Alexandra Weck berät Vermögensverwalter und Superreiche darin, online sichtbar zu werden – ausgerechnet jetzt, wo kaum noch jemand glaubt, was er im Netz sieht. Ihre These: Misstrauen ist der neue Standard. Darauf baut sie ihr Geschäft.

Das zeigt eine Anekdote, die sie im Podcast „For Profesisonal Investors Only“ erzählt. Sie stand einen gesamten Tag im Studio in München. Videograf dabei, Texte gelernt, mehrere professionelle Clips gedreht. Weck stellt ein paar davon online und bekommt kurz darauf eine Nachricht von jemandem aus dem Fach: Mit welcher KI sie das gemacht habe? „Wenn etwas zu gut ist, glauben wir es ist KI, wenn etwas zu schlecht ist auch.“

Den Bruch von Vertrauen kennt Weck aus erster Hand. 2009, ihr erster Tag im Investmentbanking bei Unicredit in München, mitten in der Finanzkrise. Damals liehen sich Banken untereinander kein Geld mehr. Heute ist das Misstrauen überall, nur die Ursache heißt jetzt KI. Stimmen lassen sich klonen, Videos in Echtzeit fälschen. Mit ihren Eltern hat Weck deshalb ein Passwort vereinbart, falls jemand mit ihrer geklonten Stimme anruft.

Ihr Gegenmittel nennt sie „digitalen Zeitstempel“. Wer heute anfängt, Spuren zu hinterlassen – Podcasts, Artikel, Webinare –, kann später beweisen, schon vor der großen KI-Flut als echter Mensch existiert zu haben. Dazu kommt eine zweistufige Linkedin-Strategie, die konservative Vermögensverwalter irritiert: Ebene eins ist laut. Ein Porsche, eine Flasche Champagner, die ihr die Assistentin heimlich aufs Hotelzimmer stellte, Polo-Posts. Alles Köder für den Algorithmus. Ebene zwei ist Substanz, und dort landen die zahlungskräftigen Kunden. Rund 150 Vernetzungsanfragen von Geschäftsführern pro Woche zählt Weck zuletzt. Alles getrackt, sagt sie, sie sei KPI-getrieben.

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Dahinter steckt ein Markt unter Druck. Die Erbschaftswelle rollt, Vermögen wandert an eine Generation, die per Whatsapp kommuniziert und Anbieter auf Instagram sucht. Klassische Akquise über Golfplatz und Netzwerkclub funktioniert weiter, aber nicht mehr allein. Wer heute einen UHNWI-Kunden gewinnen will, brauche laut Weck nicht mehr sieben Touchpoints wie im alten Marketing-Lehrbuch, sondern Hunderte. Wer online unsichtbar bleibt, hat dem Misstrauen im Ernstfall nichts entgegenzusetzen.

Ungefährlich ist das nicht. Geschlossene Netzwerke sind ein Ziel: Weck erzählt von einem Profil, das sich systematisch in ihre Kreise einklinkte, um über gemeinsame Kontakte Harmlosigkeit vorzutäuschen. Seitdem macht sie mit KI eine Due Diligence auf verdächtige Profile. Und sie warnt vor der schnellen Nummer: „Alles, was schnell geht, ist ein Scam.“

Nur: Wenn man nicht einmal mehr sicher sein kann, ob der Mensch im Videocall echt ist – ist lautes Flexen dann der richtige Weg für eine Branche, die von Diskretion lebt? Und was zählt am Ende mehr, Performance oder Vertrauen? Wie genau das funktioniert, welche Fehler gemacht werden und worauf Alexandra Weck jetzt setzt, darüber spricht sie im Podcast.