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Chefökonom von Donner & Reuschel Was 2022 für einen steigenden Goldkurs spricht

Goldschmuck
Goldschmuck: Mehrere Faktoren deuten auf einen wieder anziehenden Goldkurs hin. | Foto: imago images / Arnulf Hettrich

Im Jahr 2021 sprach eigentlich alles für das Edelmetall Gold: weltweit explodierende Staatsschulden, historisch tiefe Zinsniveaus, stark steigende Inflationsraten, coronabedingte Unsicherheitsfaktoren, massive Lieferkettenprobleme und diverse geopolitische Unruheherde. Und trotzdem liegen die Goldnotierungen verglichen mit Ende 2020 bei gut 4 Prozent im Minus. Lediglich unter Berücksichtigung des Währungseffektes und durch die deutliche Aufwertung des US-Dollars können Euro-Anleger ein Plus in Höhe von etwa 4 Prozent verbuchen.

Zumeist schwankte der Goldkurs zuletzt in einer Bandbreite zwischen 1.700 und 1.900 US-Dollar pro Feinunze. Unter charttechnischen Gesichtspunkten gelang durch diese Seitwärtsbewegung im Oktober immerhin der Ausbruch aus dem – seit Verlassen des Allzeithöchststandes bei 2.063 US-Dollar im August 2020 intakten – Abwärtstrend. 

Dass es trotzdem zu keiner deutlicheren Aufwärtsbewegung reichte, dürfte an dem seit September deutlich gestiegenen US-Dollar gelegen haben. Dieser hat den Kauf von Gold außerhalb des Dollarraums erheblich verteuert.

Was für ein Comeback des Edelmetalls spricht

Zuvor haben die sehr positiven Entwicklungen an den internationalen Aktienmärkten sowie möglicherweise auch die zwischenzeitliche Hausse des Bitcoin und anderer Krypto-Assets potenzielle Anleger vom Kauf abgehalten. Zudem stagnierte die konjunkturelle Erholung nach der Corona-Rezession in vielen Schwellenländern, deren Bevölkerungen zu den wichtigsten Goldschmuckkäufern gehören.

Mit Blick auf 2022 sprechen aber einige dieser Argumente für wieder steigende Kurse. Trotz erster Leitzinsanhebungen einiger Notenbanken und voraussichtlich steigender Zinsen für Staatsanleihen dürften tief negative Realzinsen verbreitet bleiben. Denn der Inflationsdruck bleibt anhaltend stark erhöht. Zudem profitierte der US-Dollar zuletzt nicht länger von der Erwartung einer weniger expansiven US-Geldpolitik. Er dürfte folglich nicht mehr allzu schwach tendieren.

An den Aktienmärkten hingegen sind wie schon seit Herbst schwankungsreichere Verläufe zu erwarten. Denn es ist unsicher, wie schnell sich die Hauptbelastungsfaktoren auflösen, also die Corona-Beschränkungen und vor allem die Staus vor großen Containerhäfen. Gleichzeitig trübt die Inflation die Konsumlaune vieler Menschen ein. Für das zweite Halbjahr ist hingegen mit einer konjunkturellen Aufhellung zu rechnen. Von dieser sollten auch Schwellenländer stärker profitieren.

Es gibt mithin mehrere Anzeichen, die auf bessere Zeiten für Goldanleger hindeuten.


Über den Autor:
Carsten Mumm ist Chefvolkswirt bei der Hamburger Privatbank Donner & Reuschel.

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