Thorsten Müller bringt einen anderen Hintergrund mit. Müller ist Geschäftsführer von Solvecon. Die Bremer Fondsboutique ist die Gesellschaft eines Teams ehemaliger Kollegen von der Bremer Landesbank. Unter den Kollegen, die sich 2017 selbstständig machten, war auch der bekannte Volkswirt Folker Hellmeyer. Mittlerweile hat er Solvecon wieder verlassen. Das Haus hat einen Mischfonds aufgelegt, den Solvecon Opportunities. 2022 soll ein Aktienfonds hinzukommen.

Der Weg von Solvecon

Solvecon besteht eigentlich aus zwei Unternehmen: Solvecon Invest und Solvecon Asset Management. Solvecon Invest hatte ursprünglich selbst eine Bafin-Lizenz für die Anlageberatung des eigenen Fonds. Solvecon AM übernahm die individuelle Vermögensverwaltung und nutzte dafür die Lizenz der Reuss-Private-Wertpapierbank. Mittlerweile haben die Bremer ihre Bafin-Lizenz wieder abgegeben. Stattdessen übernimmt Solvecon AM die Tätigkeit als Anlageberater und ist damit unter das Dach von BN & Partners Capital gegangen. Das Haftungsdach gehört zur Reuss-Private-Gruppe. Bei Solvecon wurde der Umbau damit begründet, dass man die Vorzüge des Haftungsdachs nutzen wolle, um sich auf die Beratung des Fonds und die Vermögensverwaltung zu konzentrieren. „Die eigene Bafin-Lizenz zur Auflage und Verwaltung von Fonds wird immer komplexer und kostenintensiver“, meint Geschäftsführer Müller. „Und die Anforderungen für eine eigene Paragraf-15-WpIG-Lizenz haben sich nochmals verschärft.“ Das mit WpIG abgekürzte Wertpapierinstitutsgesetz ersetzt für Wertpapierdienstleister mittlerweile die Regeln des KWG. Eigentlich sollte es die Arbeit kleinerer Häuser erleichtern. Die Regeln bleiben trotzdem umfangreich.

„Viele Fonds-Initiatoren lagern mittlerweile die administrativen und regulatorischen Tätigkeiten rund um ihre Fonds aus“, beobachtet Müller. Die Regeln für Compliance, Geldwäscheprävention, interne Revision, dazu Datenschutz und IT-Sicherheit verschärften sich zunehmend. Es ist allerdings nicht nur der zeitliche Aufwand, der Müller und seine Kollegen zum Haftungsdach wechseln ließ, sondern auch das Geld: „Inhaber einer eigenen Bafin-Lizenz haben den Jahresabschluss-, die WphG- und EdW-Prüfung zu schultern. Das kostet schnell eine fünfstellige Summe.“ Mittlerweile kümmert sich auch darum das Haftungsdach. Für Solvecon ist das laut Müller sogar ein Stück weit günstiger.

Ein Haftungsdach nutzen aber nicht nur kleinere Gesellschaften wie die noch junge Solvecon. Auch Fondsgesellschaften wie Shareholder Value Management (SVM) arbeiten unter einem Haftungsdach. Die Frankfurter lassen ihre Fonds, darunter den bekannten Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, unter den Fittichen von NFS Netfonds laufen, SVM ist Anlageberater.

Nach welchen Kriterien man bei Solvecon das Haftungsdach ausgesucht habe? Es sollte ein lange bestehender Anbieter sein, verrät Müller. Man habe unabhängig von Banken und Versicherungen bleiben wollen und auch frei in der Produktauswahl. Mit der Reuss-Private-Gruppe hatten die Bremer bereits länger zu tun – was die Entscheidung zusätzlich erleichtert haben dürfte.

Auch beim demnächst startenden Aktienfonds soll BN & Partners den Bremern unter die Arme greifen: „BN & Partners stellt uns seine komplette Dienstleistungskette zur Verfügung“, erläutert Müller. Das Haftungsdach prüfe die Vertriebsfähigkeit des Fonds und begutachte, wie man das Anlagekonzept umgesetzt habe. Es helfe auch, den Fonds zu vermarkten. Wie bereits der Solvecon Opportunities soll der kommende Fonds über das Netzwerk des Haftungsdachs vertrieben werden, also auch über den Maklerpool Fondsnet. Der Pool gehört wie BN & Partners zur Reuss-Private-Gruppe.

Der Wechsel unters Haftungsdach verschlanke die Abläufe, sagt Solvecon-Chef Müller: „Solvecon bietet Kunden die gleichen Leistungen an wie zuvor. Wir haben jetzt allerdings geringere Kosten und können uns auf unsere Kernkompetenz Asset Management konzentrieren.“