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Effiziente Kapitalallokation Was Familienunternehmen erfolgreich macht

Inditex-Gründer Amancio Ortega (r.), Tochter Marta (m.), ihr Partner Carlos Torretta (l.) und der Inditex-CEO Pablo Isla (im Profil)
Inditex-Gründer Amancio Ortega (r.), Tochter Marta (m.), ihr Partner Carlos Torretta (l.) und der Inditex-CEO Pablo Isla (im Profil): Eigentümerfamilien betreiben Wertschöpfung nicht für das nächste Quartal, sondern für die nächste Generation und darüber hinaus. | Foto: Imago Images / Agencia EFE
Cyril Benier

Was macht Familienunternehmen so erfolgreich? Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Familienunternehmen besser abschneiden:

• Unternehmertum – die gemeinsame DNA erfolgreicher Familienunternehmen, häufig inspiriert von den Gründern.  

• Aktives Engagement – der Wunsch, das Unternehmen für die nächste Generation zu erhalten, weiterzuentwickeln und zu stärken. 

• Sozio-emotionaler Wohlstand – die nicht-finanziellen Aspekte des Unternehmens – wie Identität, Reputation, Einfluss und Vermächtnis.  

All dies hängt in gewisser Weise mit einem übergeordneten Merkmal von Familienunternehmen zusammen – dem langfristigen Denken. 

Das bedeutet, dass dem langfristigen Bestand des Unternehmens Vorrang vor kurzfristigen Ergebnissen eingeräumt, in turbulenten Zeiten die Finanzdisziplin hochgehalten und der Fokus auf die Effizienz der Kapitalallokation gelegt wird.

Im Allgemeinen verfolgen Familienunternehmen einen geduldigen und zielgerichteten Investitionsansatz.

Grafik 1: Differenzierte finanzielle Merkmale von Familienunternehmen

Quelle: Pictet Asset Management, Factset 30. Juni 2021

Um zu erklären, warum Familienunternehmen langfristig besser abschneiden als Nichtfamilienunternehmen, haben wir zwei große Sektoren untersucht: Einzelhandel und Industrie. Beide bestehen in der Regel aus etablierten und ausgereiften Unternehmen und in beiden sind Familienunternehmen stark vertreten, wobei die Unternehmen oft schon mehrere Generationen im Besitz der Familie sind. 

Grafik 2 zeigt die aggregierten grundlegenden Merkmale von Familien- und Nichtfamilienunternehmen in diesen beiden Sektoren.  Ihre Profile zeigen klare Muster und deutliche Unterschiede. 

Grafik 2: Einzelhandel und Industrie – Grundlegende Merkmale von Familienunternehmen im Vergleich zu Nichtfamilienunternehmen; 2005 bis 2020

Wachstum

Das erste, was auffällt, ist das etwas geringere Umsatz- und EBITDA-Wachstum, das von Familienunternehmen im Zeitraum 2005 bis 2020 erzielt wurde. Das mag zunächst überraschen, aber das langsamere Wachstum lässt sich leicht durch den allgemeinen Ansatz erklären, den Eigentümerfamilien bei M&A verfolgen.

Familienunternehmen wollen lieber aus eigener Kraft als durch Übernahmen wachsen. Übernahmen können für Unternehmen eine gute Möglichkeit sein, schnell zu wachsen, aber im Allgemeinen bevorzugen Familienunternehmen ein langsameres und sichereres organisches Wachstum. Damit soll der Einfluss der Familie auf das Unternehmen geschützt und die Kultur des Unternehmens bewahrt werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass Familienunternehmen überhaupt keine M&A-Aktivitäten betreiben, sondern lediglich, dass sie dabei weniger aggressiv vorgehen.

Im Beobachtungszeitraum 2005 bis 2020 gaben Familienunternehmen durchschnittlich im Einzelhandel 22 Prozent und in der Industrie 15 Prozent weniger für Übernahmen aus als Nichtfamilienunternehmen. Dieser disziplinierte M&A-Ansatz hat auch zu einer geringeren Verwässerung durch Aktienemissionen geführt. Nichtfamilienunternehmen erhöhen im Durchschnitt ihre umlaufenden Aktien jährlich um 10 Prozent, obwohl sie deutlich umfangreichere Aktienrückkaufprogramme haben. Einer der Hauptgründe, warum eine Erhöhung des Grundkapitals nur ungern als Instrument für Wachstum genutzt wird, ist der, dass die Familie nicht die Kontrolle über das Unternehmen verlieren möchte, wenn ihr Aktienbesitz durch die Aktienemission verwässert wird.

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