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Warum Öl nicht als Inflationsschutz taugt

Die Kämpfe in Libyen und damit zwischen großen Ölfeldern sorgen derzeit wieder für Unsicherheit – und Unsicherheit ist der beste Nährboden für Spekulation. Langfristig aber gelten andere Bestimmungsfaktoren für den Ölpreis – und das wird sich mäßigend auf die Notierungen auswirken.

Die Angst geht um, dass durch die Kämpfe und die damit verbundene Unruhe in Nordafrika nicht genügend Öl den Weg zu uns findet. Dabei war schon vor der Einrichtung der Flugverbotszone und den Angriffen der internationalen Koalition auf Gaddafis Truppen die Ölproduktion in Libyen deutlich gesunken.

Statt der üblichen rund 1,7 Millionen Barrel pro Tag wurden gerade noch 400.000 Barrel pro Tag gefördert. Mittlerweile dürfte die Produktion noch weiter zurückgegangen sein. Exportiert wird davon ohnehin nichts, wie die Internationale Energieagentur mitteilt.

Panische Angst vor Ölmangel

Libyen alleine kann also nicht als Grund für die panische Angst vor der Ölknappheit und damit für steigende Preise herhalten. Letztlich ist es die Befürchtung, dass die Nachbarstaaten angesteckt werden, dass die gesamte Region im Chaos versinkt. Diese Befürchtung ist unbegründet. Gerade die wirklich ölreichen Länder öffnen sich bereits seit längerem, politisch wie wirtschaftlich; die Menschen dort haben am Reichtum teil.

Der Ölpreisanstieg hat auch noch einen anderen Grund: Mittlerweile wird Öl, als Kontrakt, Zertifikat oder in Form enger Ölaktien auch als Absicherung gegen Inflation verkauft. Das Stichwort ist Rohstoff. Die Idee: Nur endlich vorhandene Güter wie Gold oder eben Öl behalten ihren Wert, egal wie viel Papiergeld die Notenbanken drucken.

Das ist theoretisch richtig. Praktisch wissen wir aber, dass der Öl- und der Goldpreis dadurch getrieben werden. Und zwar in Höhen, die kaum noch realisierbar sind, wenn es wirklich zu einer starken Inflation und damit einhergehender Abschwächung der Weltwirtschaft kommen sollte.

Teure Sicherheit


Die Ausschläge des Ölpreises werden sich wieder beruhigen, und der Preis pro Barrel wird sich zwischen 70 und 80 Dollar einpendeln. Denn ganz grundsätzlich gilt, dass sich derzeit Angebot und Nachfrage nach Öl weitgehend im Gleichgewicht befinden. Der Verbrauchszuwachs in den Emerging Markets ist bekannt und wird vom Markt bereits eingepreist. Natürlich trifft er auf eine endliche Menge an Öl.

Bis aber zu wenig Öl gefördert werden kann, um die Welt zu versorgen, werden andere Energiequellen aufgetan sein und diesen Rohstoff ersetzen. Dazu kommt, dass in der Region wie anderenorts immer wieder neue Quellen gefunden werden, der Moment der Entscheidung für oder gegen eine Erdöl-Weltwirtschaft also immer weiter aufgeschoben wird.

Wer sich also heute mit Öl in welcher Form auch immer eindeckt um sich gegen Inflation zu sichern, kauft teuer ein. Das Öl ist da, es wird gefördert und verkauft, von Knappheit keine Spur. Das wird den Preis nach der Spekulation wieder drücken. Und es macht die Absicherung von Inflationsrisiken durch Öl zu einem teuren Unterfangen.

Zum Autor
: Uwe Zimmer ist Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Meridio AG und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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