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Lesedauer: 6 Minuten
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Energieaktien Was Anleger zu Nachhaltigkeit im Energiesektor wissen müssen

Ölplattformen und Windkraftanlagen
Ölplattformen und Windkraftanlagen: Angebotsdefizite könnten den Kursen von Ölgesellschaften trotz der langfristigen strukturellen Herausforderungen mittelfristig Auftrieb geben. | Foto: Imago Images / agefotostock
Yasmin Meissner

Um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, muss sich der Energiemix weltweit verändern – auf der Versorger- wie der Verbraucherseite. Das hat Auswirkungen auf die Kapitalallokation und die Erzielung von Überrenditen. Die mit dieser Veränderung verbundenen Risiken und Chancen werden jedoch von den einzelnen Marktteilnehmern durchaus unterschiedlich bewertet. Um davon zu profitieren und differenzierte Anlageeinschätzungen zu entwickeln, sind profunde Marktkenntnisse und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung.

Wir haben uns daher mit Energieexperten unserer Teams für aktive Multi-Asset-, Aktien-, Anleihen- und alternative Anlagen zusammengesetzt, um über die Schnittmengen von Energie,
Vermögensanlagen und ESG zu diskutieren.

Alastair Bishop

Nach der landläufigen Vorstellung bringt die Eindämmung des Klimawandels große Belastungen für die Weltwirtschaft mit sich. Wir erwarten jedoch, dass die Begrenzung von Klimaschäden einer Verschlechterung der Wirtschaftslage entgegenwirken und höhere Renditen bei Risikoanlagen hervorbringen wird. Wir gehen davon aus, dass der Übergang zu einer grünen Wirtschaft Unternehmen, Sektoren und Länder, die sich anpassen, belohnen und andere abstrafen wird.

Daher setzen wir auf eine differenzierte Anlage in traditionelle Öl- und Gas- sowie erneuerbare Energieunternehmen, wobei die Chancen und Risiken über verschiedene Zeithorizonte variieren. Auf der Makroebene spielen die Rahmenbedingungen für die einzelnen Energierohstoffe eine wichtige Rolle. Dagegen sind auf der Ebene der einzelnen Unternehmen die Beteiligungspositionen und die Qualität der Transitionspläne von zentraler Bedeutung.

Volle Kraft voraus

Traditionelle Energiesektoren sind seit Jahren bei Anlegern nicht sonderlich beliebt. 2020 war für sie besonders schwierig, denn die Lockdowns bremsten die Ölnachfrage so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Ölnachfrage und die damit verbundene Performance von Energieaktien haben sich 2021 zwar nicht so stark erholt wie der Markt als Ganzes. Kurz- bis mittelfristig dürfte die Ölnachfrage aus unserer Sicht aber wieder anziehen, da die Weltwirtschaft zur Normalität zurückkehrt. Auch die Nachfrage in China hat Luft nach oben. In Indien dürfte die Nachfrage im Zuge der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums steigen.

Aus Angebotsperspektive üben die Überinvestitionen in die Schieferölproduktion und die bei Anlegern stärker in den Fokus gerückte Energiewende Druck auf Ölfirmen aus, ihre Investitionen zu begrenzen. Daher bleibt das Angebot limitiert, auch wenn die Nachfrage steigt. Dies könnte den Kursen von Ölgesellschaften trotz der langfristigen strukturellen Herausforderungen mittelfristig Auftrieb geben.

Die meisten unserer Experten sind sich einig, dass die Ölnachfrage noch in diesem Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreichen wird. Zugleich wird die Nachfrage nach erneuerbaren Energien weiter steigen. Vor allem erwarten wir, dass dieser Sektor dank technologischer Innovationen weiter wachsen und die Kosten sinken werden. Da alternative Energieträger immer günstiger werden, dürfte die Nachfrage nach traditioneller Energie massiv zurückgehen, allerdings nicht vollständig verschwinden.

Aktien erneuerbarer Energien durch Sektorrotation unter Druck

Nach der Erörterung von Angebot und Nachfrage ging es in der Expertenrunde um die Marktdynamik. Erneuerbare Energieaktien verbuchten 2020 starke Renditen, vor allem im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen. Dieser Trend hat sich 2021 allerdings umgekehrt, sodass sie nun dem Markt hinterherhinken. Hat der Markt demnach ein mit dem Pariser Abkommen konformes Szenario bereits eingepreist? Die Kurse traditioneller und erneuerbarer Energien können von mehreren Faktoren beeinflusst werden. Neben dem makroökonomischen Umfeld und der Politik spielen auch technologische Neuerungen und die Bewertungen eine Rolle. Die Experten kamen überein, dass die jüngsten Schwankungen größtenteils auf Verschiebungen vom Growth- zum Value-Faktor zurückzuführen sind. Traditionelle Energietitel haben demnach von der Rotation in Value-Aktien profitiert. Dagegen hat das kurzzeitig schwache Abschneiden erneuerbarer Energieaktien vor allem mit ihrem Growth-Charakter und weniger mit sektorspezifischen Problemen zu tun.

