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Was Deutschland aus Japan importiert

Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Erde. Die Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall hat das Land der aufgehenden Sonne schwer getroffen. Die Folgen für die Weltwirtschaft lassen sich noch nicht beziffern. Erste Schätzungen der Credit Suisse gehen von 130 Milliarden Euro an Katastrophenschäden aus.

Insbesondere in den Segmenten Unterhaltungselektronik und Fahrzeugbau gehört Nippon seit Jahrzehnten zu den innovativsten und produktivsten Volkswirtschaften.

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Die zerstörte Infrastruktur und Produktionsanlagen und unterbrochene Lieferketten – insbesondere bei den Autoherstellern und der Halbleiterindustrie – dürften zunächst die eng mit dem japanischen Markt verflochtenen asiatischen Nachbarländer treffen. 54 Prozent der japanischen Ausfuhren gehen nach Asien. Die Auswirkungen auf Deutschland gelten demgegenüber insgesamt als überschaubar. Opel-Produktion in Deutschland betroffen

Dennoch sind laut der „Financial Times Deutschland“ seit dieser Woche beispielsweise die Opel-Werke in Eisenach und im spanischen Saragossa durch fehlende Teile aus Japan betroffen: In Eisenach werden derzeit zwei Schichten gestrichen, das Werk in Zaragoza stoppt die Produktion. Wie die FTD weiter meldet, müssen in den USA die japanischen Hersteller Toyota, Nissan und Honda aufgrund der Lieferausfälle ihre US-Produktion drosseln.

Ein Blick auf die Handelszahlen des vergangenen Jahres: Insgesamt exportierte Deutschland aus Japan Waren im Wert von 22,06 Milliarden Euro, ein kräftiges Plus von 21,8 Prozent im Vergleich zu 2009. Demgegenüber führte Japan lediglich Waren im Wert von 13,11 Milliarden Euro aus Deutschland ein.

Damit gehört Japan weder bei den Ex- noch bei den Importen zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands. Zum Vergleich: Aus China kommen Waren im Wert von 76,5 Milliarden Euro und aus den Niederlanden im Wert von 68,8 Milliarden Euro. Nach Frankreich exportierte Deutschland im Jahr 2010 Güter im Wert von 90,7 Milliarden Euro, nach China gingen Waren im Wert von 53,6 Milliarden Euro.

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Den größten Anteil an den japanischen Exporten nach Deutschland hatte dabei mit rund 28 Prozent oder 6,16 Milliarden Euro die Sparte Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse. Hier ist Japan nach China (28,2 Milliarden Euro) und den USA (7,96 Milliarden Euro) drittwichtigster Handelspartner der Deutschen.

Ähnlich das Bild bei den Maschinen, die Deutschland im Wert von 5,70 Milliarden Euro aus Japan importiert. In diesem Segment wird nur aus China unwesentlich mehr (5,77 Milliarden Euro) eingeführt.

In den anderen Warenkategorien, insbesondere im Bereich Kraftfahrzeuge, gehört Japan nicht zu den fünf wichtigsten Handelspartnern Deutschlands (siehe Tabelle der zehn wichtigsten Importgüter aus Japan).
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