Warum wir keine Bankaktien haben

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Ein schwarzes Loch für Aktionäre

Es gibt Branchen, in denen man sein Geld grundsätzlich nicht anlegen will. So war es beispielsweise fast immer bei Eisenbahnaktien: Erst waren sie unglaublich teuer, weil den Eisenbahnen die Zukunft gehörte, in derselben Weise wie sie heute den sozialen Medien gehört.

Die hohen Kosten für die Entwicklung des Geschäftsmodells und die geringen Gewinne in der Gegenwart wurden mehr als kompensiert von der Vorstellung, dass eines Tages alle Waren eines Kontinents über die Gleise der Eisenbahngesellschaft rollen würden.

Dann, als dieser Traum vorbei war, passierte die nächste Katastrophe, denn die Regierungen und die Gewerkschaften nahmen sich der Branche an. Die Eisenbahngesellschaften wurden in vielen Ländern verstaatlicht oder sehr stark reguliert. Hohe Löhne und beamtenartige Sozialleistungen sorgten dafür, dass die Unternehmen immer defizitär waren und vom Steuerzahler alimentiert werden mussten.

Als Investition waren Eisenbahnen fast immer eine Katastrophe, wie man noch heute an der griechischen Staatsbahn ablesen kann, die ein Überbleibsel aus der Zeit des Staatsmonopolkapitalismus ist. Sie macht einen Umsatz von 100 Millionen Euro, hat einen Personalaufwand von 400 Millionen Euro und 300 Millionen Euro an sonstigen Ausgaben.

Das Durchschnittsgehalt eines griechischen Eisenbahners liegt bei 65.000 Euro und es käme den Staat wohl billiger, wenn man sämtliche Bahnpassagiere in Taxis chauffieren würde.

Aber auch solche Zustände sind nicht für die Ewigkeit. In den USA etwa sind, nachdem etliche Gesellschaften pleite gemacht haben und das Bahnnetz grausam geschrumpft ist, die Bedingungen wieder von den wirtschaftlichen Realitäten geprägt. Gewerkschaften, Regierung und Kapitalgeber kooperieren und alle sind zufrieden. Aber bis es so weit war, hat es über 100 Jahre gedauert.

Banken ohne Geschäftsmodell


Sieht man sich heute den Bankensektor an, so denkt man zunächst nicht an die Eisenbahn, sondern an ganz dringende Probleme mit den Kreditbüchern.

In Europa sind viele überschuldete Regierungen darauf angewiesen, dass Banken mit schwachem Eigenkapital und einer Menge fauler Kredite ihnen ihre Anleihen abkaufen. Dieses Paar wirkt wie zwei angeschlagene Boxer, die nur so lange stehen bleiben, wie sie sich an einander lehnen können.

In diesem Licht wird der Bankensektor heute fast ausschließlich diskutiert. Aber tatsächlich sind die Banken – neben den akuten Problemen - heute in einer ähnlichen Situation wie die Eisenbahnen im 20. Jahrhundert. Am Ende des Tunnels ist leider kein Geschäftsmodell mehr, das ist in den vergangenen 10 Jahren verloren gegangen.

Auf der einen Seite haben die Banken Personal, das in jeder Hinsicht überbezahlt ist. Das gilt nicht für die Schalterbeamten und das klassische Kreditgeschäft, wohl aber für den großen Rest des Geschäfts. Investmentbanker, Fondsmanager, Private Banker et cetera sind viel zu teuer im Verhältnis zum BMW-Ingenieur (der eine solide Ausbildung hat und rechnen kann), zur messbaren Leistung (der Mehrwert gegenüber dem Zufall ist oft nicht auszumachen) und zu dem, was für den Aktionär übrig geblieben ist.

In den Banken haben die meisten Angestellten hervorragend verdient, während für die Aktionäre in der letzten halben Generation nur Verluste verzeichnet werden konnten. Damit ist bei den Banken genau das passiert, wovor Adam Smith gewarnt hatte: Zu viele Angestellte haben sich eher um das eigene Wohlergehen gekümmert als um das der Aktionäre. Sie sind mit dem Geld des Unternehmens nicht so umgegangen, als wäre es ihr Eigenes.

Die Unternehmen haben ihre Kostenstrukturen – das heißt im Wesentlichen die Gehälter - an die extrem guten Neunziger Jahre angepasst. Nun kommen sie davon nicht mehr los.

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