Adolf Rosenstock (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

US-Geldpolitik Warum Tapering die Märkte diesmal nicht ins Wanken bringt

US-Notenbankchef Jerome Powell
US-Notenbankchef Jerome Powell: Die Reduzierung der Anleihekäufe der Notenbank dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. | Foto: imago images / ZUMA Wire

Kein Notenbanker dieser Welt würde auf einer Videokonferenz das Risiko eingehen, durch eine auch noch so kleine Anmerkung zur Geldpolitik ein Beben an den Finanzmärkten auszulösen. So zumindest die Hoffnung an der Börse, nachdem das jährliche Treffen in Jackson Hole wegen der Corona-Pandemie ins Internet verlegt wurde.

Aber dennoch: Die Federal Reserve dürfte kurz vor der Ankündigung stehen, ihre monatlichen Anleihekäufe von 120 Milliarden Dollar zu reduzieren, weil sich die US-Wirtschaft soweit erholt hat, dass es dieser geldpolitischen Unterstützung nicht mehr bedarf. Damit werden aber auch Erinnerungen an das Jahr 2013 wach, als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke mit eben dieser Nachricht für einen Ausverkauf an den Anleihemärkten sorgte und die Renditen in die Höhe schnellen ließ. Die Schockwelle war insbesondere in den Schwellenländern zu spüren. Eine Wiederholung der Ereignisse dürfte unseres Erachtens dieses Mal allerdings nicht anstehen.

Ankündigung nicht überraschend

Im Unterschied zu damals kommt eine solche Ankündigung nicht überraschend. Der Markt wurde seit dem Frühjahr vorsichtig in kleinsten Dosen mit der Idee vertraut gemacht.

Keine Geldknappheit im System

Die Verdoppelung der Bilanz der US-Notenbank über die vergangenen 18 Monate auf über 8 Billionen US-Dollar hat auch zu einer Verdoppelung der Überschussreserven der Banken bei der Fed geführt. Diese Liquiditätsflut hätte die amerikanischen Geldmarktzinsen unter null gedrückt, wenn die Fed nicht mit der Reverse-Repo-Fazilität den Spielraum nach unten kappen würde. Hier können die Banken nicht benötigte Liquidität zu einem festen Satz von aktuell 5 Basispunkten bei der Fed abladen. Derzeit werden dort über eine Billion US-Dollar geparkt. 

Quelle: Mainsky/Macrobond

Selbst unter der Annahme, die Fed würde die Anleihekäufe ab Januar linear innerhalb von sechs Monaten komplett auslaufen lassen, wäre der geparkte Puffer erst Ende nächsten Jahres aufgebraucht. Bis dahin gäbe es keine Geldknappheit im System. Im Jahr 2013 war das nicht so.  

Tapering geht mit sinkender Neuverschuldung einher

Die monatlich im Volumen von 40 Milliarden US-Dollar aufgekauften hypothekenbesicherten Anleihen (MBS) mal außen vorgelassen, absorbiert die Fed im laufenden Fiskaljahr bis September US-Staatsanleihen im Wert von 960 Millionen US-Dollar. Dem steht eine staatliche Neuverschuldung von geschätzt 3 Billionen gegenüber. Im nächsten Fiskaljahr, also ab Oktober, sollte sich diese laut der Budgetpläne allerdings signifikant verringern. Erwartet wird selbst mit dem gegenwärtig debattierten Infrastrukturpaket dann nur noch ein Defizit im US-Haushalt von maximal 1,3 Billionen US-Dollar. Die Fed aber würde bei dem oben skizzierten Taper-Pfad bis Juni nächsten Jahres davon immer noch 600 Milliarden aus dem Markt nehmen. Abzüglich der Fed-Käufe müsste der Markt also nur noch für eine Aufnahme von rund 700 Milliarden Dollar bereit sein, nachdem er es im laufenden Fiskaljahr mit über 2 Billionen US-Dollar aufnehmen konnte.

Mehr zum Thema
Hohes Tempo bei Anleihekäufen bleibtWas Investment-Profis zur EZB-Entscheidung sagen
Kommentare zur EZB-Sitzung„Ein Hauch von Tapering“
Robert Halver zur InflationTiefenentspannte Währungshüter