Dach drüber Warum Vermittler gern unter Haftungsdächer schlüpfen
Den zahlreichen Meetings und Pflichtschulungen des Haftungsdachs stand Kienle nach eigenen Angaben zunächst mit gemischten Gefühlen gegenüber, aus Zeitgründen. Heute mag er sie nicht mehr missen. Er hat über Netfonds Weiterbildungen zum Experten für betriebliche Altersvorsorge und zum Fachmann für Ruhestandssicherung durchlaufen. Und auch die soziale Komponente schätzt er: „Teilweise haben sich über das Haftungsdach Freundschaften zu Mitarbeitern und Berufskollegen entwickelt.“
Von 34f gewechselt
Michael Birk besitzt einen Abschluss als Fachwirt für Finanzberatung von der Industrie- und Handelskammer. Einen Bankenhintergrund hat er nicht. Sein Unternehmen Birk & Partner gibt es seit 1994, mittlerweile arbeiten ihm rund 20 Mitarbeiter zu. Birk schloss sich 2004 zunächst dem Maklerpool BCA an. Er besitzt mehrere Erlaubnisse nach Gewerbeordnung, lange vermittelte er neben Finanzanlagen auch Versicherungen und Kredite. 2019 ging Birk unter das BCA-nahe Haftungsdach der Bank für Vermögen (BfV). Er habe sich unter mehreren Möglichkeiten für die BfV entschieden. Ganz fern lag die Entscheidung nicht: „Wir hatten mit BCA bereits langjährige Erfahrung“, so Birk. Auch für Themen abseits der reinen Finanzanlage hat Birk & Partner heute Spezialisten an Bord: Man vermittle neben Investments weiter Versicherungen, Immobilien und Finanzierungen und beschäftige Spezialisten für betriebliche Altersvorsorge.
Wieso er unter ein Haftungsdach gewechselt ist? Der letzte Auslöser sei die wenig verlockende Aussicht gewesen, als 34f-Vermittler bald unter Bafin-Aufsicht zu kommen, so Birk. „Noch mehr regulatorische Bürokratie und die Bafin-Aufsicht obendrein – der Aufwand war uns zu viel.“ Die Pläne aus dem Bundesfinanzministerium für 34f-Vermittler gerieten dann irgendwann ins Stocken. Zukünftig könnten sie jedoch noch einmal auf die politische Tagesordnung kommen. Birk fühlt sich gerüstet: Das Haftungsdach als Bafin-lizenziertes Institut nimmt ihm jetzt viele regulatorische Aufgaben ab.
Ein starkes Argument sei jedoch vor allem das breite Produktspektrum gewesen. „Wenn ein Vermittler keine Einzeltitel anbieten kann, hat er eine offene Flanke“, findet Birk. An seinem Haftungsdach schätzt er nach eigenen Angaben die digitale Unterstützung, etwa durch den Online-Fondsshop. Aber auch die Möglichkeit, bei der BfV zu vermögensverwaltenden Depots zu beraten. „Die Kombination aus digitalem Know-how und dem Menschlichen finde ich bei der BfV stimmig“, so Birk. Häufig nehme er mit seinem Unternehmen die Weiterbildung in Anspruch. Bei Fragen gebe es immer Ansprechpartner, mit denen er sich auch über Spezialthemen wie zum Beispiel Wasserstoff-Anlagen austauschen könne. Kosten hätten für ihn bei der Auswahl des Haftungsdachs kaum eine Rolle gespielt, sagt Birk: „Bei allen Haftungsdächern, die ich mir angesehen habe, waren die Kosten ähnlich.“ Mitentschieden hat am Ende offenbar ebenfalls ein Nasenfaktor: „Wir haben uns bei der BfV am wohlsten gefühlt.“

