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Fondsmanager nennt 4 Beispiele Warum Finanzaktien in ein nachhaltiges Portfolio gehören

Straße in Kairo
Straße in Kairo: Ägypten gehört zu den Ländern, in denen besonders wenige Menschen ein Bankkonto besitzen. | Foto: Imago Images / Xinhua

Nachhaltig orientierte Anleger schauen vor allem auf Unternehmen, die in Bereichen wie sozialem Engagement, Umwelttechnologien oder nachhaltiger Infrastruktur tätig sind. Finanzunternehmen werden dagegen oft nicht als wichtige Akteure im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit angesehen. Sie leisten jedoch einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung sozioökonomischer Probleme.

Auch die Vereinten Nationen heben Finanzsysteme und ihre Akteure in ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung („Sustainable Development Goals“, kurz: SDGs) als elementar für die Erreichung wichtiger sozioökonomischer Ziele hervor. So sind die Aufsicht über die Finanzmärkte und -institutionen sowie der Zugang zu Finanzdienstleistungen explizite Unterziele mehrerer dieser Ziele, denn gut funktionierende Finanzmärkte sind eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass alle Mitglieder der Gesellschaft in die Lage versetzt werden, ihre Teilhabe an der Wirtschaft zu erhöhen und ihre persönliche wirtschaftliche Situation zu verbessern.

 

Durch die Analyse ihrer Geschäftstätigkeit können Anleger SDG-orientierte Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen identifizieren, die ein attraktives Ertragspotenzial aufweisen. Diese lassen sich unter anderem in den folgenden Bereichen des Finanzsektors finden:  

Zahlungstechnologie: Finanzielle Teilhabe für Menschen ohne Bankkonto 

Laut Weltbank verfügten im Jahr 2021 76 Prozent der Menschen, die älter als 15 Jahre sind, über ein Bankkonto. Im Jahr 2011 lag dieser Wert bei 51 Prozent. Ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt jedoch, dass gerade in einkommensschwächeren Regionen der Welt viele Menschen immer noch von diesem System ausgeschlossen sind.  

Grafik: Alliance Bernstein

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Unternehmen für Zahlungstechnologie ermöglichen Personen, die keinen Zugang zu einem Bankkonto haben, die finanzielle Eingliederung in die Gesellschaft. In Entwicklungsländern nutzen laut Weltbank mittlerweile 57 Prozent der Menschen digitale Zahlungen und sind so in die Wirtschaft integriert. Dieser Wert ist im Vergleich zu 35 Prozent im Jahr 2014 deutlich gestiegen (siehe Grafik). Dies fördert sowohl die Vernetzung der nationalen Wirtschaft in den Ländern selbst als auch die Integration dieser Länder in den globalen Weltmarkt.

Börsen: Wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsgleichheit

Unter der Oberfläche jeder Wirtschaft und Gesellschaft sorgen die Finanzmärkte dafür, dass Kapital ungehindert zu und von Unternehmen und Menschen fließt. In der akademischen Forschung wird seit Langem die Bedeutung gut entwickelter Aktienmärkte für die Förderung des Wirtschaftswachstums durch verbesserte Ressourcenallokation, Wettbewerb und Innovation nachgewiesen.

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Die Börsen tragen auch zum Risikomanagement bei, indem sie die Volatilität der Preise von Vermögenswerten verringern, die die Geldwertstabilität oder die Beschäftigung untergraben könnten. Wenn die Märkte destabilisiert sind, zahlt jeder den Preis. Banken schränken die Kreditvergabe ein, zunächst an Privatpersonen mit geringerer Kreditwürdigkeit und an kleine und mittlere Unternehmen. Die Preise von Vermögenswerten brechen ein und Zahlungen werden verzögert. 

Die Börsen kommen daher nicht nur dem wohlhabendsten Teil der Gesellschaft zugute. Auch Privatpersonen, die für den Kauf eines Hauses oder Autos einen Kredit aufnehmen müssen oder Unternehmen, die Kapital für ihr Wachstum benötigen, profitieren von einem funktionierenden Finanzmarkt und wirtschaftlicher Stabilität.

Anbieter von Finanzdaten: Informationen fördern die Teilhabe

Bessere Finanzdaten sind ein wesentlicher Bestandteil zur Förderung der finanziellen Teilhabe. Etwa 1,4 Milliarden Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugang zu grundlegenden Finanzdienstleistungen, und fast 850 Millionen Menschen haben keinen offiziellen Identitätsnachweis, so das Unternehmen Experian, das Verbraucherkredite auswertet. Etwa 28 Millionen Personen in den USA und 4 bis 5 Millionen in Großbritannien sind laut Experian zudem „nicht kreditwürdig“, weil ihr Finanzprofil für Kreditgeber zu wenig aussagekräftig ist, um sie zu bewerten. Ohne Zugang zu erschwinglichen Finanzierungen können diese Menschen jedoch kein Haus kaufen, keine medizinische Versorgung erhalten, keine Ausbildung absolvieren und kein Unternehmen gründen. 

 

Anbieter von Finanzdaten haben daher begonnen, Einzelpersonen die Möglichkeit zu geben, Informationen über ihre pünktlichen Zahlungen weiterzugeben, um ihre Kreditwürdigkeit zu verbessern. Auf diese Weise können einkommensschwache Kunden und kleine Unternehmen, denen es oft schwerfällt, ein Kreditprofil zu erstellen, weil sie keine Kredithistorie haben und für das System unsichtbar sind, in das Finanzsystem integriert werden, Zugang zu günstigeren Finanzierungsquellen erhalten und zusätzliche Dienstleistungen nutzen.

Versicherungen: Persönliche Finanzen schützen

Fast jeder Mensch ist irgendwann im Laufe seines Lebens auf Versicherungen angewiesen. Sie helfen bei der Bewältigung von Bedrohungen für Gesundheit, Einkommen und Eigentum, die innerhalb kürzester Zeit einen finanziellen Ruin bedeuten können. Lebens- und Krankenversicherer, die erschwinglichen Schutz bieten und sich an gefährdete Bevölkerungsgruppen wenden, helfen zum Beispiel Familien, sich auf unerwartete finanzielle Notlagen vorzubereiten. Soziale Finanzdienstleistungen unterstützen die Erzielung positiver sozialer Ergebnisse in Bereichen wie Basisinfrastruktur, Zugang zu wesentlichen Dienstleistungen, erschwinglicher Wohnraum, Beschäftigung, Ernährungssicherheit und Mikrofinanzierungen.

Es wird deutlich, dass Finanzunternehmen im Portfolio dazu beitragen können, dass Anleger ihre nachhaltigen Ziele erreichen. Der Finanzsektor spielt nämlich eine entscheidende Rolle dabei, soziale Missstände zu verringern und, geleitet von den SDGs der Vereinten Nationen, einige der wichtigsten sozioökonomischen Herausforderungen unserer Zeit zu bekämpfen, um so die wirtschaftliche Teilhabe zu verbessern, Armut zu bekämpfen und Aufwärtsmobilität zu unterstützen.

Über den Autor:
Daniel Roarty wurde 2013 zum Investmentchef des thematischen und nachhaltigen Aktienteams von Alliance Bernstein ernannt. Er kam im Mai 2011 als Leiter des globalen Technologiesektors im internationalen Research Growth Team zum Unternehmen und wurde Anfang 2012 zum Teamleiter ernannt. Zuvor war Roarty bei Nuveen Investments, Morgan Stanley und Goldman Sachs tätig.  

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