren möchten, hören Sie sich den Found in Conversation Podcast unter foundinconversation.pictet an.

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