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Die Queen besichtigt eine Fertigungsstätte von Siemens Gamesa in Nordengland: Die Verringerung des Treibhausgasausstoßes erfordert eine drastische Neuausrichtung der gesamten Energie-Wertschöpfungskette. | © Getty Images

Was der Klimawandel für Investments bedeutet

Anleger sollten auf zwei Unternehmensarten fokussieren

Der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) lässt wenig Zweifel an den Gefahren und dem raschen Fortgang des Klimawandels. Der IPCC ist eine angesehene internationale Gruppe aus 195 führenden Klimawissenschaftlern der Welt, die den Klimawandel seit 1988 intensiv erforscht. Der Bericht, der Ende 2018 nach zwei Jahren Bearbeitungszeit veröffentlicht wurde, bestätigt, dass die globale Erwärmung viel schneller fortschreitet als vorherige Modelle vermuteten.

Das Dokument stellt fest, dass es noch nie so viele heftige Stürme, Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände und schmelzendes Meereis gegeben hat wie im vergangenen Jahrzehnt. Der Bericht warnte zudem, dass die durchschnittlichen globalen Temperaturanstiege die viel größere Erwärmung in bestimmten Regionen, insbesondere der Arktis und der Antarktis, verdecken, wo die Gletscher- und Eisschmelze eine verheerende Wirkung auf den Anstieg des Meeresspiegels haben könnte.

Ein aktueller Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WOM) unterstreicht den menschlichen Einfluss beim Klimawandel und stellt fest, dass alleine 2018 rund 62 Millionen Menschen direkt vom Klimawandel betroffen waren, darunter 2 Millionen zwangsumgesiedelte Klimaflüchtlinge.

Es gibt wenig Zweifel daran, dass sich das Klima ändert und dass der Mensch zu diesem Wandel beiträgt. Neben der breiteren gesellschaftlichen Bedeutung bringt das sich ändernde Klima große Auswirkungen für Anleger mit sich. Investoren, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen, können von den Antworten von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft möglicherweise profitieren.

Sechs Gründe, den Klimawandel ernst zu nehmen

Insgesamt gibt es nach unserer Auffassung mindestens sechs gute Gründe für Anleger und Kunden, um den Klimawandel ernst zu nehmen. Diese sind: Reaktion auf eine weltweite wirtschaftliche und industrielle Umstrukturierung, Maximierung der risikobereinigten finanziellen Performance, Adressierung umweltpolitischer und sozialer Fragen, Reaktion auf die wachsende Nachfrage von Kunden und Interessenträgern, Einhaltung strengerer Regulierungs- und Transparenzvorschriften sowie die Erfüllung sich ändernder treuhänderischer Aufgaben.

Die Verringerung des Treibhausgasausstoßes auf die von der Wissenschaft empfohlenen Niveaus wird eine drastische Neuausrichtung der gesamten Energie-Wertschöpfungskette hin zu Brennstoffen mit Null- oder geringen Emissionen erfordern. Die Folgen werden nicht auf die besonders belastenden Sektoren wie Kohle, Öl und Gas, Bergbau, Versorger und verarbeitendes Gewerbe begrenzt bleiben. Nahezu jede Branche und jedes Unternehmens wird betroffen sein. Umfang und Ausmaß der nötigen Änderungen werden gewaltig sein. Wird nicht gehandelt, sind die Kosten nach unserer Auffassung enorm: Der Vermögensverwalter Schroders schätzt, dass der aktuelle Pfad einer Erderwärmung um 4 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts wirtschaftliche Schäden von mehr als 20 Billionen US-Dollar verursachen dürfte. Zum Vergleich: Der dauerhafte wirtschaftliche Schaden wäre drei bis vier Mal größer als die Verluste im Zusammenhang mit der globale Finanzkrise 2008.

Klimawandel lässt Gewinner und Verlierer entstehen

Die vielleicht wichtigste Folge der weltweiten industriellen und wirtschaftlichen Umwälzungen für die Anleger besteht darin, dass die gesamte Grundlage für den Wettbewerbsvorteil eines Unternehmens neu ausgerichtet wird und dass Unternehmen, die den größten wirtschaftlichen Wert mit den geringsten Emissionen schöpfen können, sich an die Spitze setzen. So unterschiedliche Unternehmen wie Alphabet/Google, Kellogg und HSBC melden bereits Wettbewerbsvorteile durch ihre Programme zur Emissionsminderung. Das Streben nach größerer CO2-Effizienz ist ebenfalls zu beobachten bei der Umstellung traditioneller Autobauer auf emissionsarme und elektrische Autos, beim Bau von energieeffizienten Smart Buildings, beim größeren Marktanteil und der Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energiequellen, einschließlich Wind- und Solarenergie, und den öffentlichen Bekenntnissen von Ölriesen, ihren CO2-Fußabdruck deutlich zu verringern.

Wie bei jedem großen industriellen Umbau wird der Prozess des Übergangs Gewinner und Verlierer hervorbringen. Für Anleger ist es entscheidend, beide erkennen können. Hierbei muss darauf hingewiesen werden, dass der Klimawandel nicht nur Abwärtsrisiken erzeugt, sondern auch echte Aufwärtschancen. Nach unserer Ansicht wird die Aufwärtsdimension bei Diskussionen um den Klimawandel zu häufig übersehen. Zwei Beispiele: Der Markt für Elektrofahrzeuge (EF) wuchs alleine 2017 um beeindruckende 54 Prozent, und die Internationale Energieagentur (IEA) sagt für erneuerbare Energiequellen bis 2050 einen Anteil von 50 Prozent am gesamten erzeugten Strom voraus – gegenüber derzeit 25 Prozent. Dagegen rechnet die IEA damit, dass der Anteil der fossilen Brennstoffe an der Stromerzeugung bis 2050 auf nur noch 29 Prozent fallen wird – gegenüber derzeit 63 Prozent.

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