LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
in AnalysenLesedauer: 8 Minuten

Rohstoff-Experte Nitesh Shah Was für einen neuen Boom bei Rohstoffen spricht

Mitarbeiterin in der Lithium-Batterie-Produktion
Mitarbeiterin in der Lithium-Batterie-Produktion: Rohstoff-Spezialist Nitesh Shah sieht einen neuen Rohstoff-Superzyklus voraus. | Foto: Imago Images / VCG

Rohstoffe standen im vergangenen Jahr unter Druck. Doch unseres Erachtens gibt es mehrere Gründe für vorsichtigen Optimismus in Bezug auf diese Anlageklasse im Jahr 2024 – dem chinesischen „Jahr des Drachen“.

Die wichtigsten Faktoren für die negative Rohstoffperformance im vergangenen Jahr waren:

  • Steigende Zinsen in vielen Industrieländern
  • Chinas Wirtschaft geriet unter dem Druck einer Immobilienkrise ins Stocken
  • Die Stimmung in Bezug auf die Energiewende verlor an Schwung

Unserer Meinung nach werden alle drei Faktoren in diesem Jahr eine Kehrtwende vollziehen.

Zinsen werden sinken

Der Konsens geht fest davon aus, dass wir in diesem Jahr Zinssenkungen verzeichnen werden. Zu Beginn des Jahres waren wir der Meinung, dass die Märkte hinsichtlich des Zeitpunkts und des Ausmaßes der Zinssenkungen etwas vorschnell waren. Doch inzwischen haben sie ihre Ansichten korrigiert und rechnen mit den ersten Zinskürzungen der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank gegen Mitte des Jahres.

Zinssenkungen dürften sich für die meisten zyklischen Anlageklassen, einschließlich Rohstoffe, positiv auswirken. Unsere Beobachtung ist, dass niedrigere Realzinsen die Preise von Rohstoffen positiv beeinflussen (Abbildung 1). Die Ausgleichsgerade (Line of Best Fit) zeigt, dass der Rückgang der Realzinsen um 1 Prozent mit einem Zuwachs der allgemeinen Rohstoffpreise um 6 Prozent einhergehen würde.

Abbildung 1: Rohstoffe und Realzinsen 

Grafik Rohstoffe und Realzinsen
Juni 1976 bis Januar 2024. Die Rohstoffpreise sind die Logdaten des Bloomberg Commodity Index – Logdaten des US Consumer Price Index. Die Realzinsen sind die zweijährigen nominalen US-Staatsanleihenrenditen – US-VPI-Inflation.
© Bloomberg, Wisdomtree

1.200% Rendite in 20 Jahren?

Die besten ETFs und Fonds, aktuelle News und exklusive Personalien erhalten Sie in unserem Newsletter „DAS INVESTMENT Daily“. Kostenlos und direkt in Ihr Postfach.

„Jahr des Drachen“ könnte Rohstoffmärkten neues Feuer einhauchen 

Wird China nach der Enttäuschung von 2023 in diesem Jahr einen Gang höher schalten? Anfang März hat das Land seine wirtschaftlichen Wachstumsziele von „rund 5 Prozent“ bekanntgegeben. Auf der Zentralen Wirtschaftskonferenz im Dezember 2023 wurde eine uneinheitliche Botschaft verkündet: „Verfolgung von Fortschritt bei gleichzeitiger Gewährleistung von Stabilität, Konsolidierung von Stabilität durch Fortschritt und Aufbau von Neuem vor Abschaffung von Altem“. Ein Aufruf zu mutigem Handeln lässt sich daraus nur schwer ableiten.

Chinas Immobilienkrise dauert einfach schon zu lange an, als dass die politischen Entscheidungsträger mit dem stückweisen Ansatz der Konjunkturbelebung aus dem Jahr 2023 fortfahren könnten. Die Stimmung ist bereits stark angeschlagen und der Markt braucht Unterstützung. Als Reaktion auf den allgemeinen Stimmungseinbruch haben sich die chinesischen Behörden auf das so genannte „Nationalteam“ verlassen – eine Gruppe staatlicher Fonds, die im Februar 2024 Aktien kauften. Das hat sicherlich einen Aufschwung an den Aktienmärkten bewirkt, seit die Märkte nach den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest wieder geöffnet wurden. Um das Problem an der Wurzel zu packen, könnten sich die politischen Entscheidungsträger auf den Immobiliensektor selbst konzentrieren.

Sie haben ihre Aufmerksamkeit auf „drei große Projekte“ gerichtet: erschwinglicher Wohnraum, Renovierung städtischer Dörfer und öffentliche Notfalleinrichtungen. Eine Aufstockung der Mittel für das PSL-Programm (Pledged Supplemental Lending) der chinesischen Zentralbank (PBOC) scheint darauf hinzudeuten, dass die Ausgaben für diese Projekte steigen werden (Abbildung 2). Die Unterstützung über diesen Kanal beinhaltet keine breit angelegte Zinssenkung. 

Abbildung 2: Volumen des „Pledged-Supplemental-Lending“-Programms der PBOC 

Grafik: So viel Geld schießt die PBOC ins PSL-Programm
Juni 2015–Januar 2024. Monatliche Daten
© Wisdomtree, Bloomberg

Zudem senkte die PBOC im Februar 2024 die wichtigsten Hypothekenzinsen so stark wie seit 2019 nicht mehr. Das Zögern, die Zinsen auf breiterer Basis zu senken, ist auf Befürchtungen einer Währungsabwertung zurückzuführen. Aber wenn andere Länder ihre Zinsen senken (siehe Abschnitt oben), wird China weniger Zurückhaltung üben.

Wir sollten auch bedenken, dass Chinas Nachfrage nach Rohstoffen nicht stark beeinträchtigt wurde. Die schwachen Rohstoffpreise sind offenbar in der Annahme begründet, dass eine schleppende Konjunktur die Nachfrage nach Rohstoffen dämpfen wird.