Ein weiteres Risiko neben den Schwankungen während der Laufzeit bleibt das Ausfallrisiko einzelner Anleihen. Das wiederum hält Peter Gorynski, Leiter des Flächenvertriebs bei Franklin Templeton in Deutschland, für überschaubar: Ein erfahrenes Fondsmanagement könne bei drohenden Ausfällen schnell reagieren. „Wir agieren vorausschauend und reduzieren unsere Positionen konsequent oder verkaufen diese komplett, wenn wir sehen, dass die Kreditqualität sinkt“, sagt auch Oddo-Fondslenker Renault.

Prognosen der Rating-Agentur Moody’s zufolge werde etwa jeder 20. Emittent seine Anleihe nicht bedienen können. In Europa liege der Anteil derzeit darunter, in den USA etwas darüber. Renault hält es daher für enorm wichtig, dass die Portfolios aktiv gemanagt werden.

Analystin warnt vor Ausfall-Risiken bei Hochzinsanleihen

Morningstar-Analystin Shannon Kirwin sieht das kritischer: „Besonders bei hochverzinslichen Anleihen, die oft einen großen Teil solcher Portfolios ausmachen, kann das Risiko eines Kreditausfalls bei einzelnen Anleihen erheblich sein.“ Bonitätsprüfung und Fundamentalanalyse der Emittenten seien extrem wichtig. Anleger sollten zudem auf erfahrene Teams mit ausreichend Research-Kapazitäten setzen.

Einige Gesellschaften wollen zudem mit Nachhaltigkeitsstrategien Risiken verringern. So sind unter den Neuauflagen mehrere nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung eingestufte Fonds, darunter der Franklin Responsible Income 2028 und der Oddo BHF Global Target 2028. Das könne durchaus eine Beschränkung sein, gibt Oddo-Hochzinsexperte Renault zu – habe ihn aber gleichzeitig schon vor Fehlern bewahrt.

 

Franklin-Templeton-Fondslenker David Zahn bevorzugt Unternehmen, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, etwa zur Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft. Beide Fonds schließen bestimmte Branchen aus, darunter Tabak und Glücksspiel.

Auch Flossbach von Storch steigt mit einem Artikel-8-Fonds in das Segment der Laufzeitfonds ein. Die Strategie, die auf Unternehmens- und Staatsanleihen sowie Pfandbriefe setzt, soll nach Kosten 3 Prozent Rendite liefern – eine Garantie gibt das Fondshaus aber nicht. Die Laufzeit ist auf vier Jahre befristet, allerdings sei eine frühere Rückzahlung möglich, heißt es. Erreiche der Fonds die erwartete kumulierte Wertentwicklung für vier Jahre bereits nach drei Jahren, werde das Geld vorzeitig ausgezahlt. Damit falle die annualisierte Rendite entsprechend höher aus.

Geeignet seien die Produkte für alle Kundengruppen, betonen die Gesellschaften. In seinen Fonds seien die unterschiedlichsten Anlegergruppen vertreten, erklärt Carmignac-Portfoliomanager Pierre Verlé – von „den anspruchsvollsten institutionellen Anlegern“ bis hin zu seinen 4 und 7 Jahre alten Söhnen. Verlé und sein Team setzen auf Unternehmensanleihen. Das Durchschnittsrating der 130 Titel im Portfolio liegt mit BBB gerade noch im Investment-Grade-Bereich.

Vertrieb will mit Laufzeitfonds auch Aktienanleger erreichen

„Wir sehen aufgrund der sechsmonatigen Orderphase das Interesse vor allem auf Privatkundenseite, also von Banken, Vermittlern und Vermögensverwaltern“, beobachtet dagegen Franklin-Templeton-Vertriebsspezialist Peter Gorynski. Mit dem Franklin Responsible Income 2028 sollen aber nicht nur Kunden angesprochen werden, die Rentenfonds ohnehin offen gegenüberstehen, sondern aufgrund aktueller Marktunsicherheiten auch Aktienanleger, die ihr Risiko reduzieren wollen. Knapp 80 Prozent des Portfolios ist im Investment-Grade-Bereich angesiedelt, ein Branchenschwerpunkt sind Banken.

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Mit Union Investment lenkt nun sogar ein Anbieter ein, der unlängst noch Zurückhaltung bei Laufzeitfonds signalisiert hatte. Das Investmenthaus hatte mit dem Uni Euro Renta Unternehmensanleihen 2028 (LU2565292625) zwar kürzlich ein entsprechendes Produkt gestartet – allerdings war die Strategie nur für den österreichischen Markt gedacht. Nun wurde der Fonds kurzfristig auch in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Inzwischen hätten auch deutsche Vertriebspartner Interesse signalisiert, begründet Union Investment den Schritt. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 29. März 2023.

„Das Ziel bei solchen Strategien ist immer, Anleihen zu attraktiven Preisen zu identifizieren, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden können“, erklärt Morningstar-Analystin Shannon Kirwin. Dass Laufzeitfonds in Zeiten breiter Marktverwerfungen, in denen viele Anleihen mit Preisabschlägen gehandelt würden, wieder stärker in den Fokus rückten, sei daher nicht überraschend. In diesem Jahr könnte die Zahl der Neuauflagen noch einmal deutlich steigen – und damit sogar das starke Jahr 2022 übertreffen.

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