Am Puls der Energiewende

Wir erwarten, dass Öl und Gas in einer Welt im Einklang mit dem Pariser Abkommen weiterhin eine, wenn auch deutlich untergeordnete, Rolle verglichen mit erneuerbaren Energiequellen und Dekarbonisierungstechnologien spielen werden. Offenbar sehen das auch andere so: Immer mehr traditionelle Energiekonzerne denken über eine Anpassung ihrer Geschäftsmodelle nach und entwickeln Pläne für den CO2-Ausstieg. Allem Anschein nach erwarten auch sie wesentliche Veränderungen im Energiemix, an die sie sich notgedrungen anpassen müssen. Aber der Weg zu einer dekarbonisierten Welt dürfte alles andere als geradlinig verlaufen. Einige Umstellungen erfordern im Vorfeld enorme Investitionen, die kurzfristig höhere Emissionen verursachen können, wie etwa der Bau neuer Windturbinen. Da alle Energieanbieter ihre Risiken und Chancen überdenken und entscheiden müssen, in welchen Bereichen sie investieren wollen, spielen Anleger bei der Kapitalallokation eine wichtige Rolle. 

Große Unterschiede zwischen Europa und USA

Zudem beobachten wir, dass traditionelle Energieunternehmen dies- und jenseits des Atlantiks unterschiedliche Strategien verfolgen: In Europa investieren sie eher in erneuerbare Energien, während sich ihre amerikanischen Mitbewerber darauf konzentrieren, die CO2-Intensität ihrer Ölprojekte zu reduzieren. In den Bewertungen schlägt sich nieder, dass erneuerbare Energieprojekte mit zunehmendem Wettbewerb teurer werden. Daher bevorzugen einige Anleger US-Öl- und -Gasunternehmen, die kurzfristig Auftrieb bekommen könnten. 

Aber auch US-Firmen stellen zunehmend ihre Geschäftsmodelle um und rücken bei ihren Investitionsplänen kohlenstoffarme Projekte, darunter auch erneuerbare Energien, mehr in den Fokus. Nicht zuletzt deshalb, weil Aktionäre immer mehr daran interessiert sind, die langfristigen Risiken und Chancen von Öl- und Gasunternehmen im Zuge der Energiewende zu verstehen. Das zeigen auch die Beschlussvorlagen, über die auf den Jahreshauptversammlungen der Öl- und Gasfirmen im Geschäftsjahr 2020/2021 abgestimmt wurde, und die entsprechenden Ergebnisse. 

BlackRock ist überzeugt, dass Energieunternehmen einen wichtigen Beitrag zum Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft leisten können. Allerdings nur dann, wenn sie zu Innovationen und Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle bereit sind. Hier wird deutlich, wie wichtig der aktive Dialog mit den Firmenentscheidern über ihre Strategien und Pläne ist. Als langfristig orientierter Anleger im Auftrag unserer Kunden ermutigt unser BlackRock Investment Stewardship Team (BIS) Energieunternehmen, das Klimarisiko bei ihrer Strategieentwicklung angemessen zu berücksichtigen. Denn nur so können sie ihren Aktionären ein langfristiges Wertversprechen geben.

Fazit

Bei BlackRock ermöglichen wir bessere Anlageentscheidungen, indem wir Nachhaltigkeit als dauerhaften Renditetreiber verstehen, der weiter an Bedeutung gewinnt. Unsere Teams für aktive Anlagestrategien suchen nach ESG-Themen, die potenzielle Anlagerisiken und hervorragende Anlagechancen aufzeigen. Dazu betrachten wir verschiedene Zeithorizonte, Regionen und Unternehmen, und verlassen uns nicht auf allgemeine Annahmen auf Branchenebene.

Wir sind überzeugt, dass Gutes für die Umwelt zu tun auch den Portfolios unserer Kunden zugutekommt.

Besuchen Sie unsere Webseite zum nachhaltigen Investieren, um mehr darüber zu erfahren, wie wir bessere ESG-Ergebnisse, resilientere Portfolios und eine dauerhafte Überrendite anstreben.

Autoren: Yasmin Meissner, Co-Head Sustainable Investing for Multi-Asset Strategies & Solutions, BlackRock; Alastair Bishop, Head Sustainable Core Investing for Fundamental Equities, BlackRock

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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